- 11.08.2012, 17:40:07
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Die Presse am Sonntag - Leitartikel: "Achtung, jetzt kommt Usain Darabos", von Christian Ultsch
Ausgabe vom 12.08.2012
Wien (OTS) - Nach der Londoner Olympia-Schlappe kündigt
Sportminister Norbert Darabos, das Reformgenie aus dem
Verteidigungsressort, beinharte Strukturänderungen an. Wenn das nur
gut geht.
Null Medaillen bei Olympischen Sommerspielen für eine Weltmacht wie
Österreich? Das geht gar nicht. Und deshalb muss jetzt der
Sportminister ran. Norbert Darabos, im Nebenberuf
Verteidigungsminister, übt das Sportamt schon seit Februar 2009 aus.
Er hatte also genug Zeit, sich ein Bild zu machen - und nichts zu
tun. Das verleiht seinen harten Ansagen mindestens ebenso viel
Autorität wie die cremefarbene Trainingsjacke, die das
Regierungsmitglied neuerdings vor Fernsehinterviews überstreift.
Seit der Schlappe von London kennt das burgenländische Pingpong-Ass
kein Pardon mehr. Er werde durchgreifen und Strukturen umkrempeln,
sagt Darabos in jedes Mikrofon. Gefördert werde nicht mehr nach dem
Gießkannenprinzip, sondern gezielt. Teufel auch, so sieht
Verantwortung nach dem Gockelprinzip aus: Dreieinhalb Jahre lang
schaut man dem Misthaufen im eigenen Hof beim Wachsen zu, um sich am
Ende wie ein Hahn draufzusetzen und empört zu krähen, wie sehr alles
zum Himmel stinkt.
Wobei: In diesem Zusammenhang von einem Misthaufen zu sprechen, ist
auch schon wieder übertrieben. Natürlich kann es Momente
patriotischer Freude auslösen, wenn ein Österreicher einen
internationalen Wettbewerb gewinnt. Aber letztlich ist es für das
Fortkommen einer Gesellschaft irrelevant, ob Athleten bei Olympischen
Spielen Gold, Silber, Bronze oder Blech holen.
Die Idee, sportliche Erfolge sozialtechnisch zu planen, ist ähnlich
überholt wie die DDR. Spitzenleistungen lassen sich nicht staatlich
verordnen, sondern außerhalb autoritärer Systeme nur individuell
erzielen. Es wäre deshalb absurd, das Londoner Debakel zum
Sputnik-Moment zu stilisieren und eine nationale Kraftanstrengung zu
organisieren, um schon 2016 in Rio den Medaillenspiegel wieder zu
heben.
Wie soll das Züchtungsprojekt funktionieren? Müssen ab Montag die
1000 schnellsten Schüler Österreichs einmal pro Monat zum
Sprinttraining nach Jamaika? Oder sind künftig Wiener Beamte
verpflichtet, in Kajaks durchs Kanalsystem zur Arbeit zu paddeln und
nach Dienstschluss das Schießen mit der Freien Pistole zu üben? Beim
Gewichtheben wäre auch noch was drin: Scouts könnten bei McDonald's
nach jungen Talenten suchen und ihnen eine Hantelausbildung in
Nordkorea nahelegen. Ja ja, und in der Hofreitschule bietet die
Republik Gratis-Dressurkurse an und abends Beachvolleyball-Turniere
fürs Volk. Denn in den Nischen lauert der Erfolg und in der Breite.
So hat der Visionär Norbert Darabos, der sein strategisches
Reformgenie schon beim Bundesheer unter Beweis stellte, den Pfad zum
Olymp vorgezeichnet. Eine Stunde mehr Turnunterricht pro Woche
schlägt er vor. Der Rest ergibt sich dann von selbst.
Klar, und in der Zwischenzeit kämpfen die ÖOC-Funktionäre darum, neue
olympische Bewerbe ins Programm aufzunehmen. Beim Schmähführen,
Bierstemmen und Spazierengehen wären wir im Sommer sicher ganz gut.
Oder auch beim Pfitschigogerln und beim guten alten "Wiener
Dreikampf": Nörgeln, Raunzen, Angerührtsein. Darabos kann gar nicht
verlieren.
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