• 10.04.2012, 09:14:54
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Erstmals Kind mit neuem Hörimplantat versorgt

Wien (OTS) - Ein Elfjähriger aus Wien wurde an der
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni
im AKH Wien als erstes Kind weltweit mit einem neuen
Knochenleitungsimplantat versorgt. Der Elfjährige besitzt keine
Ohrmuscheln und hatte bisher über ein Stirnband mit einem externen
Knochenleitungshörgerät gehört.

Mittels hochauflösender Computer-Tomographie erstellten die
WissenschafterInnen von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und
Ohrenkrankheiten unter der Leitung von Wolfgang Gstöttner zunächst
ein 3D-Modell des Schädels des jungen Patienten. Damit wurde jene
Stelle in der Nähe des Ohres definiert, an der dann Wolf-Dieter
Baumgartner in einer knapp einstündigen Operation das
Knochenleitungsimplantat einsetzte.

Bei dem Buben sind aufgrund einer Fehlbildung im Ohr die schwingenden
Teile im Mittelohr wie Trommelfell, Hammer, Amboss und Steigbügel
defekt. Dies führte zu einer mittelgradigen Schwerhörigkeit.
Baumgartner: "Das neue Knochenleitungsimplantat ermöglicht eine
Schallübertragung mittels Knochenleitung zum Innenohr. Damit wird der
Schall nicht über den natürlichen Weg des Hörens, über Außen- und
Mittelohr, sondern direkt über den Knochen an das Innenohr
weitergegeben."

"Ein ganz normales Leben"

Das Besondere an diesem neuen, von der österreichischen Firma MED-EL
Medical Electronics konzipierten Implantat ist, dass die akustischen
Stimulatorelemente allesamt im Schädelknochen liegen. Dadurch ist
auch die Operation einfacher und kürzer. Baumgartner: "Der Junge wird
damit ein ganz normales, akustisches Leben führen können. Das neue
Implantat kann künftig auch bei PatientInnen, die "ausoperiert" sind,
wenn also die klassische Ohrchirurgie keine Ergebnisse mehr zeigt,
verwendet werden." Das gilt unter anderem für Personen mit
chronischer Mittelohrentzündung.

Das neue Knochenleitungsimplantat eignet sich generell für
PatientInnen, die unter einer Schallleitungsschwerhörigkeit,
einseitiger Taubheit oder auch an Fehlbildungen des Ohres leiden.
Auch andere Lösungen wie die "BAHA-Schraube" oder
"Knochenleitungsbrillen" wären dann obsolet: Schallwellen werden
dabei entweder über eine deutlich sichtbare Titanschraube hinter dem
Ohr oder über eine Brille, die Druck auf die Kopfhaut ausübt,
übertragen. Rund 80 Personen in Österreich, 40 davon in Wien, kämen
jährlich für ein solches Implantat in Frage, schätzt Baumgartner. "Es
gibt PatientInnen, die jahrelang auf so etwas gewartet haben."

HNO-Universitätsklinik mit ausgezeichnetem Ruf

Der aktuelle Forschungserfolg unterstreicht die Top-Position, die
sich die MedUni Wien und das AKH Wien bei HNO-Implantaten erarbeitet
haben. Das erste Cochlea-Implantat, das 1977 an der Wiener HNO-Klinik
eingesetzt wurde, war zugleich auch das erste
Mehrkanal-Cochlea-Implantat weltweit. Im September 2011 gab es
ebenfalls eine weltweite Premiere: Erstmals wurde im AKH eine extrem
dünne, so genannte "floating electrode" als Teil eines
Cochlea-Implantats zum Erhalt des Restgehörs implantiert.
ForscherInnen der MedUni Wien entwickelten dazu eine neue, sanfte
Operationsmethode und waren maßgeblich an der Entwicklung der nur 0,2
mm statt bisher 0,5 mm dünnen Elektrode beteiligt.

Wolfgang Gstöttner, Leiter der Wiener Klinik, gilt als
internationaler Experte im Bereich der Hörimplantationen. Zusammen
mit Wolf-Dieter Baumgartner ist er auch im internationalen Netzwerk
der führenden Hörimplantatzentren (HEARRING) vertreten.

Rückfragehinweis:

Medizinische Universität Wien
   Mag. Johannes Angerer
   Leiter Corporate Communications
   Tel.: +431 40160 - 11 501
   Mobil: +43 664 800 16 11 501
   mailto:[email protected]
   http://www.meduniwien.ac.at

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