Greenpeace: Verbund predigt Wasserkraft und verkauft Atomstrom

Umweltschutzorganisation protestiert bei Verbund-Aktionärsversammlung

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte heute vor dem Wiener Austria Center, wo die heurige Hauptversammlung der Verbund AG stattfand, gegen den anhaltenden Import von Atomstrom durch das Unternehmen. Acht von neun heimischen Landes-Energieversorger verzichten bereits auf den Import von Atomstrom. Der Verbund setzt jedoch ganz entgegen seiner Werbelinie nach wie vor auf den Profit mit Atomstrom. "Das Argument des Verbunds, ohnehin kaum Atomstrom nach Österreich zu importieren, ist angesichts des von der E-Control bescheinigten Atomstromanteils völlig unglaubwürdig", so Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof und fügt hinzu: "Für ein Unternehmen, das jährlich Millionen Euro an Werbemittel dafür ausgibt, sich als Wasserkraftanbieter zu positionieren, sind 16 Prozent Atomstrom mehr als beschämend."

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen in Österreich Atomkraft ablehnt, importiert der Verbund über Börsen nach wie vor große Mengen Atomstrom. Der österreichischen Energiebehörde E-Control zufolge beliefert die Stromhandelstochter Verbund-Sales ihre Kunden mit einem Graustromanteil von 78,9 Prozent, womit der Atomstromanteil des Verbund bei insgesamt knapp 16 Prozent liegt. Dabei kritisiert die E-Control, dass der Energiekonzern den Atomstromanteil in unterschiedlichen Stromprodukten versteckt.

Der hohe Atomstromanteil des Verbunds hängt damit zusammen, dass der Energieversorger eine große Menge Wasserkraftstrom höchst profitabel ins Ausland exportiert. Die Lücke, die so am heimischen Markt entsteht, wird durch Zukäufe an der Strombörse gefüllt. Der zugekaufte Börsenstrom beinhaltet jedoch 35 Prozent Atomstrom. Dieser so genannte Graustrom dient hauptsächlich zur Versorgung der Industriekunden, während die Haushaltskunden mit Wasserkraft beliefert werden. "Der Verbund will offensichtlich nicht auf das lukrative Auslandsgeschäft mit der Wasserkraft verzichten und wehrt sich daher auch so vehement gegen ein Importverbot von Atomstrom", kritisiert Westerhof.

Einer Umfrage zufolge, die im Juni 2011 von Greenpeace und GLOBAL 2000 in Auftrag gegeben wurde, sprechen sich ganze 80 Prozent der Bevölkerung entschieden gegen den Handel mit Atomstrom durch heimische Energieversorgungsunternehmen aus, 74 Prozent der Befragten befürworten ein Atomstrom-Importverbot. "Der Verbund muss endlich aus dem riskanten Geschäft mit Atomstrom aussteigen, andernfalls torpediert der Energieversorger den österreichischen Anti-Atomkonsens", fordert Westerhof.

Dem Argument von Verbund-Chef Anzengruber, dass Atomstromimporte nur zu unterbinden wären, indem man die Leitungen ins Ausland kappt, entgegnet Westerhof entschieden: "Acht von neun Landesenergieversorgern schaffen es, ihre Kunden atomstromfrei zu beliefern. Anstatt Nebelgranaten zu werfen, sollte Anzengruber mit seinen Kollegen aus der Energiewirtschaft reden und sich Tipps für eine atomstromfreie Zukunft abholen." Dass ein gesetzlich geregelter Stopp von Atomstrom-Importen EU-rechtlich möglich ist, wurde im Vorjahr mit zwei unabhängigen Gutachten belegt. Eine solche Regelung würde zwangsläufig zu einer geringeren Nachfrage nach Atomstrom führen, wodurch weniger Atomkraftwerke benötigt würden.

Am kommenden Montag, dem 16. April, wird es erneut einen Anti-Atomgipfel mit Beteiligung von Bundesregierung, Elektrizitätswirtschaft und Umweltorganisationen geben. Greenpeace fordert die österreichische Bundesregierung dazu auf, das beim ersten Gipfel am 1. Juli 2011 angekündigte Verbot für Graustrom umzusetzen, und ein Importverbot für Atomstrom zu beschließen.

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Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof
Energiesprecher Greenpeace
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mailto: jurrien.westerhof@greenpeace.at

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Pressesprecherin Greenpeace
Tel.: +43 (0)664 61 26 718
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