- 04.06.2012, 13:22:27
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Stelzer: UN-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio muss sich aufs Wesentliche konzentrieren
Lopatka: Armutsbekämpfung und umweltverträgliches Wirtschaftswachstum im Mittelpunkt - IUFE-Diskussionsforum über "green economy"
Wien (OTS) - "Die laufenden Verhandlungen für die
UN-Nachhaltigkeitskonferenz Ende Juni in Rio gehen extrem schlecht
voran. Die Länder des Südens haben Angst, die green economy sei eine
neue Idee der Industriestaaten, um sich von ihrer Verantwortung
freizukaufen. Alle Mitgliedstaaten müssen sich nun von
Wortklaubereien verabschieden und sich auf die wesentlichen Themen
Ernährung, Energie- und Wasserversorgung konzentrieren. Schließlich
geht es in Rio darum, eine Strategie für die Welt der nächsten 20
Jahre zu definieren." Das sagte der beigeordnete UN-Generalsekretär
Thomas Stelzer bei einer Diskussionsveranstaltung des Instituts für
Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) in Wien.
Da jedes Jahr 80 Millionen Menschen weltweit neu auf den Arbeitsmarkt
kommen und 400 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen werden müssen,
sei Wirtschaftswachstum die einzige Strategie. "Wir müssen aber die
Fehler der Vergangenheit vermeiden und anders wachsen als bisher.
Darauf weisen Erderwärmung, Hunger, Flüchtlingsbewegungen und
Nahrungsmittelkrisen hin", unterstrich Stelzer.
Die Energieversorgung sei einer der Schlüssel. "2,5 Milliarden
Menschen sind ohne Zugang zu Energie. Die UNO hat daher das Ziel
ausgegeben, bis zum Jahr 2050 den Energiezugang für alle zu sichern,
die Energieeffizienz um 50 % zu steigern und den Anteil erneuerbarer
Energie auf 50 % zu heben", erläuterte Stelzer.
Entscheidendes Kriterium sei die Kostenwahrheit. "Erdöl und Atomkraft
werden massiv subventioniert, obwohl sie der Umwelt schaden. Gäbe es
diese Subventionen nicht, wären weder Erdöl noch Atom marktfähig.
Eine 'green economy' kommt nur dann zum Durchbruch, wenn versteckte
Umwelt- und Sozialkosten sichtbar werden", stellte Stelzer fest. Der
Umschwung habe aber begonnen. Global sei in den letzten drei Jahren
erstmals mehr in erneuerbare als in traditionelle Energie investiert
worden.
Weitere essentielle Ziele seien der Zugang von Frauen zum
Arbeitsmarkt und zu Bildung sowie die Stärkung der Landwirtschaft.
"Der Anteil der Entwicklungshilfemittel, der in die Landwirtschaft
geht, ist in den letzten 20 Jahren von 14 auf 3 % gesunken", warnte
Stelzer.
Mehr Augenmerk müsse auch dem Sozialwesen geschenkt werden. "5,1
Milliarden Menschen sind ohne ausreichende soziale Versorgung. Es
geht daher um gleichen Zugang zum Arbeitsmarkt, um rechtliche
Sicherheit für Arbeitnehmer und darum, dass die Menschen von ihrer
Arbeit leben können", sagte Stelzer.
Die Nahrungsmittelkrise 2008 habe in 30 Ländern zu Aufständen und
Unruhen geführt. Ein dichtes soziales Netz, wie es Österreich hat,
mache ein Land weniger krisenanfällig. "Nachhaltige Entwicklung
bedeutet auch Friedenssicherung. Es zeigt sich, dass die
ausgeglichensten Gesellschaften auch die friedfertigsten sind",
bekräftigte Stelzer.
Lopatka: Österreichs "grüne Wirtschaft" auf Erfolgskurs
Mit seiner "green economy" sei Österreich auf einem guten Weg, sagte
NR-Abg. Reinhold Lopatka, Leiter des Internationalen Netzwerks in der
Wirtschaftskammer. Die Zahl der "green jobs" in Österreich sei auf
210.000 gestiegen. Im Programm "Respact" haben sich heimische
Unternehmen zusammengeschlossen, um die Nachhaltigkeit in der
Wirtschaft gemeinsam zu stärken. Eine steigende Zahl von
Wirtschaftspartnerschaften mit Unternehmen in Entwicklungsländern
helfe, den privatwirtschaftlichen Sektor in diesen Ländern zu
stärken.
Lopatka verwies auch darauf, dass Österreich im Rahmen des
Weltbank-Entwicklungsfonds IFC heuer zum drittgrößten Geber geworden
sei und seine Beiträge von 23 auf 25 Millionen Dollar erhöht habe.
"Trotz der Wirtschaftskrise in Europa dürfen wir nicht nur Nabelschau
betreiben. Wir müssen den Blick aufs Ganze erhalten, denn unser
ökologischer Fußabdruck ist nicht zufrieden stellend. Noch immer
brauchen wir weit mehr, als wir dürften", stellte Lopatka fest.
"20 Jahre nach dem Erdgipfel von Rio sind nicht alle Hoffnungen von
damals erfüllt", sagte IUFE-Vorsitzender NR-Abg. Franz Glaser. "Es
gab zwar große Fortschritte bei der Armutsverringerung in Asien, der
Aufholprozess vor allem im südlichen Afrika ist aber noch ausständig.
Die Anstrengungen zur Erreichung der UN-Millenniumsziele müssen daher
durch mehr Mittel für die - vor allem bilaterale -
Entwicklungszusammenarbeit verstärkt werden."
Rückfragehinweis:
Dr. Moser Christian [email protected] Tel: 00431/81420-19
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