Caritas fordert Offensive für eine Zukunft ohne Hunger

35 ExpertInnen aus 20 Ländern bei Internationalem Caritas Kongress in Wien

Wien (OTS) - Alle 12 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger oder Unterernährung. Weltweit hungern 925 Millionen Menschen. Die Ursachen sind vielfältig und meist sehr komplex: Auswirkungen des Klimawandels, bewaffnete Konflikte, eine neue Form des Kolonialismus durch Landraub, steigende Lebensmittelpreise, Finanzspekulationen auf Nahrungsmittel etc. "Hunger ist eine chronische Megakatastrophe, die sich jeden Tag aufs Neue abspielt", sagt Caritaspräsident Franz Küberl. So sind etwa Millionen Kleinbauern in den ärmsten Ländern nicht in der Lage, ausreichend Erträge zu erzielen, um ihre eigenen Familien zu versorgen. Die Gründe dafür liegen u.a. in staatlichem Versagen und sind die Folge massiver Kürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Aus Sicht der Caritas müssen Hungerbekämpfung und -prävention oberste Priorität erhalten. "Die internationale Staatengemeinschaft und jede und jeder Einzelne dürfen diesen weltweit größten Skandal nicht tatenlos hinnehmen", so Küberl, der sich anlässlich des gleichnamigen Kongresses einen globalen Kraftakt und eine Offensive für eine "Zukunft ohne Hunger" wünscht. 35 ExpertInnen aus über 20 Ländern zeigen Lösungen gegen Hunger auf und diskutieren mit 700 TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zur effizienten Hungerbekämpfung.

Oscar Kardinal Rodríguez, Präsident der Caritas Internationalis, sieht dringenden Handlungsbedarf: "Nahrung ist ein existenzielles Grundbedürfnis der Menschen. Nur wenn dieses Bedürfnis erfüllt wird, haben die Menschen eine Chance Glück und Zufriedenheit zu erfahren. Dennoch ist es bis heute nicht gelungen, den Hunger auf der Welt nachhaltig zu beseitigen. Die Ursache dafür, dass Menschen hungern müssen, ist nicht ein Mangel an Ressourcen, sondern die ungerechte Verteilung der verfügbaren Nahrungsmittel." Anlässlich der bevorstehenden Konferenz "Rio+20" ruft die Caritas Internationalis die Regierenden der Welt auf, einen ganzheitlichen Ansatz zur nachhaltigen Entwicklung zu verfolgen. Im Mittelpunkt müssen dabei Gerechtigkeit, Fairness, geteilte Verantwortung und das Wohl der Menschen stehen. Rodríguez zeigt sich überzeugt: "Eine Zukunft ohne Hunger ist möglich - wenn unser Hunger ein Hunger nach Teilhabe, Solidarität und Gerechtigkeit ist."

Kampf gegen den Hunger steht an vorderster Stelle

Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung betont, dass für die Europäische Union der Kampf gegen den Hunger an vorderster Stelle steht: "Allein letztes Jahr hat die Kommission eine halbe Milliarde Euro in die Nahrungsmittelhilfe investiert. Wir werden weiterhin alles unternehmen, um dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. Allzu oft musste ich in Kenia, in Somalia, in Niger, im Tschad und in Afghanistan die schrecklichen Auswirkungen von Unterernährung - besonders bei Kindern - mit eigenen Augen mitansehen. Durch diese Erfahrungen bin ich mehr denn je entschlossen, eine dauerhafte Lösung für die Bewältigung der Nahrungsmittelknappheit zu finden." Die EU Kommissarin bekräftigt, dass dazu alle Beteiligten - die Länder, die humanitäre Hilfe leisten, und die Entwicklungsländer - gefordert sind. "Eine Zukunft ohne Hunger kann nur durch Kooperation und Dialog Wirklichkeit werden" ist Georgieva überzeugt.

"Wir sehen ganz klar: Armut und Hunger sind noch immer die größten Probleme für nachhaltige Entwicklung! Das gilt ganz besonders für Regionen, in denen die Hungerproblematik durch die Auswirkungen des Klimawandels zusätzlich verschärft wird. Es ist ungerecht, weil diejenigen, die für den Klimawandel am wenigsten verantwortlich sind, am meisten darunter zu leiden haben", so Mohan Munasinghe, ehemaliger Vizepräsident des Weltklimarates und Friedensnobelpreisträger. Im Blick auf Rio+20 sieht Munasinghe das Ziel darin, dass es umfassende Lösungen zu finden gilt, die den Menschen ganzheitlich dienen."

Aktuelle Hungerkrise in der Sahelzone spitzt sich zu

Angesichts der Hungerkrise in der Sahelzone/Westafrika, die immer bedrohlichere Ausmaße annimmt, appelliert Abbé Ambroise Tine, Generalsekretär der Caritas Senegal: "Aktuell ist die Situation in der Sahelzone dramatisch. Wenn nicht sofort alles unternommen wird, droht eine humanitäre Katastrophe schrecklichen Ausmaßes. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit." Mittlerweile sind in der Sahelzone 18,4 Millionen Menschen von Hunger betroffen. In der gesamten Region hat es seit neun Monaten nicht geregnet, die Lebensmittelpreise sind massiv gestiegen. Die Soforthilfe der Caritas ist voll angelaufen.

Bisher hat die Caritas Österreich für die Hilfsmaßnahmen im Westsahel 700.000 Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt werden in den nächsten Monaten über 30.000 Menschen in Burkina Faso, Niger, Mali, Tschad und Senegal vor dem Hunger bewahrt. Tine ist dennoch zuversichtlich: "Auch ich bin überzeugt, dass mit intensiven Anstrengungen in 10 bis 15 Jahren eine Zukunft ohne Hunger möglich ist. Jetzt geht es darum, nicht nur vom Hunger zu reden, sondern zu handeln!"

www.zukunft-ohne-hunger.at

Rückfragen & Kontakt:

Klaus Schwertner
Pressesprecher Caritas Kongress "Zukunft ohne Hunger"
Telefon: +43 (0)1/87812-221, Mobil: +43 (0)664 8482618
E-Mail: klaus.schwertner@caritas-wien.at

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