• 04.05.2012, 12:48:20
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Nationalratspräsidentin Barbara Prammer gedachte bei Gedenkveranstaltung im Parlament der Opfer der NS-Euthanasie

Prammer: Menschen mit Behinderung zu einem selbstverständlich geachteten Teil der Gesellschaft machen

Wien (OTS/SK) - Nationalrat und Bundesrat haben am Freitag zu
einer Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an
die Opfer des Nationalsozialismus ins Parlament geladen. An der
Gedenkveranstaltung nahmen unter anderem auch Bundespräsident Heinz
Fischer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bundeskanzler
Werner Faymann teil. Auch Überlebende des Nationalsozialismus kamen
zum Gedenken an die Menschen, die aufgrund geistiger oder
körperlicher Behinderungen in NS-Einrichtungen wie Hartheim oder dem
Spiegelgrund ermordet wurden. ****

Prammer erinnerte daran, dass der "Wert des Menschen" im
Nationalsozialismus mit dessen produktiver Leistung für die so
genannte Volksgemeinschaft verknüpft wurde und dass sich die
Selektion an den Rampen der Vernichtungslager nur danach richtete,
inwieweit die Ankommenden noch einige Wochen oder Monate zur
Zwangsarbeit ausgebeutet werden konnten. Leistung sei zwar zu Recht
ein positiver Begriff und wertvoll für unsere Gesellschaft. "Die
Leistung eines Menschen aber ausschließlich in absoluten Zahlen zu
messen, stößt unweigerlich an die Grenze der Menschenrechte", so
Prammer.

Die Nationalratspräsidentin plädierte dafür, dass "wir jeden Menschen
mit seiner Leistungsfähigkeit und -möglichkeit anerkennen und die
große Bandbreite von Leistung wahrnehmen". "Nie darf Leistung über
den Wert von Leben entscheiden", bekräftigte Prammer. Für die
Nationalratspräsidentin misst sich die Qualität einer Gesellschaft
daran, wie deren Mitglieder miteinander umgehen und ob sie
solidarisch miteinander sind.

Für Menschen mit Behinderung stehe heute die Inklusion im
Vordergrund. "Dafür waren wichtige politische Meilensteine notwendig,
wie etwa das Bundesbehindertengesetz 1990 oder die
verfassungsrechtliche Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen
in Artikel 7 im Jahr 1997", sagte Prammer, die stolz auf die weit
fortgeschrittene rechtliche Situation in Österreich ist. "Tatsache
ist auch, dass die tägliche Lebensrealität von Menschen mit
Behinderungen noch weit von einer Gleichstellung entfernt ist. Sie
haben nach wie vor weniger Zugang zu Bildung, leben in belastenden
Wohnverhältnissen oder haben ein geringeres Einkommen", so Prammer.
"Wir müssen Menschen mit Behinderungen inkludieren und zu einem
selbstverständlich geachteten und respektierten Teil unserer
Gesellschaft machen", sagte die Nationalratspräsidentin, die "große
Hoffnungen" in den Nationalen Aktionsplan für Menschen mit
Behinderungen, der derzeit von der Bundesregierung erarbeitet wird,
setzt. Gesetze seien die wesentliche Grundlage, "doch es braucht die
Gesellschaft, die Menschen, um sie mit Leben zu füllen".

Im Vorfeld des Gedenktages hat das Parlament ein Jugendprojekt
initiiert, bei dem Schülerinnen und Schüler die Gedenkstätten "Am
Steinhof" und Schloss Hartheim besucht und sich mit dem Thema
"NS-Euthanasie" auseinandergesetzt haben. Im Rahmen des
Jugendprojekts beantwortete ein Überlebender, Friedrich Zawrel,
Fragen der Jugendlichen, wofür ihm Nationalratspräsidentin Prammer
dankte. "Demokratie ist nur dann möglich, wenn sie jeder und jede
Einzelne von uns mit Leben erfüllt. Rassismus, Gewalt und Ausgrenzung
sind ein Widerspruch zur Demokratie und dürfen in unserer
Gesellschaft keinen Platz haben", unterstrich Prammer abschließend.
(Schluss) bj/mb

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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