• 07.08.2012, 21:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 8. August 2012, von Michael Sprenger: "Klotz am Bein"

Innsbruck (OTS) - Heinz-Christian Strache versuchte sich in der
engen Kooperation mit den Kärntner Freiheitlichen als Stratege. Jetzt
werden die massiven Verstrickungen der Schwesterpartei in die
Korruptionsaffären zur enormen Belastungsprobe.

Als FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache Ende 2009 die Rückkehr der
orange angefärbten Kärntner Blauen in den Schoß der FPÖ verkünden
konnte, da fühlte er sich als großer Stratege. Nicht zu Unrecht. Denn
gemeinsam (mit dem mittlerweile gefallenen) Uwe Scheuch gelang es ihm
gleichzeitig, das abgespaltene BZÖ zu schwächen und das für die
Blauen verlorene südliche Bundesland wiederzugewinnen. Und dies alles
passierte noch im Sinne des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns
Jörg Haider, wie Scheuch und Strache damals stolz mit dem Brustton
der Überzeugung verkündet hatten.
Doch daran will Strache, der Stratege von einst, nicht mehr
wirklich erinnert werden. Verständlich, wird doch die Kärntner
Schwesterpartei für Strache immer mehr zum Klotz am Bein. So
versuchte sich Strache bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zu den
jüngsten Kärntner Korruptionsfällen als Verdrängungskünstler. Dass er
sich kurz vor dem Tod mit Jörg Haider ausgesöhnt hatte, konnte da in
Straches Sicht der Dinge keinen Platz haben. Denn er war es doch, der
als Erster erkannte, dass Haider an seinen eigenen Grundsätzen
scheiterte. Während sich Strache bei Haider (wegen der Spaltung des
dritten Lagers) noch halbwegs glaubwürdig abputzen konnte, tut er
sich mit seinem Verhältnis zur Kärntner Sesselkleberpartei FPK
verdammt schwer. Wie auf rohen Eiern versuchte er die Verhinderung
eines Neuwahlantrages durch den wiederholten Auszug der
Freiheitlichen aus dem Kärntner Landtag mit Verweis auf die
Landesverfassung zu rechtfertigen. Und dass der unter
Korruptionsverdacht stehende und zweimal in erster Instanz
verurteilte Uwe Scheuch den Parteivorsitz und das Amt des Landesrates
an dessen älteren Bruder Kurt übergab, wollte Strache nicht
kritisieren oder seltsam nennen.
Dieser Klotz am Bein lässt den sonst so lautstarken Kämpfer für
die Anständigen und Tüchtigen, der beim politischen Gegner so rasch
den Empörten mimt und Konsequenzen und Rücktritte fordert,
bewegungslos wirken.
Vielleicht verflucht Strache seinen Ausflug in die Kunst der
Strategie. Denn nach diesen Skandalen hätten die freiheitlichen
Wähler in Kärnten den Weg zur alten nationalen FPÖ von alleine
gefunden. Das BZÖ wäre zeitgleich im Sumpf verschwunden und Strache
wäre in dieser Frage nicht beschädigt worden. Doch Strache wollte
unbedingt Haiders Erbe antreten. Gut, dafür hat er jetzt die Scheuchs
am Hals.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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