• 01.06.2012, 12:00:31
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Caritas fordert Offensive für eine Zukunft ohne Hunger

35 ExpertInnen aus 20 Ländern bei Internationalem Caritas Kongress in Wien

Wien (OTS) - Alle 12 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an
den Folgen von Hunger oder Unterernährung. Weltweit hungern 925
Millionen Menschen. Die Ursachen sind vielfältig und meist sehr
komplex: Auswirkungen des Klimawandels, bewaffnete Konflikte, eine
neue Form des Kolonialismus durch Landraub, steigende
Lebensmittelpreise, Finanzspekulationen auf Nahrungsmittel etc.
"Hunger ist eine chronische Megakatastrophe, die sich jeden Tag aufs
Neue abspielt", sagt Caritaspräsident Franz Küberl. So sind etwa
Millionen Kleinbauern in den ärmsten Ländern nicht in der Lage,
ausreichend Erträge zu erzielen, um ihre eigenen Familien zu
versorgen. Die Gründe dafür liegen u.a. in staatlichem Versagen und
sind die Folge massiver Kürzungen im Bereich der
Entwicklungszusammenarbeit. Aus Sicht der Caritas müssen
Hungerbekämpfung und -prävention oberste Priorität erhalten. "Die
internationale Staatengemeinschaft und jede und jeder Einzelne dürfen
diesen weltweit größten Skandal nicht tatenlos hinnehmen", so Küberl,
der sich anlässlich des gleichnamigen Kongresses einen globalen
Kraftakt und eine Offensive für eine "Zukunft ohne Hunger" wünscht.
35 ExpertInnen aus über 20 Ländern zeigen Lösungen gegen Hunger auf
und diskutieren mit 700 TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zur
effizienten Hungerbekämpfung.

Oscar Kardinal Rodríguez, Präsident der Caritas Internationalis,
sieht dringenden Handlungsbedarf: "Nahrung ist ein existenzielles
Grundbedürfnis der Menschen. Nur wenn dieses Bedürfnis erfüllt wird,
haben die Menschen eine Chance Glück und Zufriedenheit zu erfahren.
Dennoch ist es bis heute nicht gelungen, den Hunger auf der Welt
nachhaltig zu beseitigen. Die Ursache dafür, dass Menschen hungern
müssen, ist nicht ein Mangel an Ressourcen, sondern die ungerechte
Verteilung der verfügbaren Nahrungsmittel." Anlässlich der
bevorstehenden Konferenz "Rio+20" ruft die Caritas Internationalis
die Regierenden der Welt auf, einen ganzheitlichen Ansatz zur
nachhaltigen Entwicklung zu verfolgen. Im Mittelpunkt müssen dabei
Gerechtigkeit, Fairness, geteilte Verantwortung und das Wohl der
Menschen stehen. Rodríguez zeigt sich überzeugt: "Eine Zukunft ohne
Hunger ist möglich - wenn unser Hunger ein Hunger nach Teilhabe,
Solidarität und Gerechtigkeit ist."

Kampf gegen den Hunger steht an vorderster Stelle

Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Internationale
Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung betont, dass
für die Europäische Union der Kampf gegen den Hunger an vorderster
Stelle steht: "Allein letztes Jahr hat die Kommission eine halbe
Milliarde Euro in die Nahrungsmittelhilfe investiert. Wir werden
weiterhin alles unternehmen, um dort zu helfen, wo es am nötigsten
ist. Allzu oft musste ich in Kenia, in Somalia, in Niger, im Tschad
und in Afghanistan die schrecklichen Auswirkungen von Unterernährung
- besonders bei Kindern - mit eigenen Augen mitansehen. Durch diese
Erfahrungen bin ich mehr denn je entschlossen, eine dauerhafte Lösung
für die Bewältigung der Nahrungsmittelknappheit zu finden." Die EU
Kommissarin bekräftigt, dass dazu alle Beteiligten - die Länder, die
humanitäre Hilfe leisten, und die Entwicklungsländer - gefordert
sind. "Eine Zukunft ohne Hunger kann nur durch Kooperation und Dialog
Wirklichkeit werden" ist Georgieva überzeugt.

"Wir sehen ganz klar: Armut und Hunger sind noch immer die größten
Probleme für nachhaltige Entwicklung! Das gilt ganz besonders für
Regionen, in denen die Hungerproblematik durch die Auswirkungen des
Klimawandels zusätzlich verschärft wird. Es ist ungerecht, weil
diejenigen, die für den Klimawandel am wenigsten verantwortlich sind,
am meisten darunter zu leiden haben", so Mohan Munasinghe, ehemaliger
Vizepräsident des Weltklimarates und Friedensnobelpreisträger. Im
Blick auf Rio+20 sieht Munasinghe das Ziel darin, dass es umfassende
Lösungen zu finden gilt, die den Menschen ganzheitlich dienen."

Aktuelle Hungerkrise in der Sahelzone spitzt sich zu

Angesichts der Hungerkrise in der Sahelzone/Westafrika, die immer
bedrohlichere Ausmaße annimmt, appelliert Abbé Ambroise Tine,
Generalsekretär der Caritas Senegal: "Aktuell ist die Situation in
der Sahelzone dramatisch. Wenn nicht sofort alles unternommen wird,
droht eine humanitäre Katastrophe schrecklichen Ausmaßes. Es ist ein
Wettlauf mit der Zeit." Mittlerweile sind in der Sahelzone 18,4
Millionen Menschen von Hunger betroffen. In der gesamten Region hat
es seit neun Monaten nicht geregnet, die Lebensmittelpreise sind
massiv gestiegen. Die Soforthilfe der Caritas ist voll angelaufen.

Bisher hat die Caritas Österreich für die Hilfsmaßnahmen im
Westsahel 700.000 Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt werden in
den nächsten Monaten über 30.000 Menschen in Burkina Faso, Niger,
Mali, Tschad und Senegal vor dem Hunger bewahrt. Tine ist dennoch
zuversichtlich: "Auch ich bin überzeugt, dass mit intensiven
Anstrengungen in 10 bis 15 Jahren eine Zukunft ohne Hunger möglich
ist. Jetzt geht es darum, nicht nur vom Hunger zu reden, sondern zu
handeln!"

www.zukunft-ohne-hunger.at

Rückfragehinweis:
Klaus Schwertner
Pressesprecher Caritas Kongress "Zukunft ohne Hunger"
Telefon: +43 (0)1/87812-221, Mobil: +43 (0)664 8482618
E-Mail: [email protected]

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