- 23.08.2012, 21:44:36
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 24. August 2012, von Peter Nindler: "Zwischen Vernunft und Millionen"
Innsbruck (OTS) - Die Naturgefahren im alpinen Tirol lassen sich
nicht wegdiskutieren, bestenfalls zähmen. Doch dafür sind jährlich
zig Millionen Euro notwendig. Dass der Rechnungshof deshalb
Baulandrückwidmungen vorschlägt, ist verständlich.
Unwetter und die daraus resultierenden Verwüstungen ganzer
Ortsteile wie im steirischen St. Lorenzen haben im heurigen Sommer
mit zerstörerischer Kraft die Grenzen der Naturbeherrschung
aufgezeigt. Am Ende stehen die Bewohner vor dem Nichts und für die
Sicherheit mit Restrisiko müssen allein in der obersteirischen
Ortschaft 60 Millionen Euro aufgewendet werden. Hochwasserschäden
und Murenkatastrophen begleiten Tirol ebenfalls Jahr für Jahr,
obwohl in den vergangenen Jahren durchschnittlich 35 Millionen
jährlich in die Errichtung von Lawinen- und Wildbachverbauungen
investiert wurden. Angesichts von 12 Prozent siedelbarer Fläche im
gebirgigen Tirol kam der Siedlungsraum den Naturgefahren von Lawinen
und Wildbächen jedoch gefährlich nahe. Zu nahe. Dass die Politik die
Menschen davor schützen muss, ist jedoch breiter Konsens, wenngleich
der Klimawandel neue Bedrohungen geschaffen hat. Deshalb wirft der
Bundesrechnungshof punktgenau die Frage von zukunftsfähigen
Vorbeugemodellen auf: Millionen in Schutzbauten investieren oder
geordneter Rückzug? Denn das Bauen in der gelben Zone ist vielfach
für den Einzelnen mit Auflagen möglich und wird gleichsam durch
teure Schutzbauten großflächig ermöglicht. Nur das Restrisiko bleibt
trotz der weit verbreiteten Vollkaskomentalität aufgrund der
Unberechenbarkeit der Natur und des allseits sichtbaren
Klimawandels. Nicht, dass der Rechnungshof das Land Tirol auf
Neuland führt, im Landesentwicklungsplan "ZukunftsRaum Tirol" wurde
das Risikomanagement schon längst aufgelistet. Doch wie in vielen
anderen Raumordnungs- und Entwicklungsfragen fielen die
ZukunftsRaum-Ideen, die vielleicht politisch weh tun, aber
nichtsdestotzrotz richtig sind, der Konsenspolitik zum Opfer. Der
Rechnungshof legt deshalb den Finger auf eine offene Wunde: Das
Bauland soll in den gelben Zonen zurückgewidmet werden. Natürlich
wird es Grenzfälle geben, doch diese müssten verringert werden.
Letztlich geht es darum, Millionen dort einzusparen, wo es weniger
schmerzt, und dort einzusetzen, wo der Schutz vordringlich ist. Ein
Naturgefahrenmanagement, eingebettet in eine Gesamtstrategie - der
Rechnungshof nennt es lokales Klimamodell mit Anpassungsstrategien
-, macht schließlich Sinn. Hier besteht Nachholbedarf in Tirol.
Eigentlich unverständlich, weil für Zukunftsfragen bereits vor
Jahren ein eigenes Büro im Landhaus eingerichtet wurde.
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