• 27.06.2012, 09:35:08
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  • OTS0051 OTW0051

KONSUMENT: Orthomolekuare Medizin - Hohe Kosten, nicht unbeachtliches Risiko

Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen - Behandlung kann nicht nur hohe Kosten, sondern sogar Risiken mit sich bringen

Wien (OTS/VKI) - Die orthomolekulare Medizin (OM) führt chronische
Krankheiten auf eine Unterversorgung mit "Nährstoffen" zurück. Die
Gabe hoher Vitamindosen, kombiniert mit Mineralstoffen und
Spurenelementen, soll derartigen Erkrankungen vorbeugen bzw. diese
heilen. Die therapeutische Wirksamkeit der orthomolekularen Medizin
ist bis dato nicht ausreichend nachgewiesen. Dennoch bietet die
Österreichische Ärztekammer seit 2007 eine Ausbildung und Diplom für
orthomolekulare Medizin an. Erwiesen ist hingegen, dass die
Überdosierung von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen
problematisch sein kann.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat fünf zufällig
ausgewählte Wiener Allgemeinmediziner mit Diplom für orthomolekulare
Medizin konsultiert und die Verschreibungen sowie die Kosten
analysiert. Zwischen drei und fünf Mittel wurden der Testperson
"verordnet". Dabei handelte es sich meist um
Nahrungsergänzungsmittel, die dem Gesetz entsprechend keinerlei
Therapeutikum darstellen dürfen. Nahrungsergänzungsmittel sind
Lebensmittel - nicht mehr und nicht weniger. Die von den Ärzten
empfohlene Dosierung der Mittel hätte jedoch in einigen Fällen u.a.
zu einer massiven Überversorgung mit Vitamin D geführt. Vor solchen
Überversorgungen warnt die Europäische Lebensmittelbehörde
ausdrücklich. Eine Überdosierung kann u.a. zu Appetitlosigkeit,
Erbrechen und in schweren Fällen bis hin zu Nierenschäden und
Nierenversagen führen.

Nicht genug: Wäre unser Patient der Empfehlung der Ärzte gefolgt
hätten sich "Einstiegskosten" zwischen 230 und 492 Euro an
Laboruntersuchungen, Ordinationsgebühren, Kosten für die Medikamente
bzw. Nahrungsergänzungsmittel, etc. ergeben. Für eine mehrmonatige
Behandlung ist mit einigen Hundert Euro an weiteren Kosten zu
rechnen. Diese Kosten werden von den Krankenkassen aufgrund
mangelnder wissenschaftlicher Beweise der Wirksamkeit nicht
übernommen, sind also privat zu tragen. Fazit: Die Kosten, aber auch
die Risiken einer Behandlung mit orthomolekularer Medizin können
erheblich sein, während die therapeutische Wirksamkeit bis dato nicht
ausreichend nachgewiesen ist. Details zu unserem Test gibt es auf
www.konsument.at sowie ab dem 28.6. im Juli-KONSUMENT.

Das Geschäft mit den Präparaten

Da die von den Ärzten verwendeten Präparate teilweise von diesen
selbst verkauft werden, erhob der VKI zusätzlich anonym bei
Herstellerfirmen, mit welchen Preisnachlässen, Provisionen oder
"Studienbeiträgen" Ärzte bei den im Test verschriebenen Präparaten
rechnen können. Bei Präparaten der Firma Biogena wären dies etwa 40
Prozent Preisnachlass beim direkten Verkauf oder 15 Prozent Provision
für den Arzt, wenn der Patient selbst bestellt. Ähnliche Ergebnisse
erhoben die Tester für die verschriebenen Präparate der Firmen
Orthotherapia und Promedico.

Von orthomolekularer Medizin ist abzuraten

"Angesichts unserer Testergebnisse kann man nicht einmal sagen:
Wenn's nicht hilft, dann schadet's nicht", resümiert
VKI-Gesundheitsexpertin Dr. Bärbel Klepp. "Die Überdosierung von
Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen ist nicht ungefährlich.
Zu hohe Dosen von Nahrungsergänzungsmitteln können das
Erkrankungsrisiko sogar erhöhen. Darüber hinaus gibt es keinen
ausreichenden wissenschaftlichen Beleg dafür, dass antioxidative
Nahrungsergänzungsmittel vor Krebs und anderen lebensbedrohlichen
Erkrankungen schützen. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
werden mit der Nahrung aufgenommen. Wenn an sich gesunde Menschen
ausgewogen essen, ist die Versorgung in Österreich bis auf wenige
Ausnahmen, z.B. bei Folsäure in der Schwangerschaft, gedeckt. Eine
Ergänzung mit Vitaminpräparaten ist daher unnötig und kann in manchen
Fällen sogar gefährlich werden. Deshalb raten wir davon ab, sich auf
die Behandlungsmethoden einer orthomolekularen Medizin einzulassen."

Mehr zum Thema gibt es auf www.konsument.at und ab dem 28.6. im
Juli-KONSUMENT.

Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at

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