- 12.04.2012, 09:39:00
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Greenpeace: Verbund predigt Wasserkraft und verkauft Atomstrom
Umweltschutzorganisation protestiert bei Verbund-Aktionärsversammlung
Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte
heute vor dem Wiener Austria Center, wo die heurige Hauptversammlung
der Verbund AG stattfand, gegen den anhaltenden Import von Atomstrom
durch das Unternehmen. Acht von neun heimischen
Landes-Energieversorger verzichten bereits auf den Import von
Atomstrom. Der Verbund setzt jedoch ganz entgegen seiner Werbelinie
nach wie vor auf den Profit mit Atomstrom. "Das Argument des
Verbunds, ohnehin kaum Atomstrom nach Österreich zu importieren, ist
angesichts des von der E-Control bescheinigten Atomstromanteils
völlig unglaubwürdig", so Greenpeace-Energiesprecher Jurrien
Westerhof und fügt hinzu: "Für ein Unternehmen, das jährlich
Millionen Euro an Werbemittel dafür ausgibt, sich als
Wasserkraftanbieter zu positionieren, sind 16 Prozent Atomstrom mehr
als beschämend."
Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen in Österreich Atomkraft
ablehnt, importiert der Verbund über Börsen nach wie vor große Mengen
Atomstrom. Der österreichischen Energiebehörde E-Control zufolge
beliefert die Stromhandelstochter Verbund-Sales ihre Kunden mit einem
Graustromanteil von 78,9 Prozent, womit der Atomstromanteil des
Verbund bei insgesamt knapp 16 Prozent liegt. Dabei kritisiert die
E-Control, dass der Energiekonzern den Atomstromanteil in
unterschiedlichen Stromprodukten versteckt.
Der hohe Atomstromanteil des Verbunds hängt damit zusammen, dass der
Energieversorger eine große Menge Wasserkraftstrom höchst profitabel
ins Ausland exportiert. Die Lücke, die so am heimischen Markt
entsteht, wird durch Zukäufe an der Strombörse gefüllt. Der
zugekaufte Börsenstrom beinhaltet jedoch 35 Prozent Atomstrom. Dieser
so genannte Graustrom dient hauptsächlich zur Versorgung der
Industriekunden, während die Haushaltskunden mit Wasserkraft
beliefert werden. "Der Verbund will offensichtlich nicht auf das
lukrative Auslandsgeschäft mit der Wasserkraft verzichten und wehrt
sich daher auch so vehement gegen ein Importverbot von Atomstrom",
kritisiert Westerhof.
Einer Umfrage zufolge, die im Juni 2011 von Greenpeace und GLOBAL
2000 in Auftrag gegeben wurde, sprechen sich ganze 80 Prozent der
Bevölkerung entschieden gegen den Handel mit Atomstrom durch
heimische Energieversorgungsunternehmen aus, 74 Prozent der Befragten
befürworten ein Atomstrom-Importverbot. "Der Verbund muss endlich aus
dem riskanten Geschäft mit Atomstrom aussteigen, andernfalls
torpediert der Energieversorger den österreichischen
Anti-Atomkonsens", fordert Westerhof.
Dem Argument von Verbund-Chef Anzengruber, dass Atomstromimporte nur
zu unterbinden wären, indem man die Leitungen ins Ausland kappt,
entgegnet Westerhof entschieden: "Acht von neun
Landesenergieversorgern schaffen es, ihre Kunden atomstromfrei zu
beliefern. Anstatt Nebelgranaten zu werfen, sollte Anzengruber mit
seinen Kollegen aus der Energiewirtschaft reden und sich Tipps für
eine atomstromfreie Zukunft abholen." Dass ein gesetzlich geregelter
Stopp von Atomstrom-Importen EU-rechtlich möglich ist, wurde im
Vorjahr mit zwei unabhängigen Gutachten belegt. Eine solche Regelung
würde zwangsläufig zu einer geringeren Nachfrage nach Atomstrom
führen, wodurch weniger Atomkraftwerke benötigt würden.
Am kommenden Montag, dem 16. April, wird es erneut einen
Anti-Atomgipfel mit Beteiligung von Bundesregierung,
Elektrizitätswirtschaft und Umweltorganisationen geben. Greenpeace
fordert die österreichische Bundesregierung dazu auf, das beim ersten
Gipfel am 1. Juli 2011 angekündigte Verbot für Graustrom umzusetzen,
und ein Importverbot für Atomstrom zu beschließen.
Rückfragehinweis:
Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof Energiesprecher Greenpeace Tel.: +43 (0)664 61 26 701 mailto: [email protected] Melanie Beran Pressesprecherin Greenpeace Tel.: +43 (0)664 61 26 718 mailto: [email protected]
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