• 15.06.2012, 12:30:10
  • /
  • OTS0184 OTW0184

Österreichs Energie Trendforum diskutierte Folgen von Blackouts

Podiumsteilnehmer einig: Sichere Stromversorgung erfordert Ausbau der Netze

Wien (OTS) - "Unterschätztes Risiko Blackout. Strom rund um die
Uhr - (k)eine Selbstverständlichkeit". Unter diesem Motto stand das
Trendforum von Oesterreichs Energie am 14. Juni. Rund 100 Gäste aus
Politik, Verwaltung und Wirtschaft waren der Einladung zur Diskussion
gefolgt.

Die Stromzukunft in Europa wird von erneuerbaren Energien bestimmt.
Der steigende Stromverbrauch und die gewaltigen Schwankungen in der
Erzeugung durch Wind- oder Sonnenkraft bringen jedoch das gesamte
System unter Druck. "Wir müssen die Netze zur Integration der
erneuerbaren Energien ausbauen und das muss rasch passieren", brachte
DI Dr. Peter Layr, Präsident von Oesterreichs Energie, die Diskussion
beim Trendforum auf den Punkt. Schon heute stoßen die Stromnetze in
Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenzen. "Um die
Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten brauchen wir
stabile Rahmenbedingungen für einen der Infrastruktur."

Stromnetze ausbauen, um Blackouts entgegenzuwirken

Der Risiko-Experte Dipl.-Ing. Michael Bruch vom Industrieversicherer
Allianz Global Corporate & Specialty untermauerte dies mit den
Ergebnissen einer Studie über Stromausfälle als wachsende
Herausforderung. "Mitteleuropa hat weltweit die höchste Sicherheit in
punkto Stromversorgung, aber das Risiko für Stromausfälle wird
steigen", so Bruch. Als wesentliche Ursache macht der Experte den
wachsenden Anteil volatiler, erneuerbarer Energien im Netz aus. So
rechne die deutsche Bundesnetzagentur damit, bereits in den kommenden
Jahren große Verbraucher zeitweise vom Netz zu nehmen, um
Instabilitäten auszugleichen. Schon kurze Stromausfälle hätten
gravierende Auswirkungen. Durch die wachsende Vernetzung könne ein
Blackout zu einem Domino-Effekt in anderen Netzen und Ländern führen.

Wie drastisch die Folgen eines Blackouts in Österreich wären, führte
Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, vor
Augen: "Zehn Stunden ohne Strom verursachen über 536 Millionen Euro
Schaden für unsere Volkswirtschaft. Und das trifft die Konsumentinnen
und Konsumenten ebenso wie die Infrastruktur". Zwar liege Österreich
- mit nur rund einer halben Stunde ohne Strom pro Abnehmer und Jahr -
europaweit am hervorragenden dritten Platz. Aber auch die besten
Elektrizitäts-Infrastrukturen seien verwundbar und das Risiko von
Stromausfällen werde unterschätzt.

Rasches Handeln gefragt

Energie-Regulator Dipl.-Ing. Walter Boltz von der E-Control Austria
räumte Versäumnisse beim Infrastruktur-Aufbau ein. "Wenn ich von Wien
nach Graz fahre, brauche ich nicht nur ein Auto, sondern auch die
entsprechende Straße. Darauf wurde in den vergangenen Jahren beim
Energiesystem vergessen", lautete sein Vergleich. Er war sich mit
Präsident Layr von Oesterreichs Energie einig, dass in punkto
Netzausbau rasches Handeln gefragt ist: "Ein Windrad lässt sich in
sechs bis acht Monaten bauen. Ein Leitungsbau erfordert mindestens
sechs bis acht Jahre, in Ländern wie Österreich derzeit eher zehn bis
zwanzig Jahre." Gleichzeitig brauche die E-Wirtschaft
Planungsspielräume und Vorlaufzeiten. Ho-Ruck-Aktionen der Politik
schadeten letztlich der Branche und machten das System instabil.

"Der Ausbau der Infrastruktur wird wesentlich für das Gelingen der
Energiewende sein. Denn die Verbraucher sind heute nicht mehr dort,
wo der Strom erzeugt wird", erklärte Dipl.-Ing. Wolfgang Haimbl von
der Austrian Power Grid AG (APG), deren Hochspannungsnetz das
Rückgrat der österreichischen Stromversorgung bildet. Die APG
betreibe das Netz mit höchsten Sicherheitsstandards, um Blackouts zu
verhindern. Dennoch steige die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen.
"Die Maßnahmen für die Sicherheit des Systems werden immer
aufwändiger und kostenintensiver. Wenn die Infrastruktur nicht
ausgebaut wird, kostet das ebenso Geld." Im Falle von Überlastung
reagiere man mit entsprechenden Maßnahmen - von netztechnischen
Einsätzen bis zum Eingriff in den Betrieb, zum Beispiel indem man ein
Kraftwerk vom Netz nehme.

