• 30.07.2012, 08:16:00
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitarikel" von Peter Nindler: Dörflers letztes Aufbäumen

Innsbruck (OTS) - In Kärnten geht es nur noch darum, wann gewählt
wird. Der freiheitliche Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat die
Chance verpasst, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Er ist
eigentlich nur "part of the game" von Uwe Scheuch.

Ein bekanntes Kärntner Lied bringt es musikalisch auf den Punkt:
"Kantnarisch dos greift aufs Gmiat." Die Gemütslage im südlichsten
Bundesland und im Rest der Republik ist ähnlich. Neuwahlen sollen
rasch einen Schlussstrich unter die korruptionsgeschwängerte Ära von
Jörg Haider und die seiner Erben ziehen. Das haben wohl auch die
Kärntner Freiheitlichen bereits erkannt, wenngleich sie noch nach dem
rettenden Strohhalm bzw. den günstigsten Zeitpunkt für einen
Urnengang suchen. Denn geht es nach der politischen Vernunft, müssten
sie an der Wahlurne gleichsam mit nassen Fetzen aus dem Amt verjagt
werden.

Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler ist zwar ein
hemdsärmeliger Politiker, doch in der FPÖ hat er nicht die Hosen an.
Ansonsten hätte er schon längst die Initiative ergriffen und die
Gunst der Stunde genützt: zu Neuwahlen und zum personellen Aufräumen
in seiner Partei. In Prinzip ist er aber Landeshauptmann von Uwe
Scheuchs Gnaden und damit "part of the game" des FPK-Parteichefs.
Weicht Dörfler von der Parteilinie ab ("Menschenhatz"), dürften seine
Tage als Landeshauptmann gezählt sein. So gesehen kann Dörfler nur
mitheulen, aber keinesfalls mitbestimmen.

Wie bei den Freiheitlichen üblich, von Jörg Haider einst perfekt
inszeniert und von seinen Nachfolgern begierig aufgesogen, werden
Dörfler und Co. den äußeren Feind ausmachen, um von den eigenen
Unzulänglichkeiten abzulenken. Daher geht es jetzt beim Tauziehen um
den Neuwahl-Termin. Den Blauen an der Drau soll einmal mehr der
Kärntner Schulterschluss gegen Pauschalverurteilungen, die in
Wahrheit gar nicht pauschal sind, gegen Europa und gegen "die in
Wien" wieder den Weg in die Regierungsverantwortung ebnen. Und
Skandale in Rot wären überhaupt das Beste. Vielleicht, so die
Hoffnung der FPK, könnte es ja für SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann
in der Inseratenaffäre noch einmal eng werden.

Das Match in Kärnten wird eines zwischen FPÖ und SPÖ bzw. den
Grünen als reinigende Kraft sein. Bei der ÖVP ist lediglich
Schadensbegrenzung angesagt - auch für die Bundespartei. Wird noch
heuer gewählt, dann dürfte im Kärntner Wahlkampf wohl der gesamte
politische Sumpf der Republik aufgearbeitet werden. Und am Ende ist
zu befürchten, dass sich die Wähler mit Grausen davon abwenden. Man
muss kein Prophet sein, um letztlich einen klaren Wahlsieg der
Politikverdrossenheit vorherzusagen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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