- 11.05.2012, 11:25:08
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Pilotprojekt E-Medikation: Noch langer Weg bis zum Rollout
Szekeres: "Erste Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen"
Wien (OTS) - Verhalten reagiert die Ärztekammer für Wien auf die
gestern, Donnerstag, vom Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger vorgestellten Evaluierungsergebnisse des
Pilotprojekts E-Medikation. Der Präsident der Wiener Ärztekammer,
Thomas Szekeres, plädiert für eine "genaue Analyse der Ergebnisse
unter Einbeziehung aller Projektpartner" und sieht vor allem bei der
mangelnden Benutzerfreundlichkeit Verbesserungspotenzial.****
Szekeres stellt nicht nur die wenig zufriedenstellende
Bereitschaft der Patienten, sich am Pilotprojekt zu beteiligen,
infrage, sondern kritisiert auch den hohen Zeitaufwand, den die
Handhabung des Systems für Ärztinnen und Ärzte im Praxisalltag mit
sich bringt. "Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits mit
praktikableren Interaktionsprogrammen und Warnsystemen. Bevor man
einen Rollout der E-Medikation andenkt, muss auf jeden Fall
gewährleistet sein, dass das System die Ärztinnen und Ärzte
unterstützt und keinen zusätzlichen Mehraufwand bedeutet", so der
Ärztechef.
Der Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte,
Johannes Steinhart, zeigt sich über die plötzlich präsentierten
Evaluierungsergebnisse überrascht: "Die Wiener Ärztekammer wurde als
Pilotprojektpartner vorab nicht über den Bericht informiert, auch die
Detailergebnisse der Evaluierung sind uns noch nicht bekannt."
Anspruch auf Freiwilligkeit
Den Plan des Hauptverbands, dass Ärztinnen und Ärzte zur Teilnahme
an der E-Medikation verpflichtet werden sollen, kritisiert die
Ärztekammer ebenso wie das vorgesehene Opt-out für die Patienten. Wie
auch bei ELGA sprechen sich die Ärztevertreter bei der E-Medikation
für Freiwilligkeit, sprich ein Opt-in, aus. In diesem Punkt bestätige
der Evaluierungsbericht die Forderung der Ärztevertreter.
"Medikationsdaten von Patienten automatisch in das System
einzuspeisen, halte ich datenschutzrechtlich für ein Fiasko. Die
Patienten müssen sich von sich aus für eine Teilnahme am System
entscheiden können", verlangt Steinhart.
Um die Ergebnisse der Pilotstudie zu analysieren und Mängel
rechtzeitig vor einem Rollout zu beheben, lädt Szekeres die
Projektpartner zu einer breiten Diskussionsrunde ein. Denn relevante
Fragen wie Datenschutz, Patientenbereitschaft, aktueller
Informationsfluss und tatsächliche Einsparungsmöglichkeiten sowie das
Hauptziel, nämlich die Verhinderung von Kontramedikationen, seien
ernsthaft auf den Prüfstand zu legen. "Das Thema E-Medikation ist zu
wichtig und aus medizinischer Sicht zu diffizil, um ohne vorherige
kritische Analyse ohne Weiteres umgesetzt zu werden", so Szekeres
abschließend. (ec)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Mag. Elisa Cavalieri
Tel.: (++43-1) 51501/1407
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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