TIROLER TAGESZEITUNG "Leitarikel" von Peter Nindler: Dörflers letztes Aufbäumen

Innsbruck (OTS) - In Kärnten geht es nur noch darum, wann gewählt wird. Der freiheitliche Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat die Chance verpasst, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Er ist eigentlich nur "part of the game" von Uwe Scheuch.

Ein bekanntes Kärntner Lied bringt es musikalisch auf den Punkt:
"Kantnarisch dos greift aufs Gmiat." Die Gemütslage im südlichsten Bundesland und im Rest der Republik ist ähnlich. Neuwahlen sollen rasch einen Schlussstrich unter die korruptionsgeschwängerte Ära von Jörg Haider und die seiner Erben ziehen. Das haben wohl auch die Kärntner Freiheitlichen bereits erkannt, wenngleich sie noch nach dem rettenden Strohhalm bzw. den günstigsten Zeitpunkt für einen Urnengang suchen. Denn geht es nach der politischen Vernunft, müssten sie an der Wahlurne gleichsam mit nassen Fetzen aus dem Amt verjagt werden.

Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler ist zwar ein hemdsärmeliger Politiker, doch in der FPÖ hat er nicht die Hosen an. Ansonsten hätte er schon längst die Initiative ergriffen und die Gunst der Stunde genützt: zu Neuwahlen und zum personellen Aufräumen in seiner Partei. In Prinzip ist er aber Landeshauptmann von Uwe Scheuchs Gnaden und damit "part of the game" des FPK-Parteichefs. Weicht Dörfler von der Parteilinie ab ("Menschenhatz"), dürften seine Tage als Landeshauptmann gezählt sein. So gesehen kann Dörfler nur mitheulen, aber keinesfalls mitbestimmen.

Wie bei den Freiheitlichen üblich, von Jörg Haider einst perfekt inszeniert und von seinen Nachfolgern begierig aufgesogen, werden Dörfler und Co. den äußeren Feind ausmachen, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Daher geht es jetzt beim Tauziehen um den Neuwahl-Termin. Den Blauen an der Drau soll einmal mehr der Kärntner Schulterschluss gegen Pauschalverurteilungen, die in Wahrheit gar nicht pauschal sind, gegen Europa und gegen "die in Wien" wieder den Weg in die Regierungsverantwortung ebnen. Und Skandale in Rot wären überhaupt das Beste. Vielleicht, so die Hoffnung der FPK, könnte es ja für SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann in der Inseratenaffäre noch einmal eng werden.

Das Match in Kärnten wird eines zwischen FPÖ und SPÖ bzw. den Grünen als reinigende Kraft sein. Bei der ÖVP ist lediglich Schadensbegrenzung angesagt - auch für die Bundespartei. Wird noch heuer gewählt, dann dürfte im Kärntner Wahlkampf wohl der gesamte politische Sumpf der Republik aufgearbeitet werden. Und am Ende ist zu befürchten, dass sich die Wähler mit Grausen davon abwenden. Man muss kein Prophet sein, um letztlich einen klaren Wahlsieg der Politikverdrossenheit vorherzusagen.

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