• 05.08.2012, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 06. August 2012. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Zentrale Rolle für Innsbruck".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der Landtagswahlkampf hat begonnen:
Die SPÖ-Spitze übt sich im politischen Spagat, bei den Freiheitlichen
laufen Geheimverhandlungen mit Rudi Federspiel, die ÖVP muss
versuchen, das bürgerliche Lager in Innsbruck zu einen.

Die politische Landschaft in Tirol befindet sich im Umbruch. Nicht
nur in der SPÖ, wo Landeshauptmannstellvertreter und SPÖ-Chef Hannes
Gschwentner nach zehn Jahren an der Spitze abtritt. Seine Nachfolger
Gerhard Reheis und Thomas Pupp stehen jetzt vor der Aufgabe, in den
wenigen Monaten bis zur Landtagswahl einen eigenständigen
sozialdemokratischen Kurs zu verfolgen und auf der anderen Seite den
Regierungspartner ÖVP nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen.
Quereinsteiger Thomas Pupp bleibt also wenig Zeit, die hohe Kunst des
politischen Spagats zu erlernen.
Auch bei den Freiheitlichen bleibt kein Stein auf dem anderen. Noch
kann sich Gerald Hauser zwar an der Spitze halten, seine engsten
Mitstreiter aber kommen ihm je länger, je mehr abhanden oder werden
auf unwählbare Plätze verbannt. Hinter vorgehaltener Hand knüpfen die
Blauen bereits Kontakte zu Rudi Federspiel. Der populäre
Law-and-Order-Politiker hatte die Freiheitlichen bei den Innsbrucker
Gemeinderatswahlen quasi im Alleingang geschlagen und soll jetzt für
blauen Rückenwind sorgen. Dem Stadtpolitiker werden beste Kontakte
zur ÖVP nachgesagt, die noch aus der Zeit herrühren, als er auf einem
VP-Ticket im Tiroler Landtag saß. Seine Aufgabe dürfte dann wohl
sein, die nach den schwarz-blauen Desastern auf Bundesebene und in
Kärnten nachhaltig gestörte Verhandlungsbasis wieder herzustellen.
Die ÖVP-Spitze gibt sich nach außen hin noch gelassen. Aber in der
Parteizentrale ist längst klar, dass der Traum von einem kurzen,
intensiven Wahlkampf geplatzt ist wie eine Seifenblase. Im Gegenteil:
Tirol muss sich auf eine lange Wahlauseinandersetzung gefasst machen,
die im Grunde bereits begonnen hat. Deshalb laufen auch in der ÖVP
die Vorarbeiten auf Hochtouren.
Eine zentrale Rolle in den Überlegungen aller Parteien spielt
natürlich Innsbruck. In der Landeshauptstadt sind viele Stimmen zu
holen - und zu verlieren. Das könnte insbesondere der ÖVP drohen.
Seit dem unrühmlichen Duell um das Bürgermeisteramt hängt der
Haussegen schief im bürgerlichen Lager. Das schmerzt die
VP-Wahlstrategen. Die wissen nämlich, dass es eine möglichst
geschlossene Zustimmung aus Innsbruck braucht, um bei den
Landtagswahlen 2013 zumindest das Ergebnis von 2008 halten zu können.
Noch kann sich die ÖVP ihren nächsten Regierungspartner aussuchen.
Aber nur, wenn Innsbruck mitspielt.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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