Entschlüsselt: Zusammenhang Krebsmedikament und Lungenhochdruck

Wien (OTS) - In den letzten Jahren kommen so genannte Tyrosinkinasehemmer (Medikamente, die in den Krebszellen das Eiweiß blockieren und somit das Tumorzell-Wachstum verhindern sollen) bei der Behandlung von Krebserkrankungen immer häufiger zum Einsatz und lassen Betroffene, denen mit herkömmlichen Methoden nur unzureichend geholfen werden kann, hoffen. Dadurch können allerdings Beschwerden auftreten, mit denen man nicht gerechnet hat, beispielsweise Atemnot in der Folge von Lungenhochdruck.

Nun ist es einem Forscherteam in Graz gelungen, den Zusammenhang zwischen einem Krebsmedikament und dem Lungenhochdruck zu großen Teilen aufzuklären. Chandran Nagaraj vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung an der Med Uni Graz hat sich unter der Leitung von Univ.-Prof. DDr. Andrea Olschewski jahrelang intensiv mit dem Thema Lungenhochdruck beschäftigt. Ihn interessieren dabei besonders die bei Lungenhochdruck betroffenen molekularen Signalwege. So gelang es ihm nun erstmals nachzuweisen, dass eine bestimmte Protein-Tyrosinkinase auf die bei Lungenhochdruck betroffenen Ionenkanäle der Körperzellen einwirkt. Das heißt, wenn es zu einer Hemmung dieses Proteins kommt, kann die gefährliche Erkrankung Lungenhochdruck ausbrechen. Der dazu kürzlich veröffentlichte Fachartikel des Forscherteams in der internationalen Zeitschrift "European Respiratory Journal" beschreibt den entscheidenden Mechanismus im Detail und schafft damit das notwendige Grundlagenwissen für die Entwicklung neuer Therapiestrategien.

Chandran Nagaraj, Bi Tang, Zoltan Balint, Malgorzata Wygrecka, Andelko Hrzenjak, Grazyna Kwapiszewska, Elvira Stacher, Jörg Lindenmann, E. Kenneth Weir, Horst Olschewski, Andrea Olschewski: Src tyrosine kinase is crucial for potassium channel function in human pulmonary arteries. European Respiratory Journal 2012.

Lungenhochdruck - eine gefährliche Erkrankung mit schleichendem Verlauf

Am LBI für Lungengefäßforschung an der Med Uni Graz werden die Funktion und Erkrankungen der Lungengefäße, die sämtliches Blut des Körpers im Minutentakt durch die Lunge transportieren, erforscht. Wenn diese Gefäße erkrankt sind, kann sich zum Beispiel Lungenhochdruck entwickeln. Ein schwerer Lungenhochdruck kann unbehandelt binnen einiger Monate zum Tod führen. Die Früherkennung dieser Krankheit und die Erforschung potentieller neuer Medikamente stehen im Fokus dieses LBI.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt Forschungsinstitute (Ludwig Boltzmann Institute - LBI) in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Sie initiiert gemeinsam mit akademischen und anwendenden Partnern innovative Forschungsthemen und ist spezialisiert auf translationale Forschung - die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung. Derzeit betreibt die LBG 20 LBI und 5 Cluster mit rund 380 MitarbeiterInnen. Die Einrichtung von Ludwig Boltzmann Instituten für eine befristete Laufzeit erfolgt aufgrund von Ausschreibungen mit internationalen Begutachtungsverfahren.

Drei Ludwig Boltzmann Institute an der Med Uni Graz

Neben dem LBI für Lungengefäßforschung, welches sich intensiv mit der Erforschung der heimtückischen Lungenhochdruckerkrankung beschäftigt, gibt es noch zwei weitere LBIs an der Medizinischen Universität Graz. Im Zentrum des LBIs für Klinisch-Forensische Bildgebung steht die gerichtsmedizinische Untersuchung von lebenden Personen im Zusammenhang mit der Klärung rechtlicher Fragestellungen. Am LBI für Translationale Herzinsuffizienzforschung erforscht man neue Methoden zur Früherkennung und ursächlichen Behandlung der Herzmuskelschwäche.

Rückfragen & Kontakt:

Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung
Univ.-Prof. DDr. Andrea Olschewski
Tel.: 0316/385-72057
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