Überproduktion von Wachstumshormon führt zu Leberkrebs

Das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung entdeckt neue Zusammenhänge in der Entstehung von Leberkrebs

Wien (OTS) - Eine Forschungsgruppe des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung entdeckt einen neuen Aspekt für den Zusammenhang zwischen der Entstehung von Leberkrebs und chronischer Entzündungserkrankungen aufgrund erhöhter Wachstumshormonspiegel. Chronische Entzündungen sind meist mit erhöhter Tumorenstehung assoziiert, wobei die Entstehung von Leberkrebs durch eine Überproduktion von Wachstumshormon eine Ausnahme darstellt. Hier wirkt die Entzündung schützend, aber das Tumorwachstum wird durch die erhöhte Menge an Wachstumshormon angeregt.

Leberkrebs weltweit eine der fünf häufigsten Krebserkrankungen - erhöhte Konzentration von Wachstumshormon auch Life-Style abhängig

Leberkrebs ist weltweit der fünfthäufigste Krebs und die dritthäufigste tumorassoziierte Todesursache. Hier sind bisher vor allem Virusinfektionen wie Hepatitis B und C als auch übermäßiger Alkoholkonsum als Hauptauslöser zu nennen. Heute treten allerdings immer häufiger Leberkrebsarten auf, die durch Hormon- oder Stoffwechselstörungen gefördert werden. Dabei führt eine Überproduktion von Wachstumshormon zu massiver Zunahme des Größenwachstums, das mit erhöhten Tumorerkrankungen einhergeht. Auch der konzentrierte Einsatz des Wachstumshormons in der "Anti-Aging" Therapie, bei Dopingmissbrauch und in der Tiermast ist dabei zu berücksichtigen. Generell ist das Wachstumshormon sehr schwer nachweisbar und die Dunkelziffer des Missbrauchs wird als sehr hoch angenommen.

Forschergruppe untersuchte Wirkung des wichtigen Signalmoleküls STAT5 während der Entstehung von wachstumshormoninduzierten Leberkrebs und konnte Organversagen bei zusätzlich auftretenden Nierenerkrankungen unterbinden

Ziel der Studie des LBI für Krebsforschung war es, den Wirkmechanismus des hepatischen Signalmoleküls STAT5 während der Entstehung von Leberkrebs aufgrund einer Überproduktion des Wachstumshormons zu verstehen. Untersuchungen in Mäusen zeigen, dass dieser Signalweg im gesunden Zustand die Leber schützt und Stoffwechselvorgänge wesentlich regulieren kann. Bei einer Beeinträchtigung dieses Signalweges durch hohe Konzentrationen von Wachstumshormon und Stresshormonen führt dieser aufgrund von unkontrollierter Neusynthese und Transport von Lipiden zu einer Verfettung mit drastischer Vergrößerung der Leber. Des Weiteren kommt es zu erhöhten Stresssignalen und zu einer Regulationsstörung wichtiger Krebsgene wie STAT3 oder p53, was zusammen aggressiven Leberkrebs auslöst.

Zusätzlich führen erhöhte Serum-Spiegel von Wachstumshormon auch zu Nierenerkrankungen mit Organversagen. Weitere Untersuchungen konnten allerdings zeigen, dass eine Blockierung des leberspezifischen STAT5 Signalweges das Organversagen unterbinden kann, welches durch chronische Entzündungsprozesse ausgelöst und durch die Leber gesteuert wird.

Dieses Forschungsprojekt wurde zusätzlich durch den FWF über einen Sonderforschungsbereich gefördert. Doktoranden der Arbeitsgruppe von Richard Moriggl, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung, führten in enger Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien, sowie dem Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie dieses Forschungsprojekt durch. Die Ergebnisse der Arbeit wurden in dem international renommierten Journal "Hepatology" veröffentlicht.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt Forschungsinstitute (Ludwig Boltzmann Institute) in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Sie initiiert gemeinsam mit akademischen und anwendenden Partnern innovative Forschungsthemen und ist spezialisiert auf translationale Forschung - die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung.

So arbeiten in medizinischen Instituten Teams aus Grundlagenforschern und Klinikern in einem Zentrum zusammen und sind dadurch Katalysatoren für die Verbindung von präklinischer Spitzenforschung und klinischer Medizin.

In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten werden die interdisziplinär erarbeiteten Forschungsergebnisse in Konferenzen und wissenschaftlichen Veranstaltungen dem Fachpublikum kommuniziert sowie mittels publikumswirksamer Aktivitäten der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Derzeit betreibt die LBG 20 LBI und 5 Cluster mit rund 300 MitarbeiterInnen. Die Einrichtung von Ludwig Boltzmann Instituten (LBI) für eine befristete Laufzeit erfolgt aufgrund von Ausschreibungen mit internationalen Begutachtungsverfahren.

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