• 31.05.2012, 16:06:46
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Agrarstrukturerhebung: Tendenz zu größeren und weniger Betrieben setzt sich fort

Berlakovich will mit starker Agrarpolitik Trend entschleunigen

Wien (OTS) - Der allgemeine Trend hin zu größeren
landwirtschaftlichen Betrieben setzt sich in Österreich fort. Wie die
Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung zum Stichtag 31.10.2010 ergeben
haben, ist die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe seit 1999 um 20%
auf 173.317 gesunken. Das teilte die Statistik Austria heute in einem
Pressegespräch mit. Während Betriebe mit einer Kulturfläche kleiner
als 30 ha deutlich zurückgingen, stieg die Anzahl jener, die Flächen
zwischen 50 und 200 ha bewirtschaften. "Die österreichische
Landwirtschaft ist nach wie vor - verglichen mit anderen EU-Ländern -
klein strukturiert. Das macht unsere Besonderheit aus. Allerdings
gibt es auch bei uns einen moderaten Strukturwandel. Es ist uns aber
seit dem EU-Beitritt gelungen, den Rückgang der Betriebe zu
verlangsamen. Um diesen Trend nicht wieder zu beschleunigen, brauchen
wir eine starke gemeinsame Agrarpolitik mit der entsprechenden
finanziellen Ausstattung", so Landwirtschaftsminister Nikolaus
Berlakovich.

Eine Konzentrationstendenz zeichnet sich auch bei viehhaltenden
Betrieben ab. So nahm der durchschnittliche Viehbestand je Betrieb in
den Jahren 1999 bis 2010 vor allem im Schweinesektor zu, die Anzahl
der viehhaltenden Betriebe war jedoch rückläufig. Deutliche
Verschiebungen ergaben sich für den Bereich Nebentätigkeiten.
Rückgänge um 36% beim Tourismus stehen deutlichen Zuwächsen bei der
Erzeugung erneuerbarer Energien gegenüber. Insgesamt gibt es in
Österreich 14% Biobetriebe mit einem auffallend hohen Anteil von 40%
in Salzburg, gefolgt von Tirol (19%) sowie Ober- und Niederösterreich
mit jeweils 13%.

Trend zu größeren Betrieben

Die österreichische Landwirtschaft ist nach wie vor auch im
EU-Vergleich klein strukturiert. Dennoch hält der Trend zu größeren
Betriebseinheiten ungebrochen an: Wurde 1995 von einem Betrieb im
Durchschnitt eine Gesamtfläche (landwirtschaftliche Nutzfläche, Forst
und unproduktive Flächen) von 31,5 ha bewirtschaftet, so waren es
2010 bereits 42,4 ha. Ähnlich verlief die Entwicklung bei der
landwirtschaftlich genutzten Fläche, wo eine Steigerung von 15,3 ha
auf 18,8 ha festgestellt werden konnte. Obwohl die Gesamtfläche pro
Betrieb seit 1951 kontinuierlich zunimmt, stagniert die
landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb seit Beginn der
2000er-Jahre bei rund 18 ha. Im EU-Vergleich liegt Österreich mit
19,5 ha durchschnittlicher landwirtschaftlicher Nutzfläche je Betrieb
etwas über dem EU-27-Schnitt von 14,1 ha. An der Spitze rangiert
Tschechien mit 152,4 ha, gefolgt von Großbritannien, Dänemark
Luxemburg und Deutschland (55,8 ha).

Betrachtet man die Kulturfläche gegliedert nach Größenklassen,
zeigt sich, dass 124.797 Betriebe (72,0%) weniger als 30 ha
bewirtschafteten. Bei lediglich 7.617 (4,4%) konnte eine Fläche von
mehr als 100 ha ermittelt werden. Die stärkste Zunahme von Betrieben
verzeichneten die Klassen von 50 bis unter 100 ha mit 38% (1995:
11.716; 2010: 16.118) beziehungsweise von 100 bis unter 200 ha mit
39% (1995: 3.668; 2010: 5.108). Hingegen wurde in der Klasse von
unter 5 ha der stärkste Rückgang (-47%) festgestellt. Nach
politischen Bezirken betrachtet, reduzierte sich die Anzahl der land-
und forstwirtschaftlichen Betriebe in den östlichen Bundesländern
Burgenland, Wien, und Niederösterreich am stärksten.

Haupterwerb nimmt zu

In Relation zur Gesamtanzahl wurden 2010 mehr Betriebe im
Haupterwerb geführt. Lag der Anteil im Jahr 1995 bei 34%, wurden 2010
von den 173.317 Betrieben 39% im Haupterwerb bewirtschaftet. Der
Nebenerwerbs-Anteil (gesamte Arbeitszeit des Betriebsinhaberehepaars
über beziehungsweise unter 50%) sank von 63% in 1995 auf 54% im Jahr
2010. Bei den restlichen 3% (1995) beziehungsweise 7% (2010) handelte
es sich um Personengemeinschaften beziehungsweise Betriebe
juristischer Personen.

Bio hat an Attraktivität nicht verloren

Die Zahl der Biobetriebe hat sich im Zeitraum 2007 bis 2010 von
19.500 auf 21.180 Bewirtschafter (13,8%) erhöht. Im Durschnitt
bewirtschaftete ein heimischer Biobetrieb 21 ha landwirtschaftliche
Nutzfläche. Die meisten der nach biologisch anerkannten Kriterien
geführten Landwirtschaften liegen in Niederösterreich, gefolgt von
Oberösterreich und Salzburg. Diese drei Bundesländer liegen auch im
Spitzenfeld, wenn es um den Anteil von Biobetrieben gemessen an der
landwirtschaftlichen Nutzfläche geht. Räumlich betrachtet herrscht
die biologische Wirtschaftsweise besonders im Norden von Nieder- und
Oberösterreich vor.

