Die Presse am Sonntag - Leitartikel: "Leichte Schwächen in Deutsch und Subtraktion", von Rainer Nowak

Ausgabe vom 01.07.2012

Wien (OTS) - Heute auch einmal eine Zeugnisverteilung an die Regierungspolitiker - pädagogisch korrekt nicht mit Schulnoten, sondern mit individuellen verbalen Beurteilungen. Streng konstruktiv.

Zeugnisverteilung für Politiker ist eine eigene journalistische Gattung. Die schlichte Vergabe der Noten eins bis fünf hat aber - wie aus der modernen Pädagogik zu hören ist - wenig erzieherische Wirkung, sondern schert die Individualisten, die alle Menschen nun einmal sind, oberflächlich über einen Kamm. Das sei, so hört man weiter, wenig förderlich. Also wenn es den Mitgliedern der Bundesregierung hilft, werden wir sie ähnlich den vielen in die Ferien entlassenen Volksschülern Ostösterreichs verbal und streng konstruktiv beurteilen. Laut André Heller hilft es zudem, sich erwachsene Menschen als kleine Kinder vorzustellen, um sie besser zu verstehen.
Wolfgang Waldner: Macht gern und brav Hausaufgaben - auch die des Sitznachbarn. Kann nicht gut erzählen, was ihn beschäftigt. Andreas Schieder: Gut im Multiplizieren, Subtrahieren liegt ihm weniger. In der Gruppe stets hilfsbereit, manchmal altklug. Sebastian Kurz: Macht sehr gern Hausaufgaben. Kann immer sehr gut erzählen, was ihn gerade beschäftigt.
Josef Ostermayer: Erfüllt verlässlich jede Aufgabe, in keinem Fach Schwächen. Auch in den Pausen bleibt er sehr still.
Maria Fekter: Hat leichte Schwächen im Deutsch- und Englischunterricht, ist dabei aber sehr engagiert und kreativ. Schafft in der Klassengemeinschaft manchmal Unruhe.
Gabriele Heinisch-Hosek: Kann sehr gut formulieren und abstrakte Zusammenhänge erklären. In der Klassengemeinschaft manchmal bevormundend.
Beatrix Karl: Kann sich gut in andere hineindenken und allein beschäftigen. Singt in Musik brav mit. Manchmal etwas ängstlich. Rudolf Hundstorfer: Sprachliche Schwächen, formuliert kompliziert. Wahre Höchstleistungen im Werkunterricht.
Karlheinz Töchterle: Gut im Turnunterricht. Rechnet nicht gern, interessiert sich in Religion nur für das Alte Testament.
Claudia Schmied: Gut in Deutsch, schwach im Rechnen. Große Schwierigkeiten, die Autorität des Lehrers anzuerkennen.
Reinhold Mitterlehner: Rechenschwächen. Sagt oft Dinge, die er nicht so meint.
Norbert Darabos: Kleine Schwächen in Fächern wie Mathematik. Kann in Bildnerischer Erziehung sauber mit der Schere auf der vorgegebenen Linie schneiden.
Nikolaus Berlakovich: Schwierigkeiten in Deutsch und Rechnen, ebenso damit, diese einzugestehen. Manchmal jähzornig.
Michael Spindelegger: Sehr um gute Leistungen in Deutsch und Mathematik bemüht, sehr fleißig. Will Schulsprecher werden, obwohl es den in der Volksschule noch nicht gibt. Hat manchmal Schwierigkeiten, so zu erzählen, dass die anderen zuhören.
Werner Faymann: Gibt sich schnell mit seinem Einsatz zufrieden. In Deutsch und Englisch konnte er Fortschritte erzielen, hat aber noch Potenzial nach oben. Verweigert mitunter die notwendigen Hausaufgaben. Hört lieber und gern zu.
Und die anderen Politiker? Die der Opposition? Martin Graf? Heinz-Christian Strache? Als Kinder?
Lieber nicht an einem so sonnigen Tag.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
chefvomdienst@diepresse.com
www.diepresse.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001