- 28.06.2012, 08:08:09
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Neue Hürden für PatientInnen
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) fordert Preisgabe sensibler Daten von Psychotherapie-PatientInnen und will Psychoanalyse nicht mehr finanzieren.
Wien (OTS) - Ohne Verhandlungen mit dem Berufsverband und den
Vertragspartnern will die WGKK nun noch mehr Hürden und noch höhere
finanzielle Belastungen für psychisch Kranke.
Geht es nach der WGKK, soll ein Bewilligungsverfahren für
Psychotherapien ab Oktober dieses Jahres zum Einsatz kommen. Es
sollen dabei fachlich nicht gerechtfertigt, äußerst sensible
persönliche Daten und Informationen der Versicherten abgefragt
werden, wie Vorerkrankungen, Vorbelastungen in der Familie durch
psychische Erkrankungen, Suizide, Depressionserkrankungen,
Suchtproblematiken u. ä. Während bei anderen PatientInnen der
Datenschutz hoch bewertet wird und nur Diagnosen und
Behandlungsverläufe dokumentiert werden, sollen
Psychotherapie-PatientInnen bis in intimste und oft beschämende
Details durchleuchtet werden!
Ein ähnliches Unterfangen wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen
bereits der Salzburger Krankenkasse zum Verhängnis: Die SGKK musste
die Behandlungsanträge wegen der Gefahr des Datenmissbrauchs
aufwändig anonymisieren. Bleibt die WGKK bei Ihrem Vorhaben, müsste
auch sie ein Anonymisierungsverfahren einführen. - Laut WGKK
angeblich ein zu hoher Aufwand.
Ein weiterer massiver Kahlschlag soll die Psychoanalyse treffen.
Die WGKK will hochfrequente psychoanalytische Psychotherapie nicht
mehr refundieren. Das widerspricht dem internationalen Standard und
den rechtlichen Voraussetzungen in Österreich. Psychoanalyse ist bei
Persönlichkeitsstörungen wissenschaftlich nachgewiesen hoch wirksam
und führt durch strukturelle Persönlichkeitsveränderung nachhaltig
zum Erfolg. Die Krankenkasse ist zudem verpflichtet, bei anerkannten
psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und krankheitswertigen
Störungen zumindest einen Zuschuss zur Behandlung zu leisten. Alles
andere wäre eine grobe Missachtung des Allgemeinen
Sozialversicherungsgesetzes (ASVG).
Statt endlich allen psychisch Kranken den Zugang zur
Psychotherapie durch eine Österreich weit einheitliche
Vertragsregelung und Zuschusserhöhung zu ermöglichen, werden nun neue
Hürden für PatientInnen und Konflikte mit der Berufsgruppe
provoziert. Angesichts der enorm ansteigenden volkswirtschaftlichen
Kosten aufgrund psychischer Erkrankungen ein schwerer
gesundheitspolitischer Fehler.
Der Berufsverband der PsychotherapeutInnen spricht sich vehement
dagegen aussprechen und wird für die Rechte der Versicherten
eintreten. Seit Jahren werden vom Berufsverband finanzierbare
Versorgungsmodelle eingebracht. Umso mehr ist diese Vorgehensweise
eine mutwillige Aufkündigung des konsensuellen Klimas für die
adäquate Versorgung psychisch Kranker.
Rückfragehinweis:
Rückfragenhinweis: Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin ÖBVP Tel.: 0676/600 46 76 mailto:[email protected] Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP Tel.: 01/512 70 90.23 mailto:[email protected] www.psychotherapie.at
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