• 26.06.2012, 10:07:22
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  • OTS0056 OTW0056

Diabetes & Gender Medicine: Frauen neigen häufiger zu Unterzucker als Männer

Wien (OTS) - Wie wichtig die geschlechtsspezifische Betrachtung
und individualisierte Behandlung von Erkrankungen bei Frauen und
Männern ist, zeigen zwei aktuelle Studien an der MedUni Wien unter
der Leitung von Alexandra Kautzky-Willer von der Universitätsklinik
für Innere Medizin III (Endokrinologie und Stoffwechsel,
Gender-Medicine Unit). Zum einen wurde gezeigt, dass Frauen bis zur
Menopause vor Diabetes besser geschützt sind als Männer, zum anderen,
dass Frauen mit Diabetes häufiger zu Hypoglykämie (Unterzuckerung)
neigen, was lebensbedrohliche Folgen haben kann.

"Generell haben wir in der Diabetologie große Fortschritte
gemacht, durch bessere Therapiemöglichkeiten sinkt die Mortalität,
die Lebensqualität bleibt aber deutlich beeinträchtigt. Diabetes
kostet Frauen aber noch immer sieben Lebensjahre, Männern sechs",
sagt Kautzky-Willer, die auch die einzige Professorin für "Gender
Medicine" in Österreich ist. In der aktuellen Studie wurde
nachgewiesen, dass Unterzucker, etwa durch zu hohe Insulindosis, eine
zu geringe Kohlenhydratzufuhr oder andere Therapiefehler, die
Lebensqualität bei Frauen mit Diabetes häufiger negativ beeinflusst
als bei Männern.

Kautzky-Willer: "Dieses Phänomen haben wir nicht nur tagsüber,
sondern auch nachts beobachtet." Die Gründe: Die wichtige Senkung des
Hämoglobin-A1C-Wertes (ein Marker für den mittleren Blutzuckerspiegel
der letzten Monate) verlief bei Frauen geringer, zudem war das
Verhältnis von Insulin zum Körpergewicht größer als bei den Männern.
Kautzky-Willer: "Das legt den Schluss nahe, dass wir bei Frauen die
Anpassung der Insulindosen noch zielgerichteter und an die
individuelle Situation angepasst geben müssen, um die
Blutzuckerkontrolle zu verbessern, aber ohne das Risiko für
gefährliche Unterzuckerungen zu erhöhen."

In einer zweiten Studie an der MedUni Wien, die jetzt im
Top-Magazin "Obesity" veröffentlicht wurde, wurde festgestellt, dass
Frauen bis zur Menopause - wahrscheinlich durch den höheren
Östrogenspiegel - besser vor Diabetes geschützt sind als Männer,
danach aber einen viel größeren Anstieg im kardiometabolischen Risiko
tragen. "Wir haben gezeigt, dass Frauen vor der Menopause
insulinempfindlicher sind und zusätzlich eine bessere
Insulinausschüttung auf Zuckerbelastung zeigen, dass sich aber ihr
Zucker- und Fettstoffwechsel sowie ihr Blutdruck danach im Gegensatz
zu Männern über 50 Jahre viel stärker verschlechtert. Das könnte
erklären, warum Männer im jüngeren und mittleren Lebensalter häufiger
als Frauen Diabetes entwickeln." Diese Ergebnisse sind der Anstoß zu
weiteren Forschungen, so die Stoffwechselexpertin, um Ansätze zu
finden, damit dieser menopausale Knick und postmenopausale
Risikoanstieg therapeutisch verhindert werden kann.

Service:

"Influence of Increasing BMI on Insulin Sensitivity and Secretion in
Normotolerant Men and Women of a Wide Age Span." A. Kautzky-Willer,
A. Brazzale E. Moro, J. Vrbíková,
B. Bendlova, S. Sbrignadello, A. Tura, G. Pacini. Obesity (2012)
doi:10.1038/oby.2011.384.

"Glycemic Control and Hypoglycemia Prevalence According to Gender: An
Analysis of RCT Data." A. Kautzky-Willer, L. Kosi, R. Mihaljevic, J.
Lin, E. Wang. Sanofi, Bridgewater, NJ, USA.
ADA (Philadelphia) 2012, Diabetes 61, Suppl.1

Termin:

Alexandra Kautzky-Willer, Österreichs erste Professorin für Gender
Medicine, hält am Donnerstag, 28. Juni 2012 (11.00 bis 13.00 Uhr)
ihre Antrittsvorlesung mit dem Thema "Biologische und
gesellschaftliche Aspekte der Gendermedizin". Ort: Jugendstilhörsaal
der MedUni Wien, Spitalgasse 23, 1090 Wien, Rektoratsgebäude (BT 88).

Rückfragehinweis:

Medizinische Universität Wien
   Mag. Johannes Angerer
   Leiter Corporate Communications
   Tel.: +431 40160 - 11 501; Mobil: +43 664 800 16 11 501
   mailto:[email protected]
   http://www.meduniwien.ac.at

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