- 25.06.2012, 13:02:36
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Lebenshilfe: Thomas Wagner als erster Vizepräsident mit intellektueller Beeinträchtigung gewählt
Lebenshilfe-Präsident Weber spricht von historischem Schritt in Richtung Inklusion

Wien (OTS) - "Mir ist es wichtig, dass Menschen mit
Beeinträchtigungen gehört werden. Ich möchte eine starke Stimme
sein", erklärte Thomas Wagner (38) aus Freistadt, der neue
Vizepräsident der Lebenshilfe aus den Reihen der Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung. "Außerdem soll sich etwas in den
Köpfen der Politiker bewegen. Menschen mit Beeinträchtigungen sind
Menschen wie alle anderen auch und so wollen wir auch behandelt
werden. Wir wollen Chancen. Und ganz wichtig: Wir können für uns
selber sprechen!" erklärt Wagner weiter.
Mit der offiziellen und einstimmigen Bestätigung durch die
Mitgliederversammlung vergangenen Samstag, tritt erstmals ein
Selbstvertreter das Amt eines Vizepräsidenten der Lebenshilfe
Österreich an. Thomas Wagner ist Mitglied des
Selbstvertretungsbeirates und zudem als oberösterreichischer
Gesamtsprecher aktiv. Damit ist Wagner im Präsidium der Lebenshilfe
vertreten und vertritt die Belange der NutzerInnen nach innen und
außen.
Ein Meilenstein für die Lebenshilfe auf dem Weg zu Inklusion
"Ein Meilenstein für die Lebenshilfe auf dem Weg zu Inklusion!"
freut sich Lebenshilfe Präsident Weber über diesen historischen
Schritt der Bundesorganisation der Lebenshilfe. "Ich bin sehr stolz
und glücklich, diesen Augenblick zu erleben. Darauf haben wir fünf
Jahre lang intensiv hingearbeitet. Herzliche Gratulation dem neuen
Vizepräsidenten!"
Erste Forderung Wagners an die Lebenshilfe war eine gute
Assistenz, die er selbst auswählt und die ihn in seiner Amtszeit - er
ist auf zwei Jahre gewählt - kontinuierlich begleitet und in seiner
Entscheidungsfindung unterstützt. "Die Lebenshilfe hat entschieden,
dass diese Unterstützung künftig jedem Vizepräsidenten oder jeder
Vizepräsidentin aus den Reihen der NutzervertreterInnen zusteht. Wir
wollen unterstützte Entscheidungsfindung bei uns vorleben.
Gleichzeitig fordern wir dies auch auf gesetzlicher Ebene für alle
Menschen mit Beeinträchtigungen ein", erklärt Lebenshilfe-Präsident
Weber dazu.
Thomas Wagner übernimmt als erster Selbstvertreter ein Amt im
Präsidium der Lebenshilfe und schreibt damit Geschichte
Als Mitglied des Selbstvertretungsbeirates der Lebenshilfe
Österreich und langjähriger Landessprecher setzt sich der 38-jährige
Oberösterreicher bereits seit Jahren für die Anliegen von Menschen
mit Beeinträchtigungen ein. "Schon bevor es den
Selbstvertretungsbeirat der Lebenshilfe Österreich gegeben hat, habe
ich mich als Interessenvertreter der Lebenshilfe Freistadt für die
Anliegen von KlientInnen stark gemacht. Ich habe mir die Anliegen
aufgeschrieben und gemeinsam mit dem Leiter haben wir besprochen, was
wir verbessern können. 2007 wurde dann der Selbstvertretungsbeirat
der Lebenshilfe Österreich gegründet. Ich war als Gründungsmitglied
von Anfang an dabei. Der Beirat besteht aus zwei Vertretern je
Bundesland. Wir treffen uns viermal im Jahr." Zu den Sitzungen, die
in ganz Österreich stattfinden, reist Wagner alleine mit dem Zug an.
Besprochen werden wichtige Forderungen und Anliegen innerhalb der
Lebenshilfe, aber auch an Politik und Wirtschaft. "Wir haben uns
enorm weiterentwickelt", stellt Thomas Wagner in diesem Zusammenhang
fest.
Selbstbestimmung und Barrierefreiheit als zentrale Anliegen
Die Mitglieder des Selbstvertretungsbeirates absolvieren heute
souverän Politikervorsprachen, Pressegespräche und präsentieren ihre
Anliegen auf unterschiedlichsten Fach-Veranstaltungen. Wagner
berichtet dazu stolz: " Wir hatten schon mehrere Treffen mit
Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Behindertenanwalt Erwin Buchinger
und verschiedenen Landtagsabgeordenten. Im Vorjahr waren wir sogar zu
einer Vorsprache bei Bundespräsident Dr. Heinz Fischer eingeladen.
Wir haben ihn auf die Hindernisse in unserem Leben aufmerksam gemacht
und wie wichtig es ist, Leichte Sprache zu verwenden."
Thomas Wagner ist seit seiner Kindheit Rollstuhlfahrer. Spastische
Diphlegie lautete seine Diagnose. Als jüngstes von zwölf Kindern, war
dies in seiner Familie allerdings nie ein Thema. "Meine Geschwister
haben mich überall mit hingenommen, das war ganz normal und sie haben
mich auch nicht versteckt. Ich glaube, deshalb habe ich auch so viel
Selbstbewusstsein." erklärt Wagner. Mit sechs Jahren besuchte Thomas
Wagner die Sonderschule in St. Isidor bei Linz. Mit 18 absolvierte er
einen polytechnischen Lehrgang, kam dann zu einem berufsbildenden
Reha-Zentrum und arbeitete in einer geschützten Werkstätte in einer
Schlosserei. "5 Monate war ich dort! Ich habe Schrauben sortiert.
Leichte Auftragsarbeiten erledigt. Das war mir aber viel zu fad."
Nach einem Jahr zu Hause kam Thomas Wagner dann zur Lebenshilfe
Freistadt. Neben seinen vielfältigen Tätigkeiten als Selbst- und
Interessenvertreter arbeitet Wagner heute im Lebenshilfe-Geschäft
"Aktivshop" in Freistadt, wo er vor allem organisatorische Dinge
erledigt.
"Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe als Vizepräsident, für
die ich mich mit aller Kraft einsetzen werde. Ich wünsche mir
wirklich, dass die Barrieren für Menschen mit Lernschwierigkeiten
weniger werden und, dass wir nicht mehr am Rand stehen. Dafür werde
ich mich stark machen. So lebt man nämlich Inklusion in meine Augen.
Wenn wirklich alle Menschen dazugehören und keiner mehr am Rand
steht", erklärt Thomas Wagner.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Lebenshilfe Österreich
Mag. Albert Brandstätter
Tel.: 01/812 26 42 - 74 oder 0664/81 64 801
mailto:[email protected]
www.lebenshilfe.at
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