Die Produktionsschwerpunkte liegen in Österreich, verglichen mit
dem Jahr 2007, nach wie vor im Futterbau (37% oder 64.102 Betriebe),
in der Forstwirtschaft (27% oder 46.564) und im Marktfurchtbau (12%
oder 21.390). Der Anteil von Dauerkultur- und landwirtschaftlichen
Gemischtbetrieben lag bei jeweils 8%. Die Betriebsformen Veredelung
(5%), Agrargemeinschaften (2%) und Gartenbau (1%) nehmen eine eher
untergeordnete Rolle ein.

Für die 172.650 Betriebe mit Flächenbewirtschaftung (667 davon
waren ohne Fläche) wurde eine Gesamtfläche von 7.347.535 ha
ermittelt. 46,4% entfielen auf forstwirtschaftlich genutzte Flächen,
19,6% auf Dauergrünland und 18,7% auf Ackerland. Während Tirol das
Bundesland mit dem höchsten Anteil an Dauergrünland ist, bildet in
Niederösterreich und der Steiermark die Forstwirtschaft einen
Schwerpunkt.

Tierhaltende Betriebe werden größer

Im Jahr 2010 hielten 109.118 Betriebe (63,0%) Nutztiere. Auch in
diesem Bereich ist der Konzentrationstrend gegeben. Demnach sinkt
zwar die Anzahl viehhaltendender Betriebe, der durchschnittliche
Viehbestand aber wächst. Bemerkenswert ist der Anstieg gehaltener
Schweine je Betrieb von 35 auf 85 Tiere, bei Schafen von 18 auf 27
und bei den Ziegen von 4 auf 8 Tiere. Insgesamt wurden 2010 in
Österreich 3 Mio. Schweine gehalten, wovon Oberösterreich mit 1,2
Mio. an der Spitze liegt. Die Schafproduktion hatte in Tirol und
Niederösterreich mit jeweils rund 80.000 Stück den größten Anteil.
Heimische Rinderbauern hielten im Jahr 2010 im Durchschnitt 28
Rinder, während 1995 die durchschnittliche Herdengröße noch bei 20
Tieren lag. Im Bundesländervergleich dominiert die Rinderproduktion
in Oberösterreich (30%), gefolgt von Niederösterreich (22%) und der
Steiermark (17%).

Betriebe überwiegend mit familieneigenen Arbeitskräften
geführt

Insgesamt waren 420.805 Personen (-29,0% gegenüber 1995) in der
Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, darunter 349.593 oder 83,1%
familieneigene Arbeitskräfte. Bei den familienfremden Beschäftigten
wurden sowohl ständig als auch fallweise angestellte Personen
berücksichtigt. Ein Drittel der land- und forstwirtschaftlichen
Betriebe wurde von Frauen geleitet; 1995 lag der Anteil lediglich bei
27%. Nur 10% der Betriebsleiter war jünger als 35 Jahre.

Verschiebung bei Nebentätigkeiten

37,2% der Betriebe erwirtschafteten ein zusätzliches Einkommen aus
Nebentätigkeiten wie Urlaub am Bauernhof, Verarbeitung und Verkauf
landwirtschaftlicher Produkte, etc. Davon meinen 17%, ihren
wirtschaftlichen Erfolg verbessern zu können. Während die
Verarbeitung und der Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse (1999:
15.413 Betriebe; 2010:10.549) sowie Fremdenverkehrsaktivitäten
(1999:13.236; 2010:10.293) an Attraktivität verlor, hat die Erzeugung
und Vermarktung von erneuerbarer Energie (1999: 926; 2010: 6.411)
deutlich an Bedeutung gewonnen. Hier herrscht die Energiegewinnung
aus Biomasse mit 4.622 Anlagen in 2010 vor, gefolgt von 2.245
"Sonnenkraft-Einrichtungen". Auch vertragliche Arbeiten, wie zum
Beispiel diverse Maschinenleistungen, sind deutlich angestiegen.
Waren es 1999 noch 4.330 Betriebe die einer solchen Tätigkeit
nachgingen, belief sich die Anzahl 2010 auf 7.007.

70% der Betriebe beanspruchten Fördermaßnahmen

70% aller Betriebe nehmen Fördermaßnahmen in Anspruch. Mehr als
ein Drittel hat eine Fördermaßnahme beantragt, ein Drittel schöpft
zwei oder mehrere Beihilfen aus und rund ein Drittel nimmt keine
finanzielle Unterstützung dieser Art in Anspruch. Die meisten
Betriebe (117.859) haben Anträge für Zahlungen für
Agrarumweltmaßnahmen gestellt. 37.990 beanspruchen Beihilfen für
Tierschutzmaßnahmen, 22.407 für die Modernisierung
landwirtschaftlicher Betriebe und 22.003 für die Teilnahme an
Lebensmittelqualitäts-Regelungen.

Gemäß EU-VO (EG) Nr. 1166/2008 sowie nationaler VO BGBl. II Nr.
122/2010 musste eine Agrarstrukturerhebung mit Stichtag 31.10.2010
als Vollerhebung durchgeführt werden. Die Erhebung wurde
ausschließlich über einen personalisierten elektronischen Fragebogen
abgewickelt. Auskunftspflichtig waren all jene Betriebe mit einer
landwirtschaftlichen Nutzfläche von mindestens 1 ha, einer
forstwirtschaftlichen Nutzfläche von mindestens 3 ha oder einer
bestimmten Anzahl von Tieren wie zum Beispiel drei Rinder oder fünf
Schweine.
(Schluss) hub

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

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