- 26.04.2012, 10:17:31
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Eine (zweite) Chance am Arbeitsmarkt
Hundstorfer, Wehsely und Landau zu Herausforderungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik
Wien (OTS) - "Trotz der an sich erfreulichen Tatsache, dass
Österreich die geringste Arbeitslosenquote in Europa zu verzeichnen
hat, darf man nicht übersehen, dass wir in Österreich mit einer
strukturellen Erwerbslosigkeit zu kämpfen haben, die auch nach der
Überwindung der Wirtschaftskrise nicht zur Gänze verschwinden wird",
unterstreicht Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien,
anlässlich der vierten Jobmeile in Wien, bei der rund 30 verschiedene
Trägereinrichtungen, unter anderem AMS, WAFF und MA 40,
Beschäftigungsprojekte und Beratungsangebote für langzeitarbeitslose
Frauen und Männer präsentierten. Insgesamt waren im März rund 332.200
Menschen beim AMS als erwerbslos vorgemerkt oder befanden sich in
Schulung. In der öffentlichen Diskussion wird oft vernachlässigt,
dass die Probleme die sich aus Erwerbslosigkeit ergeben, nicht nur
Angelegenheit der Betroffenen sind. Auch ihre Angehörigen haben ein
erhöhtes Risiko, von Einkommensarmut betroffen zu sein - umso höher,
je länger die Erwerbslosigkeit andauert. "Es ist leider verbreitet,
die Schuld bei den Betroffenen selbst zu suchen." Landau wünscht sich
in diesem Zusammenhang ein Maßnahmenpaket, das Antworten auf die
Verteilung der verfügbaren Arbeit gibt, keine Tabus im Sprechen über
vermögensbezogene Steuern sowie Investitionen zur Schaffung von
Arbeitsplätzen und den Ausbau von Projekten für langzeiterwerbslose
Menschen.
"Langzeitarbeitslosigkeit stellt für die Arbeitsmarktpolitik immer
eine große Herausforderung dar und ist mir ein besonderes Anliegen.
Vor allem gesundheitliche Einschränkungen und niedrige Qualifikation
sind die größten Risken dafür, dauerhaft seine Erwerbsarbeit zu
verlieren", so Sozialminister Rudolf Hundstorfer.
Eingliederungsbeihilfen, sozialökonomische Betriebe und Gemeinnützige
Beschäftigungsprojekte sind wichtige Instrumente, um Menschen nach
langer Arbeitslosigkeit wieder eine Chance zu geben. Im Jahr 2011
haben wir daher in das Segment sozialökonomische Betriebe und
Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte rund 190 Millionen Euro
investiert und es konnten in diesen Projekten immerhin 27.000
ausgrenzungsgefährdete Menschen beschäftigt werden. "Der Weg raus aus
der Langzeitarbeitslosigkeit ist meistens schwierig, wir sind daher
sehr darum bemüht, Langzeitarbeitslosigkeit gar nicht entstehen zu
lassen. Daher hat die Bundesregierung auch vor allem während der
Wirtschaftskrise die Qualifizierungsmaßnahmen intensiviert. Mit dem
Präventionsprogramm Fit2Work soll verhindert werden, dass
Arbeitnehmer dauerhaft krank und dadurch arbeitsunfähig werden ", so
der Minister. "Wir werden weiterhin einen großen Schwerpunkt in
unserer aktiven Arbeitsmarktpolitik auf die Vermeidung und Behebung
von Langzeitarbeitslosigkeit legen", versprach Hundstorfer.
Ein "Sprungbrett in die Beschäftigung" wurde in Wien schon vor der
Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung gelegt, indem
eine Reihe von Arbeitsprojekten für die Gruppe der erwerbsfähigen
Sozialhilfe-EmpfängerInnen etabliert wurde. In Wien waren laut AMS im
vergangenen Monat 80.282 Menschen als arbeitslos gemeldet. Hinzu
kommen mehr als 22.949 Personen, die sich in Schulungen befanden.
Sonja Wehsely, Stadträtin für Gesundheit und Soziales: "Die
Bedarfsorientierte Mindestsicherung hat das österreichische
Sozialwesen um viele Schritte vorwärts gebracht. Früher waren
SozialhilfebezieherInnen keine Zielgruppe für das
Arbeitsmarktservice. Das haben wir mit der Einführung der
Mindestsicherung geändert. Mit Erfolg: Die Zahl der Menschen, die
ausschließlich von Mindestsicherung leben, lag 2011 bei 12.313 und im
Jahr davor um 16,6 Prozent höher. Selbst vor fünf Jahren, 2007,
lebten mehr Menschen, nämlich 12.575, ausschließlich von der
Sozialhilfe. Das ist ganz klar ein Erfolg der Mindestsicherung und
der damit verbundenen Arbeitsmarktmaßnahmen, weil diese Gruppe
erstmals ganz gezielt an den Arbeitsmarkt herangeführt wird."
Neben den wichtigen Angeboten, die von der Stadt Wien und der Caritas
gemeinsam geschaffen wurden, unterstrich Wehsely die Bedeutung von
Step2Job, einem Projekt, das besonders auf arbeitsmarktferne
Zielgruppen zugeschnitten wurde. Step2Job arbeitet mit
Qualifizierungsmaßnahmen und sozialen Unterstützungen wie
Schuldnerberatung oder psychologischer Beratung. Seit Einführung der
Mindestsicherung im September 2010 bis Ende des ersten Quartals 2012
sind in das Projekt 6.340 Personen eingetreten. Davon haben 2.640
(41,6 Prozent) MindestsicherungsbezieherInnen eine Schulung begonnen.
1.780 (28,1 Prozent) Personen konnten einen Job antreten, bei den 18-
bis 21-Jährigen sogar über 33 Prozent). Mehr als die Hälfte dieser
Menschen sind bereits mehr als drei Monate in Beschäftigung.
Caritas-Angebot für langzeitarbeitslose Menschen
Die Caritas der Erzdiözese Wien engagiert sich seit über 20 Jahren
gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice und der Stadt Wien im Bereich
der aktiven Arbeitsmarktpolitik für langzeitarbeitslose Frauen und
Männer. Das Angebot umfasst acht Jobprojekte mit insgesamt 340
Arbeitsplätzen für Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt
benachteiligt sind. Zu den Projekten zählen unter anderem das
Restaurant Inigo, das heuer sein 20-jähriges Jubiläum feiert oder das
Projekt markt_platz, ein niederschwelliges und
gemeinwesenorientiertes Beschäftigungsangebot am Yppenplatz.
Vorrangiges Ziel aller Maßnahmen ist es, die Angebote auf die
individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der TeilnehmerInnen
abzustimmen.
Rückfragehinweis:
Norbert Schnurrer, Pressesprecher des Sozialministers Tel.: (01) 71100-2246 E-Mail: [email protected] Michael Eipeldauer, Pressesprecher Stadträtin für Gesundheit und Soziales Tel.: (01) 4000 81231, 0676 8118 69522 E-Mail: [email protected] Klaus Schwertner, Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien Tel.: (01) 87812-221, 0664-8482618 E-Mail: [email protected]
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