Ausbau kostet Geld, finanzielle Anreize fehlen

Vielfach fehlen aber finanzielle Anreize für Investitionen in die
Netz-Infrastruktur. Ein Grund sei die Trennung zwischen
Stromerzeugung und Netzen, so Risiko-Experte Bruch. "Derzeit lohnt es
sich für Unternehmen schlichtweg nicht, in Infrastruktur zu
investieren". Andererseits koste jeder Stromausfall enorme Summen. In
kritischen Branchen wie dem Finanzwesen wäre ein totaler Stromausfall
in Deutschland mit Kosten von rund sechs Millionen Euro pro Stunde
verbunden. Aber bereits kurze Blackouts, die mehrmals am Tag
auftreten können, verursachten gewaltige Schäden - in den USA
beispielsweise zwischen 104 und 164 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Um die sichere Stromversorgung und damit den Schutz vor Blackouts
aufrechtzuerhalten, ist laut Oesterreichs Energie eine Verdoppelung
bis Verdreifachung der Investitionen in die Infrastruktur
erforderlich. "Die Energiewende ist ein Faktum. Wir brauchen aber
auch die finanziellen Mittel, um die zusätzlichen Ausgaben zu
stemmen", sagte Layr. Dass es in Österreich kein
Beschleunigungsprogramm wie in Deutschland für den Netzausbau gebe,
sei beschämend, unterstrich er. Bezüglich der Liberalisierung des
europäischen Strombinnenmarktes und deren - finanzielle - Folgen für
Energieversorger meinte Layr: "Wir brauchen angesichts der
Energiewende den Mut, auch über die Liberalisierung nachzudenken!".
Risiko-Experte Bruch sieht die EU als zentrale Instanz die
Energiezukunft in Europa. Die Länder müssten in der Energie-Politik
wesentlich mehr Agenden an Europa abgeben, so sein Appell. Und es
gelte, eine europäische Regelung zu finden, um Netze künftig rascher
auszubauen.

Bewusstsein schärfen, Risikomanagement verbessern

Um Blackouts zu verhindern, muss auch das Risikomanagement bei
Stromkunden - allen voran im Industriebereich - verbessert werden.
Viele Unternehmen seien nicht vorbereitet und könnten nicht mit
Stromausfällen umgehen. "Was nützt ein Notstromaggregat, wenn dieses
im Notfall nicht anspringt?", unterstrich Risiko-Experte Bruch den
Bedarf. So sollten Unternehmen beispielsweise kritische Zulieferer
definieren, Stromversorgungs- und Blitzschutzkonzepte entwerfen und
ein Backup für ihre Stromversorgung aufstellen.

Darüber hinaus gilt es das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen.
Für viele Konsumenten ist Strom ein selbstverständliches Gut. "Wir
müssen darauf aufmerksam machen, wie wertvoll dieses Produkt ist",
erklärte Generalsekretärin Barbara Schmidt von Oesterreichs Energie.
Für den Autor Marc Elsberg ist die Stromversorgung die fundamentale
Infrastruktur, von der wir alle abhängen. In seinem Roman "Blackout -
morgen ist es zu spät" hatte er die Folgen eines Stromausfalls in
Europa und den USA nach einem Cyberterror-Angriff beschrieben. Beim
Trendforum brachte er die Brisanz des Themas kurz und bündig auf den
Punkt: "Man merkt erst, was man gehabt hat, wenn es nicht mehr da
ist."

Über Oesterreichs Energie

Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten
Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und
Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir
eng mit politischen Institutionen, Behörden und Verbänden zusammen
und informieren die Öffentlichkeit über Themen der
Elektrizitätsbranche.

Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000
Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und
betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die
Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte
2010 rund 60 Milliarden Kilowattstunden, davon 60 Prozent aus
nachhaltiger Wasserkraft.

Rückfragehinweis:

Oesterreichs Energie
   Ernst Brandstetter
   Pressesprecher
   Tel.: 0043 1 50198 - 260; Mobil: 0043 676 845019260
   mailto:[email protected]
   www.oesterreichsenergie.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVE

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel