Neue Hürden für PatientInnen

Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) fordert Preisgabe sensibler Daten von Psychotherapie-PatientInnen und will Psychoanalyse nicht mehr finanzieren.

Wien (OTS) - Ohne Verhandlungen mit dem Berufsverband und den Vertragspartnern will die WGKK nun noch mehr Hürden und noch höhere finanzielle Belastungen für psychisch Kranke.

Geht es nach der WGKK, soll ein Bewilligungsverfahren für Psychotherapien ab Oktober dieses Jahres zum Einsatz kommen. Es sollen dabei fachlich nicht gerechtfertigt, äußerst sensible persönliche Daten und Informationen der Versicherten abgefragt werden, wie Vorerkrankungen, Vorbelastungen in der Familie durch psychische Erkrankungen, Suizide, Depressionserkrankungen, Suchtproblematiken u. ä. Während bei anderen PatientInnen der Datenschutz hoch bewertet wird und nur Diagnosen und Behandlungsverläufe dokumentiert werden, sollen Psychotherapie-PatientInnen bis in intimste und oft beschämende Details durchleuchtet werden!

Ein ähnliches Unterfangen wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen bereits der Salzburger Krankenkasse zum Verhängnis: Die SGKK musste die Behandlungsanträge wegen der Gefahr des Datenmissbrauchs aufwändig anonymisieren. Bleibt die WGKK bei Ihrem Vorhaben, müsste auch sie ein Anonymisierungsverfahren einführen. - Laut WGKK angeblich ein zu hoher Aufwand.

Ein weiterer massiver Kahlschlag soll die Psychoanalyse treffen. Die WGKK will hochfrequente psychoanalytische Psychotherapie nicht mehr refundieren. Das widerspricht dem internationalen Standard und den rechtlichen Voraussetzungen in Österreich. Psychoanalyse ist bei Persönlichkeitsstörungen wissenschaftlich nachgewiesen hoch wirksam und führt durch strukturelle Persönlichkeitsveränderung nachhaltig zum Erfolg. Die Krankenkasse ist zudem verpflichtet, bei anerkannten psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und krankheitswertigen Störungen zumindest einen Zuschuss zur Behandlung zu leisten. Alles andere wäre eine grobe Missachtung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG).

Statt endlich allen psychisch Kranken den Zugang zur Psychotherapie durch eine Österreich weit einheitliche Vertragsregelung und Zuschusserhöhung zu ermöglichen, werden nun neue Hürden für PatientInnen und Konflikte mit der Berufsgruppe provoziert. Angesichts der enorm ansteigenden volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund psychischer Erkrankungen ein schwerer gesundheitspolitischer Fehler.

Der Berufsverband der PsychotherapeutInnen spricht sich vehement dagegen aussprechen und wird für die Rechte der Versicherten eintreten. Seit Jahren werden vom Berufsverband finanzierbare Versorgungsmodelle eingebracht. Umso mehr ist diese Vorgehensweise eine mutwillige Aufkündigung des konsensuellen Klimas für die adäquate Versorgung psychisch Kranker.

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