• 01.08.2012, 21:38:31
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"Eine Familienangelegenheit", Leitartikel von Michael Sprenger, Tiroler Tageszeitung am 2. August 2012

Uwe Scheuch inszenierte sich bei seinem Rücktritt erneut als das Opfer. An der Politik der Freiheitlichen wird sich durch seinen Abgang vorerst nichts ändern.

Innsbruck (OTS) - "Dafür wird schon sein Bruder Kurt sorgen. Ein
Kärntner Sittenbild."

Durch Korruptionsvorwürfe, Prozesse, Anzeigen, Vorerhebungen und
sonstige Kleinigkeiten lassen sich die Kärntner Freiheitlichen nicht
aus der Ruhe bringen. Und wenn es schon etwas zu regeln gibt, dann
innerhalb der Familie. Der bisherige Parteichef der Freiheitlichen,
Uwe Scheuch, wollte sein Politikverständnis nicht einmal in Ansätzen
verbergen, als er die politische Hof-
übergabe an den älteren Bruder verkündete. Durchaus möglich, dass
dies von den Gebrüdern Scheuch als ehrliche Politik verstanden wird.
Schließlich wandelten die Scheuchs die Partei nach dem Tod von Jörg
Haider zum Familienbetrieb um.
Noch bevor Landeshauptmann Gerhard Dörfler, ein treuer Angestellter
der Familienpartei, unter der Regieanweisung von Uwe Scheuch
verkünden durfte, dass eben Kurt Scheuch neuer Parteichef und
Landesrat wird, spielte der andere Scheuch noch einmal die Rolle, die
er am besten beherrscht. Er inszenierte sich als Opfer, als Opfer der
Medien und der Jagdgesellschaft, die ihn "zum Verbrecher"
abgestempelt haben. Er, das Unschuldslamm, das zwei Mal (noch nicht
rechtskräftig) in der "Part-of-the-Game"-Affäre verurteilt worden
ist, er, der sich wegen einer Wahlkampfbroschüre von der
Korruptionsstaatsanwaltschaft den Vorwurf der illegalen
Parteienfinanzierung anhören muss, er, der in der Causa Birnbacher
nun der Geldwäsche bezichtigt wird, sei ein anständiger Mann. Aber er
erkenne, dass er "die einzige offene mediale Flanke" der Partei sei,
die bei etwaigen Neuwahlen vom Gegner ausgenutzt werden könnte.
Deshalb tritt er quasi zum Wohle der Familie zurück - ohne dass sich
die Partei in irgendeiner Form neu ausrichten müsse. Also Kontinuität
statt Neuanfang. Das freute dann auch Dörfler, als er aus dem Munde
von Kurt Scheuch das entlarvend ehrliche Versprechen hörte, das
dieser im Beisein seines Bruders Uwe noch rasch abgab: Er, Kurt
Scheuch, werde die "erfolgreiche Arbeit" des Bruders fortsetzen.
Damit dürfte nun selbst den naivsten Zeitgenossen klar sein, dass
sich in Kärnten vorerst nichts ändern wird. Schon am morgigen Freitag
wird die FPK ob ihrer Mehrheit dafür sorgen, dass der erste
Neuwahlantrag scheitert. Am Montag muss dann Uwe Scheuch im
Birnbacher-Prozess aussagen. Dabei droht zwar neues Ungemach, aber
dies wird die Partei jetzt auch nicht mehr groß erschüttern. Denn
noch bestimmt eben die Familie, wann die Untertanen zur Wahlurne
gehen dürfen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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