ÖH: Forum Hochschule läutet Paradigmenwechsel in der Hochschulpolitik ein

Präsentation des alternativen Hochschulplans zeigt dringenden Handlungsbedarf und Perspektiven auf

Wien (OTS) - Gestern Abend wurden die Ergebnisse von Forum Hochschule in der Aula der Akademie der Bildenden Künste präsentiert. Neben den Mitwirkenden des Projekts kamen auch Eva Blimlinger, Rektorin der Bildenden, sowie uniko-Präsident Heinrich Schmidinger zu Wort. "Da vonseiten des Ministeriums kein Wille zu erkennen ist, die Probleme des Hochschulsektors ganzheitlich und vollständig zu analysieren, geschweige denn zu lösen, hat sich die ÖH im September 2011 dazu entschlossen, mit dem Projekt Forum Hochschule die Problemstellungen im Hochschulsektor zu identifizieren und konkret umsetzbare Lösungsvorschläge zu präsentieren. In einem offenen und partizipativen Prozess wurde der Hochschulsektor in größter Tiefe und Breite analysiert. Dabei wurde nicht nur auf die Sicht der Studierenden eingegangen, sondern auch durch die aktive Einbindung von Lehrenden und weiteren ExpertInnen aus verschiedenen Fachbereichen der Anspruch gestellt, den Hochschulsektor aus Sicht aller im Hochschulsektor agierenden AkteurInnen zu betrachten und zu erneuern", fasst Martin Schott vom Vorsitzteam der ÖH den Arbeitsprozess von Forum Hochschule zusammen.

Die Problemstellungen im Hochschulsektor sind divers, breit gestreut und oft eng verknüpft. "Sinnvoll war es dennoch, die Themen aufzugliedern und fünf Arbeitsgruppen einzurichten, um dann wieder auf Gemeinsamkeiten zu stoßen und so zu ganzheitlichen Lösungen zu kommen. Neben den Arbeitsgruppen Hochschulorganisation, Wissenschaft und Forschung, Qualität der Lehre und Soziale Absicherung durfte natürlich auch die Arbeitsgruppe Hochschulfinanzierung nicht fehlen", erklärt Peter Grabuschnig, ÖH Generalsekretär.

Die großen Problemfelder, die sich im Zuge von Forum Hochschule ergeben haben fasst Philipp Poyntner, Projektkoordinator von Forum Hochschule, wie folgt zusammen: "Erstens ist die sogenannte Autonomie der Hochschulen im Moment überwiegend auf monokratische, nicht demokratisch legitimierte Organe zentriert, die Ressourcen nicht aufgrund von Bedarf, sondern Machtstrukturen verteilen. Zweitens wird der Wissenschaftsbetrieb durch prekäre Anstellungsverhältnisse, suboptimale Evaluierungsmethoden und stark hierarchische Gefälle innerhalb von Organisationseinheiten (Institute, Fakultäten etc.) an seiner vollen Entfaltung gehindert. Drittens ändern sich traditionelle Strukturen auf Hochschulen nur sehr langsam - was beispielsweise überholte pädagogisch-didaktische Konzepte und die nach wie vor bestehende Benachteiligung von Frauen zur Folge hat. Viertens sind die Hochschulen seit Jahren chronisch unterfinanziert. Und fünftens stellt ein Studium sozial benachteiligte Studierende durch das auf vielen Ebenen unzureichende Förderungssystem vor große Schwierigkeiten."

"Um den Problemen wirklich entgegen zu treten braucht es ein Konzept, das all die angesprochenen Punkte umfasst. Ein wichtiger Schritt ist echte und gelebte Demokratie an den Hochschulen, was sich nur durch eine transparente, gleichberechtigte Gremienstruktur erfüllen lässt. Die derzeitig herrschenden Hierarchien müssen dringend abgebaut werden und durch ein Faculty Modell ersetzt werden, in dem ForscherInnen eine langfristige berufliche Perspektive haben. Neben den WissenschafterInnen brauchen auch die Studierenden finanzielle und persönliche Sicherheit - sie sind u.a. über ein Grundstipendium und erweiterte Sachleistungen abzusichern", so Angelika Gruber vom ÖH Vorsitzteam.

"Um endlich von einem modernen Hochschulsektor sprechen zu können, braucht es zudem einen Paradigmenwechsel in der Lehre hin zu einem studierendenzentrierten Ansatz, der die Studierenden aus der passiven KonsumentInnenrolle befreit und unbedingt auch mit einer Reform der Curricula-Struktur einhergehen muss. All diese Vorhaben sind nur durch ein transparentes, flexibles Finanzierungsmodell umzusetzen, das zudem Gender Budgeting in jedem Verteilungsschritt realisiert", ergänzt Janine Wulz um einen weiteren Auszug aus dem Forderungskatalog.

"Mit dem Mut, Dinge zu hinterfragen, die normalerweise kritiklos hingenommen werden, ist Forum Hochschule nicht nur ein Stein des Anstoßes zu Grundsatzdiskussionen, sondern auch ein konkreter Forderungskatalog, mit dessen Umsetzung am besten gleich begonnen wird", fordert das Vorsitzteam, sowie die Mitwirkenden an Forum Hochschule, unisono.

Weiter Informationen sowie Fotos zur Veranstaltung gibt es unter folgenden Links:

Presseinformationen und das gesamte Forum Hochschule Dokument:
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Fotos:
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