- 02.05.2012, 21:00:34
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. Mai 2012 von Anita Heubacher "Wer kümmert sich um die Zukunft?"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Wird die Landflucht nicht eingedämmt,
werden arme Gemeinden immer ärmer und reiche immer reicher werden.
Zieht es alle in die Stadt, bleibt die Frage, wer sich die Stadt noch
leisten kann. Was fehlt, ist eine Zukunftsstrategie.
Während es in der Inntalfurche immer enger wird, haben entlegene
Regionen oder Seitentäler ein echtes Problem. Sie verlieren
Einwohner. Tourismus und Landwirtschaft sind nicht mehr in der Lage,
die Abwanderung zu stoppen. In erster Linie hängt die Landflucht mit
dem Arbeitsplatz zusammen und der findet sich immer öfter in
Ballungszentren.
Eine Studie der Universität für Bodenkultur in Wien zeigt zudem
weitere Faktoren, die die Landflucht beschleunigen. Untersucht wurden
Gemeinden in der Steiermark. Der Trend lässt sich allerdings auf
Tirol umlegen. Junge Frauen zieht es in die Stadt. Sie sind besser
ausgebildet, bleiben länger kinderlos und haben in Landgemeinden
keine Perspektive. Während junge Männer Betriebe übernehmen und in
Vereinen verankert sind, fehlt diese Bodenhaftung bei jungen Frauen.
Die Studie listet 60 Maßnahmen auf, wie man das Landleben attraktiver
machen kann.
Allerdings braucht es dazu die finanziellen Mittel. Das ist die Krux.
Denn zieht es Einwohner und vor allem Arbeitsplätze in die
Ballungszentren, lukrieren die Landgemeinden weniger Geld. In der
Folge werden arme Gemeinden immer ärmer, während reiche Gemeinden
immer reicher werden.
Konzentriert sich der Großteil der Bevölkerung in Ballungsräumen,
wird das Leben in diesen Zentren immer teurer. Schon jetzt stellt
sich die Frage, wer es sich überhaupt noch leisten kann, in Innsbruck
zu wohnen. Die Preise für Wohnraum und für das tägliche Leben - vom
Einkauf bis zum Restaurantbesuch - sind in astronomische Höhen
geschnellt.
Die Landflucht ist eine der Herausforderungen der Zukunft. Das hat
man schon einmal erkannt und in einem Papier namens ZukunftsRaum
niedergeschrieben. Dort finden sich beispielsweise Ideen zur
Dorfkernbelebung, die zum Teil auch umgesetzt wurden. Es gibt viele
Bereiche, insbesondere die Raumordnung, wo sich politisch der Hebel
ansetzen ließe. Allerdings wurden dort, wo der ZukunftsRaum zu sehr
aneckte, die Ideen verwässert oder verworfen. Im Oktober 2011
präsentierten LH Günther Platter und der damals frischgebackene
Abteilungsleiter für Raumordnung, Christoph Platzgummer, Tirols
Nachhaltigkeitsstrategie. Allerdings ist dem "Leitfaden für die
Zukunft Tirols" schon lange und nicht erst, als sich Platzgummer in
den Innsbrucker Wahlkampf verabschiedet hat, der Kümmerer
abhandengekommen. Das ist auch ein Signal.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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