• 10.06.2012, 11:28:30
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Orban-Besuch: Regierungsprotest gegen Ausbau von AKW Paks gefordert

Greenpeace fordert den Verzicht Ungarns auf atomare Ausbaupläne

Wien (OTS) - Anlässlich des Wien-Besuchs des ungarischen
Ministerpräsidenten Viktor Orbán am kommenden Dienstag fordert die
Umweltschutzorganisation Greenpeace Bundeskanzler Werner Faymann und
Außenminister Michael Spindelegger auf, gegen die geplante
Laufzeitverlängerung und den Ausbau des ungarischen Atomkraftwerks
Paks aufzutreten. Geplant sind dort die Errichtung zweier neuer
Reaktoren und eine Laufzeitverlängerung und das trotz gravierender
Sicherheitsmängel der vier bestehenden Reaktoren. Außerdem droht die
Errichtung einer Wiederaufbereitungsanlage für Atombrennstäbe.
Greenpeace kritisiert, dass damit wird die Sicherheit ganz
Mitteleuropas aufs Spiel gesetzt und ein völlig falscher
energiepolitischer Kurs eingeschlagen wird. Die
Umweltschutzorganisation weist außerdem auf demokratiepolitisch
bedenkliche Gesetzesänderungen hin, mit denen das AKW-Ausbauprogramm
auch gegen den Willen der Bürger und der Nachbarstaaten beschleunigt
durchgezogen werden kann.

"In Anbetracht der offensichtlichen Mängel und zahlreichen
Störfälle ist die Laufzeitverlängerung der Reaktoren in Paks eine
vorsätzliche Gefährdung der Bevölkerung und das über die ungarischen
Grenzen hinaus. Die Laufzeitverlängerung muss deshalb im Rahmen des
Staatsbesuchs des ungarischen Ministerpräsidenten genauso wie die
atomaren Ausbaupläne Ungarns sowohl beim Treffen mit Bundeskanzler
Faymann als auch mit Außenminister Spindelegger unbedingt als Thema
oberster Priorität behandelt werden", fordert
Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit.

Statt auf erneuerbare Energien zu setzen und das große Potential
in den Bereichen Windkraft, Geothermie und Biomasse zu nutzen, baut
die ungarische Regierung schwerpunktmäßig auf Atomstrom, wie der
Energiestrategie bis 2030 und den darin enthaltenen atomaren
Ausbauplänen der ungarischen Regierung zu entnehmen ist. Das
ungarische Atomenergie-Gesetz wurde erst kürzlich abgeändert, um eine
schnellere Umsetzung von Atomausbauplänen zu ermöglichen und darüber
hinaus eine Wiederaufbereitungsanlage im Land zu errichten.
Ministerpräsident Viktor Orbán leitet das Spezialkomitee, das Ende
Mai eingerichtet wurde, um über die atomaren Ausbaupläne zu beraten.

Für die bestehenden Reaktoren des AKW Paks wird trotz
offensichtlicher Risiken voraussichtlich Ende des Jahres eine
Laufzeitverlängerung für Reaktor 1 beschlossen. Das würde bedeuten,
dass dieser Reaktorblock 20 Jahre länger als die ursprünglich
geplanten 30 Jahre in Betrieb sein wird. Die Laufzeitverlängerungen
für die restlichen drei Reaktoren sind für die Jahre 2014, 2016 und
2017 angesetzt, und das obwohl die vorgenommenen Stresstests
Sicherheitsmängel an jedem der vier aktiven Reaktoren aufweisen.
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Stresstests einige ernsthafte
Mängel erst gar nicht erfasst, wie etwa die fehlende zweite
Schutzhülle. Auch die registrierten Störfälle des rund 300 Kilometer
von der österreichischen Grenze entfernten AKWs Paks ergeben eine
lange Liste: Beispiele dafür sind z.B. ein Leck mit Dampfaustritt und
daraufhin erfolgter Schnellabschaltung von Block 1 (1991) oder der
Ausfall einer Pumpe im Reaktor 4 (1994). Zuletzt kam es 2003 zu einem
Störfall im AKW Paks, der auf Stufe 3 der siebenteiligen INES-Skala
eingestuft wurde. Dabei kam es zum Austritt radioaktiver Gase bei der
Zwischenlagerung von Brennstäben in einem Reinigungsbehälter.

Rückfragehinweis:

Greenpeace
   Melanie Beran
   Pressesprecherin
   Tel.: +43 (0)664 612 67 18
   mailto:[email protected]
   www.greenpeace.at; twitter.com/greenpeaceAT; facebook.com/greenpeaceAT

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