• 22.03.2012, 09:00:41
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Häufigkeit von Arztbesuchen und Medikamentenverschreibungen bereits sechs Jahre vor der krankheitsbedingten Pensionierung erhöht

Wien (OTS/WIFO) - Unselbständig Beschäftigte, die in eine
Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension übertreten, suchten
bereits in den sechs Jahren davor deutlich häufiger den Arzt auf,
erhielten öfter und mehr Medikamente und waren auch häufiger in
stationärer Krankenhauspflege. Diese Kennzahlen können somit als
Vorlaufindikatoren einer krankheitsbedingten Erwerbsbeendigung
verstanden werden. Ein systematisches Monitoring der Indikatoren in
Zusammenhang mit verbindlichen Rehabilitationsmaßnahmen für die
Versicherten und für die Betriebe ist eine Voraussetzung dafür, um
den krankheitsbedingten Austritt aus dem Erwerbsleben einzudämmen.

Noch immer haben in Österreich rund ein Drittel der jährlichen
Neuzugänge in die Direktpensionen gesundheitliche Gründe: Obwohl sich
der Anteil der Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspensionen an den
Neuzugängen in die Direktpension in den vergangenen zehn Jahren
verringert hat, waren im Jahr 2011 von den knapp 45.800
Pensionsneuzuerkennungen der Männer 39% (17.800) und von den 45.600
neu zuerkannten Pensionen der Frauen 22% (10.100) Invaliditäts- bzw.
Berufsunfähigkeitspensionen.

Das WIFO hat anhand eines Datensatzes von unselbständig
Beschäftigten, die 2009 in eine krankheitsbedingte Pension
übertraten, den Zusammenhang zwischen Pensionszuerkennung und
Inanspruchnahme bestimmter Gesundheitsdienstleistungen untersucht.
Dazu wurde der Gruppe der späteren Bezieher und Bezieherinnen einer
Invaliditätspension eine Vergleichsgruppe gegenübergestellt. Anhand
der abgerechneten Gesundheitsdienstleistungen der Gebietskrankenkasse
Oberösterreich konnten beide Gruppen in ihrem Verhalten bezüglich
Ausmaß und Häufigkeit von Arztbesuchen von Medikamentenkonsum wie
auch von Krankenhausaufenthalten verglichen werden.

Demnach unterscheidet sich das Ausmaß der konsumierten
medizinischen Dienstleistungen zwischen den beiden Gruppen erheblich:
So war der Anteil der Personen mit mindestens einem Arztbesuch pro
Jahr an den späteren Beziehern und Bezieherinnen einer
Invaliditätspension zwischen 2003 bis 2008 um knapp 3,5 Prozentpunkte
höher als in der Vergleichsgruppe. Die späteren
Invaliditätspensionistinnen suchten in den sechs Jahren vor dem
Erwerbsaustritt durchschnittlich 17-mal pro Jahr einen Arzt auf, in
der Vergleichsgruppe waren es 12 Arztbesuche pro Jahr. In den zwei
Jahren vor dem Erwerbsaustritt erhöht sich die Zahl der Arztbesuche
noch einmal deutlich. Der Anteil der Männer mit Arztbesuchen ist
insgesamt geringer ist jener der Frauen: Spätere
Invaliditätspensionisten suchten in den sechs Jahren vor dem
Erwerbsaustritt im Durchschnitt 14-mal pro Jahr einen Arzt auf, in
der Vergleichsgruppe wurden durchschnittlich 10 Arztbesuche
verzeichnet.

Die Häufigkeit von Medikamentenverschreibungen und die Zahl der
verschriebenen Heilmittel waren in der Gruppe der
Invaliditätspensionistinnen und -pensionisten ebenfalls deutlich
höher als in den Vergleichsgruppen: In den sechs Jahren vor
Pensionszuerkennung wurden 79% der späteren Pensionistinnen
Medikamente verordnet, in der Vergleichsgruppe betrug der Anteil 68%;
für die Männer ergaben sich Anteile von 73% bzw. 62%. Die Zahl der
verordneten Heilmittel betrug in den Kontrollgruppen der Frauen und
Männer zwischen 2003 und 2008 durchschnittlich 9 Packungen. In diesem
Zeitraum bezogen die späteren Invaliditätspensionistinnen hingegen
17,2 Packungen und die Invaliditätspensionisten 16,4 Packungen
jährlich.

Auch die Zahl und die Dauer der Krankenhausaufenthalte - hier
liegen die Daten erst ab dem Jahr 2005 vor - unterscheiden sich
zwischen den beiden Gruppen deutlich. Invaliditätspensionistinnen und
-pensionisten mussten bereits 2005 um ein Drittel häufiger im
Krankenhaus behandelt werden, und ihre Krankenhausaufenthalte dauert
bereits vier Jahre vor der Pensionierung um die Hälfte länger als
jene der Vergleichsgruppe.

Übersicht 1:Krankheitsbiographien von unselbständig Beschäftigten,
denen 2009 eine Invaliditätspension zuerkannt wurde - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Das relativ lange Zeitfenster von mehreren Jahren, in dem sich die
Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen der späteren
Invaliditätspensionistinnen und -pensionisten bereits vom
Durchschnitt unterscheidet, könnte zur Früherkennung der
krankheitsbedingten Pensionierungen genutzt werden. Ein
systematisches Monitoring der Indikatoren Arztbesuche,
Medikamentenkonsum und Krankenhausaufenthalte in Zusammenhang mit
Beratungs- und Rehabilitationsmaßnahmen für Versicherte und für
Betriebe ist wichtiger Ansatzpunkt zur Verringerung
krankheitsbedingter Pensionierungen.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
3/2012 (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/43819).

Rückfragehinweis:
Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 22. März 2012, zwischen 10 und 15 Uhr an Mag. Christine Mayrhuber, Tel. (1) 798 26 01/269, [email protected].

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