Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 06. August 2012. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Zentrale Rolle für Innsbruck".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der Landtagswahlkampf hat begonnen:
Die SPÖ-Spitze übt sich im politischen Spagat, bei den Freiheitlichen laufen Geheimverhandlungen mit Rudi Federspiel, die ÖVP muss versuchen, das bürgerliche Lager in Innsbruck zu einen.

Die politische Landschaft in Tirol befindet sich im Umbruch. Nicht nur in der SPÖ, wo Landeshauptmannstellvertreter und SPÖ-Chef Hannes Gschwentner nach zehn Jahren an der Spitze abtritt. Seine Nachfolger Gerhard Reheis und Thomas Pupp stehen jetzt vor der Aufgabe, in den wenigen Monaten bis zur Landtagswahl einen eigenständigen sozialdemokratischen Kurs zu verfolgen und auf der anderen Seite den Regierungspartner ÖVP nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Quereinsteiger Thomas Pupp bleibt also wenig Zeit, die hohe Kunst des politischen Spagats zu erlernen.
Auch bei den Freiheitlichen bleibt kein Stein auf dem anderen. Noch kann sich Gerald Hauser zwar an der Spitze halten, seine engsten Mitstreiter aber kommen ihm je länger, je mehr abhanden oder werden auf unwählbare Plätze verbannt. Hinter vorgehaltener Hand knüpfen die Blauen bereits Kontakte zu Rudi Federspiel. Der populäre Law-and-Order-Politiker hatte die Freiheitlichen bei den Innsbrucker Gemeinderatswahlen quasi im Alleingang geschlagen und soll jetzt für blauen Rückenwind sorgen. Dem Stadtpolitiker werden beste Kontakte zur ÖVP nachgesagt, die noch aus der Zeit herrühren, als er auf einem VP-Ticket im Tiroler Landtag saß. Seine Aufgabe dürfte dann wohl sein, die nach den schwarz-blauen Desastern auf Bundesebene und in Kärnten nachhaltig gestörte Verhandlungsbasis wieder herzustellen. Die ÖVP-Spitze gibt sich nach außen hin noch gelassen. Aber in der Parteizentrale ist längst klar, dass der Traum von einem kurzen, intensiven Wahlkampf geplatzt ist wie eine Seifenblase. Im Gegenteil:
Tirol muss sich auf eine lange Wahlauseinandersetzung gefasst machen, die im Grunde bereits begonnen hat. Deshalb laufen auch in der ÖVP die Vorarbeiten auf Hochtouren.
Eine zentrale Rolle in den Überlegungen aller Parteien spielt natürlich Innsbruck. In der Landeshauptstadt sind viele Stimmen zu holen - und zu verlieren. Das könnte insbesondere der ÖVP drohen. Seit dem unrühmlichen Duell um das Bürgermeisteramt hängt der Haussegen schief im bürgerlichen Lager. Das schmerzt die VP-Wahlstrategen. Die wissen nämlich, dass es eine möglichst geschlossene Zustimmung aus Innsbruck braucht, um bei den Landtagswahlen 2013 zumindest das Ergebnis von 2008 halten zu können. Noch kann sich die ÖVP ihren nächsten Regierungspartner aussuchen. Aber nur, wenn Innsbruck mitspielt.

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