- 22.06.2012, 12:59:31
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Steinhart neuer Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte
Trendumkehr bei niedergelassener Versorgung gefordert - Einsparungen auf Kosten der Patienten inakzeptabel
Bregenz (OTS) - Der neu gewählte Obmann der Bundeskurie
Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart, präsentierte anlässlich
seiner Bestellung in Bregenz die Schwerpunkte für die kommenden
Jahre. Der Obmann warnte dabei vor einer drohenden Ausdünnung
ärztlicher Versorgungsstrukturen. Steinhart: "Noch haben wir eines
der besten Gesundheitssysteme der Welt. Doch die dramatischen
Kürzungen der Politik gefährden diese Position. Wer glaubt, 3,5
Milliarden Euro bei der Gesundheit einsparen zu können, ohne dass es
die Patienten merken, betreibt Voodoo-Ökonomie."
Der Bundeskurienobmann spielt damit auf die politische
Grundsatzeinigung zur Gesundheitsreform an. Steinhart: "Beim Wort
'Reform' wird der gelernte Österreicher hellhörig. Meist bedeutet das
nichts anderes als Verschlechterungen für die Menschen." Diese will
der Vertreter der niedergelassenen Ärzte mit allen Mitteln
verhindern. "Eine Ausdünnung der medizinischen Versorgungsstrukturen
wird es mit der Ärzteschaft nicht spielen", so Steinhart in Richtung
Politik.
Auslagerung in niedergelassenen Bereich sinnvoll
Zu Verhandlungen über die von der Regierung angekündigten
Auslagerungen von Spitalsleistungen in den niedergelassenen Bereich
sei er "jederzeit" bereit, betont Steinhart: "Die Verlagerung ist
sinnvoll, auch wenn es in den Regierungsprogrammen der letzten
Jahrzehnte immer nur bei der Ankündigung geblieben ist. Jetzt braucht
es mehr als Lippenbekenntnisse. Wer von einer breiteren
niedergelassenen Struktur spricht, muss auch Taten folgen lassen", so
Steinhart.
Bislang sind diese laut Steinhart meist unterblieben. Der
Bundeskurienobmann verweist auf den von Politik und Ärzteschaft
angestrebten Ausbau ärztlicher Kooperationsformen. Steinhart: "Da
wurden schöne neue Modelle für Gruppenpraxen mit ausgedehnten
Öffnungszeiten, wie etwa die Ärzte GmbH, entwickelt. Die werden aber
vom Hauptverband und den meisten Sozialversicherungen torpediert."
Versorgungssicherheit gefährdet - Gefahr sozialer Bruchstellen
Ein besonderes Anliegen ist dem Bundeskurienobmann die Stärkung der
hausärztlichen Versorgung. "Der Hausarzt wurde zuletzt von
Gesundheitspolitikern fast zu Tode gestreichelt. Das muss ein Ende
haben", so Steinhart. Der Bundeskurienobmann drängt hier auf eine
rasche Umsetzung des Hausarztmodells der ÖÄK und die Sicherstellung
der Versorgung durch ärztliche Hausapotheken in ländlichen Gebieten.
Steinhart: "Hausärzte schaffen Versorgungssicherheit für
Patienten. Hier Sonntagsreden zu schwingen, hinterrücks aber
Strukturen auszuhungern, ist fahrlässig. Schon heute gibt es
unterversorgte, weiße Flecken, vor allem auf dem Land. Eines meiner
zentralen Ziele ist, diese wieder zu beleben."
Der Trend weist in der Gesundheitspolitik laut Steinhart allerdings
in eine andere Richtung. "Seit Jahren regiert die Verknappung der
Mittel, werden Kassenplanstellen reduziert und nicht ausgebaut. Damit
schafft man eine Mehrklassen-Medizin durch die Hintertür, weil sich
Kassenärzte immer weniger Zeit für die Patienten nehmen können. Das
ergibt gefährliche soziale Bruchstellen", so der Bundeskurienobmann.
Weiter gegen ELGA in aktueller Form
Gleichzeitig wendet sich Steinhart auch gegen das "aktuelle Mantra"
der Politik - die viel zitierte Effizienz im Gesundheitswesen.
Steinhart: "Wir sollten vielmehr auf Effektivität achten und in der
Versorgung der Bevölkerung die richtigen Dinge tun. Derzeit arbeitet
man effizient falsche Konzepte ab." Als aktuelles Beispiel nennt
Steinhart die im Gleichklang von Politik und Industrie geplante
elektronische Gesundheitsakte (ELGA). "Hier gibt es zwar keine
seriöse Studie, die den Nutzen für die heimischen Patienten belegen
würde. Aber die Politik ist dennoch bereit, Hunderte Millionen Euro
für eine angeblich effiziente IT-Lösung auszugeben. Gegen ELGA in
dieser Form werden wir uns weiter wehren", so Steinhart abschließend.
(ms/ar) (Schluss)
Fotos und Lebensläufe sind in Kürze unter folgenden Links abrufbar:
www.aerztekammer.at/fotos
www.aerztekammer.at/lebenslaufe
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 0664/522 68 25
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