DER STANDARD-Kommentar "Geldstrafen für Schulschwänzer" von Lisa Nimmervoll

- Ausgabe 18.6.2012

wien (OTS) - Wer die Schule schwänzt, muss zahlen! 440 Euro soll die systematische "Schulpflichtverletzung" ihrer Kinder Eltern in Zukunft kosten, wenn alles Reden mit Schulunwilligen, Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern, Psychologen, Schulaufsicht und Jugendwohlfahrt nichts mehr hilft. Das schlägt Unterrichtsministerin Claudia Schmied als letzte Stufe der neuen Drohkulisse für mehr oder weniger notorische Schulverweigerer vor. "Preistreiber" in der Frage ist vor allem Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der am liebsten bis zu 1500 Euro kassieren würde - als Preis für elternverantworteten "Bildungsraub".
Als ob das das Problem lösen würde.
Es hat eher den Hautgout von "Freikaufen" von der Schule, auch wenn das Gegenteil beabsichtigt ist. Cash auf den Schultisch - und alles paletti? Das ist eine schulfremde Logik, jemanden so zum Lernen zwingen zu wollen. Der Fokus auf Geldstrafen mag zwar populär klingen, verkennt aber die komplexe Problematik hinter Schulverweigerung.
Wenn Schüler nicht in die Schule wollen, dann ist das ein Alarmzeichen, dass etwas in ihrem Umfeld - es geht vor allem um pubertierende 13- oder 14-Jährige - nicht stimmt. Der Schulverweigerer ist nur der Symptomträger. Ursachen sind oft problematische Familienlagen, Gewalt- und Exklusionserfahrungen, Mobbing und, ja, manchmal auch gleichgültige Eltern. Sie werden Geldstrafen nicht überzeugen, an die Schule zu glauben - im Gegenteil.

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