- 21.07.2012, 11:45:31
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ÖGB-Ruprecht: Das kann ja niemand mehr hören!
Gleichbehandlung für Frauen beginnt nicht mit frühzeitigem Anheben des Pensionsantrittsalters
Wien (OTS/oegbpresse) - "Durch das mehrmalige Wiederholen von
schlechten und falschen Argumenten können so genannte ExpertInnen und
auch die politisch Verantwortlichen bestehende Fakten einfach nicht
zur Seite schieben", stellt ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Brigitte
Ruprecht erneut zur frühzeitigen Angleichung des
Frauenpensionsantrittsalters klar. Anlass dafür ist ein Bericht der
Online-Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten vom 20. Juli
2012, in dem Sozialforscher Bernd Marin damit zitiert wird, dass es
sich bei dem derzeit geltenden Pensionsantrittsalter für Frauen um
ein "vergiftetes Bonbon" handeln soll. "Mit solch populistischen
Aussagen muss endlich einmal Schluss sein. - Das kann ja niemand mehr
hören", sagt Ruprecht.
Die hart erkämpfte Errungenschaft um die zeitlich verschobene
Anpassung des Frauenpensionsantrittsalters, soll Frauen einen fairen
Ausgleich für die Doppelbelastung von Beruf und Familie, damit oft
verbundene Teilzeitbeschäftigung, noch immer schlechtere Entlohnung
im Vergleich zu Männern bei gleichwertiger Arbeit sowie schlechtere
Aufstiegschancen in die Führungsebene sichern", erklärt Ruprecht.
"Wer immer jetzt wieder das Budget auf Kosten der sozialen und
arbeitsmarktpolitischen Position von Frauen sanieren oder die
Finanzierbarkeit unseres Pensionssystem vom derzeitigen
Frauenpensionsantrittsalter abhängig machen will, bekommt von uns
immer wieder die gleiche Abfuhr", so Ruprecht.
Arbeitsmarktrealität wird verleugnet
Mit der Erhöhung der Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen
Frauen innerhalb der letzten zehn Jahre (59,9 Prozent 2001 auf 66,5
Prozent 2011) stieg laut Statistik Austria auch die Anzahl der
teilzeitbeschäftigten Frauen von 561.600 auf 843.400 stark an.
Dadurch erhöhte sich die Teilzeitquote der Frauen von 34,3 Prozent
(2001) auf 44 Prozent (2011). Insgesamt waren 2011 rund 81 Prozent
der Teilzeitbeschäftigten weiblich. Gründe für Teilzeitbeschäftigung
waren bei 38 Prozent der Frauen, aber nur bei 3,1 Prozent der Männer
Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene. Bei
den Männern (24,4 Prozent) standen dagegen schulische oder berufliche
Aus- oder Fortbildung im Vordergrund (Frauen nur 7,6 Prozent).
"Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass sich in den Köpfen bisher nur
sehr wenig in Sachen echter Gleichstellung getan hat. Dazu kommt ein
höheres Armutsrisiko aufgrund der geringeren Entlohnung für
teilzeitbeschäftigte Frauen. Wer hier behauptet, dass das derzeit
niedrigere Pensionsantrittsalter den Frauen noch schadet - zum
Beispiel wegen ausfallender Gehaltsvorrückungen oder Beförderungen,
irrt gewaltig in der heutigen Zeit. Denn eine wesentliche Erhöhung
der Entlohnung nach Dienstjahren oder Berufserfahrung gehört in
vielen Frauenberufen längst der Vergangenheit an", so die
ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende.
Zudem sind laut dem "Allianz Arbeitsmarktbarometer" von Jänner 2012
nur 34 Prozent der Frauen mit ihrem Gehalt und ihren
Aufstiegsmöglichkeiten zufrieden. In den Bereichen Gehalt (61
Prozent) und Aufstiegsmöglichkeiten (56 Prozent) nehmen Frauen die
größten Unterschiede in Bezug auf Gleichbehandlung wahr. "Da zu
behaupten, dass das derzeit noch geltende niedrigere
Frauenpensionsantrittsalter der Grund wäre, warum Frauen noch immer
weniger verdienen als Männer oder warum Frauen nicht in
Führungspositionen kommen, ist mehr als fadenscheinig", kritisiert
Ruprecht.
Zeit bis zur echten Gleichstellung drängt
Und auch die Zahl der arbeitslosen Frauen im Alter ab 50 Jahren stieg
2011 laut Bundesministerium für Arbeit, Soziales und
Konsumentenschutz an: Während die arbeitslosen Männer ab 50 Jahren
mit einem Anstieg von einem Prozent nahezu am Vorjahresniveau
verharrten, kletterte die Zahl der arbeitslosen Frauen ab 50 Jahren
um 5,8 Prozent nach oben. "Hier haben sich die Sozialpartner bereits
beim Bad Ischler Dialog 2011 auf Maßnahmen verständigt, um das
faktischen Pensionsalter anzuheben. Diese Maßnahmen gelten
gleichermaßen für Frauen und Männer. Auf den Punkt gebracht lautet
die Zielrichtung: Arbeiten können und Arbeit haben. Diese Maßnahmen
gehören rasch umgesetzt", fordert Ruprecht.
Die Unternehmen und die Politik seien gefordert, endlich Frauen die
gleichen Chancen einzuräumen und auch mehr Frauen in der
Führungsetage zu beschäftigen. "Anstatt den immer wiederkehrenden
Wiederholungen sollten sich die Verantwortlichen besser mit der
echten Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben
auseinandersetzen. Die Angleichung des Pensionsantrittsalters ab dem
Jahr 2024 ist beschlossene Sache und längst auf Schiene. Die Zeit bis
zur echten Gleichstellung von Frauen und Männern drängt also", so
Ruprecht abschließend.
Rückfragehinweis:
ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Christoph Höllriegl, Tel. (++43-1) 534 44/361 DW, Fax.: (++43-1) 533 52 93, http://www.oegb.at
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