KV-Verhandlungen im Hotel- und Gastgewerbe ohne Einigung

Vida/GPA-djp: Forderung nach 1.450 Euro Mindestlohn für Beschäftigte bleibt aufrecht

ÖGB (OTS/vida/GPA-djp/ÖGB) - Die zweite Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag für rund 200.000 Beschäftigte (davon fast 60 Prozent Frauen) im Hotel- und Gastgewerbe hat heute ein enttäuschendes Angebot der Arbeitgeber gebracht und wurde ohne Einigung beendet. Die Gewerkschaften vida und GPA-djp fordern weiter einen fairen Mindestlohn bzw. ein Mindestgehalt von 1.450 Euro. Die Arbeitgeber dagegen bieten mit 2,4 Prozent eine Erhöhung weit unter der Inflationsrate.++++

Wer recherchiert, findet unzählige Aussendungen der Arbeitgeberseite über Nächtigungs- und Besucherrekorde, wirtschaftliche Erfolge und Spitzenergebnisse. Zu Jahresbeginn kündigte der Branchensprecher in der WKÖ, Hans Schenner, selbst Hotelier, vollmundig an: "2012 werden wir das gleich gute Geschäft haben wie 2011." Und Schenner preist die Krisenresistenz der Branche: "Selbst 2009 ist dem Tourismus nichts passiert", nachzulesen in der APA-Meldung vom 23.1.2012.
Wenn es aber darum geht, die Beschäftigten für ihre Leistungen fair zu entlohnen, wird plötzlich gejammert. Seit Jahren wird eine angemessene finanzielle Anerkennung für die ArbeitnehmerInnen verweigert. Der Mindestlohn im Hotel- und Gastgewerbe liegt derzeit bei 1.205 Euro, das Mindestgehalt bei 1.208 Euro, und das brutto, für Vollzeitbeschäftigung. Zum Vergleich: für Reinigungskräfte ist ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1.350 Euro vorgesehen.

Die von der Gewerkschaft geforderten 1.450 Euro brutto als nicht leistbar und überzogen zu bezeichnen ist unverständlich, stellen die beiden Verhandlungsführer der Gewerkschaften vida und GPA-djp, Rudolf Komaromy und Alfred Gajdosik, fest: "Wir schauen uns gerne an, wie unsere Verhandlungspartner auch nur einen Monat mit dem aktuellen Mindestlohn von 1.208 Euro brutto auskommen würden, geschweige denn eine Familie ernähren. Es kann nicht sein, dass Erfolg für die UnternehmerInnen im Tourismus nur durch Lohn- und Sozialdumping erreichbar ist. Schon jetzt gibt es im Tourismus den größten Rückgang bei den Lehrlingszahlen und Fachkräftemangel, acht von zehn Beschäftigten flüchten binnen zehn Jahren aus der Branche. Über kurz oder lang wird sich das auf die Qualität der Dienstleistungen auswirken. Wir aber wollen dieser volkswirtschaftlich bedeutenden Branche eine erfolgreiche Zukunft verschaffen. "

Doch statt für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, soll der Kollektivvertrag noch einmal "abgeräumt" werden. Den Forderungen der Gewerkschaft nach einer fairen Entlohnung für Leistungen, von denen der gesamte Fremdenverkehr und die heimische Wirtschaft profitieren, steht ein enttäuschendes Angebot der Arbeitgeberseite gegenüber -2,4 Prozent Lohn- bzw. Gehaltserhöhung wären deutlich unter der Inflationsrate, die im Jahresschnitt 3,3 Prozent betragen hat, und deutlich unter den Abschlüssen der anderen Branchen.

Dazu kommt die Forderung, die Ruhezeit zwischen zwei Diensten auf acht Stunden zu verkürzen, eine etwaige Tagesfreizeit, wie zum Beispiel die Mittagspause, soll in diese Ruhezeit einberechnet werden. "Schon jetzt kämpfen die Beschäftigten mit den langen, unregelmäßigen und unattraktiven Arbeitszeiten. Aber die Arbeitgeber sind offenbar darauf aus, die Situation noch zu verschlechtern", sagt Rudolf Komaromy.

Morgen, Freitag, werden die Gewerkschaften bei einer BetriebsrätInnen-Versammlung in Wien die Beschäftigten über den Stand der Verhandlungen informieren und das weitere Vorgehen mit den unmittelbar Betroffenen abstimmen. Nächster geplanter Verhandlungstermin ist am 23. April 2012. vida und GPA-djp werden sich weiterhin für einen fairen Kollektivvertrag einsetzen und nicht davon abrücken, dass die Beschäftigten in Hotels und Gasthäusern bei Vollzeitbeschäftigung von ihrem Einkommen leben können müssen.

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