• 06.06.2012, 12:20:07
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Dorner zu Gesundheitsreform

Effizienz als entscheidendes Kriterium - Verschlechterungen für Patienten - Abschied von solidarischem Gesundheitssystem

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) hat schwere
Bedenken gegen die von Bund, Ländern und Sozialversicherung geplante
Gesundheitsreform. Sie sei ausschließlich finanzpolitisch motiviert,
was mittelfristig zu Verschlechterungen und Leistungskürzungen für
die Patienten führen könne, sagte ÖÄK-Präsident Walter Dorner
Mittwoch in einer Aussendung. Die vorgesehenen Veränderungen zielten
auf einen "Rückbau des solidarischen und sozialen Gesundheitssystems"
ab. Folge wäre ein erschwerter Zugang zu medizinischer Hilfe, der vor
allem sozial schwache und ältere Menschen treffen werde.

"Diese Gesundheitsreform ist nicht der Weg der österreichischen
Ärztinnen und Ärzte. Wir wurden weder nach unserer Meinung gefragt,
noch in die Verhandlungen eingebunden. Es ist aber unsere Pflicht,
auf die möglichen Auswirkungen hinzuweisen", sagte Dorner.

Ein wesentlicher Kritikpunkt sei laut Ärztekammer die finanzielle
Deckelung der sozialen Gesundheitsversorgung. Dabei werde weder auf
den tatsächlichen Gesundheitszustand der Österreicherinnen und
Österreicher noch auf die steigende Lebenserwartung oder den
medizinischen Fortschritt Rücksicht genommen. Die medizinische Hilfe
werde unabhängig davon eingeschränkt. Auch die Bindung der Ausgaben
an das Wirtschaftswachstum sei laut Dorner ein Fehler. Denn so stünde
bei einem Konjunkturrückgang weniger Geld für die Behandlung kranker
Menschen zur Verfügung. "Und das, obwohl die Erfahrung zeigt, dass
sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung in wirtschaftlichen
Krisen verschlechtert", sagte Dorner.

Für nicht schlüssig hält der Ärztepräsident auch die "offenbar
geplante Konzentration der fachärztlichen Versorgung in medizinischen
Zentren, die aus Spitalsambulanzen entstehen sollen". Das Vorhaben,
den Stellenplan der niedergelassenen Ärzte obligatorisch vorzugeben,
ermögliche der Politik die Verschiebung von Kassengeldern in die
Spitäler. Die Maßnahme gehe eindeutig in die verkehrte Richtung:
"Spitalsambulanzen werden befüllt, statt entlastet, die
Gesundheitsversorgung in Wohnortnähe wird ausgehungert, statt
forciert." Der Reform fehle es an "sozialem Augenmaß", kritisierte
Dorner. Ökonomie werde zum maßgeblichen Kriterium, was falsch sei.
Das Bedürfnis der Patienten nach persönlicher und vertraulicher
ärztlicher Hilfe werde durch eine autoritäre Zentralisierung der
Entscheidungen und Kontrollen ausgehebelt, die Beiträge der
Versicherten nicht für neue Leistungen eingesetzt.

Eine auf sozialen Ausgleich bedachte Alternative sei hingegen das
gesundheitspolitische Programm der Österreichischen Ärztekammer,
erklärte der Ärztechef abschließend. Es basiere auf einer
transparenten Finanzstruktur, in der niedergelassene Ärzte und
Ambulanzen aus einer Quelle und Spitalsleistungen aus einer zweiten
sauber getrennt finanziert würden. Ein auf reale Anforderungen
zugeschnittenes Gruppenpraxengesetz solle den Ausbau der wohnortnahen
Gesundheitsbetreuung ermöglichen und so zur Entlastung der
Spitalsambulanzen führen. Basis für die so optimierte
Primärversorgung durch Haus- und Vertrauensärzte sei eine
Verbesserung der Allgemeinmediziner-Ausbildung. (ms/ar)

Rückfragehinweis:
Mag.Martin Stickler
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33-14

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