- 17.03.2012, 09:05:30
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ÖÄK-Tag der Allgemeinmedizin: Aus Fehlern und Erfolgen anderer lernen (2)
Hausarztmodelle in den Nachbarländern
Wien (OTS) - Was passiert, wenn nationale Gesundheitssysteme die
hausärztliche Versorgung vernachlässigen oder nach rein
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausrichten, schilderten
Vertreter von Hausärzte-Organisationen aus Österreichs Nachbarländern
beim Tag der Allgemeinmedizin am Samstag.
Italien - vom Ziel abgewichen
Zur Situation der Primärversorgung in Italien sagte der Präsident der
Gesellschaft für Allgemeinmedizin Südtirol, Simon Kostner: "Die
Gesundheitspolitik hat die Allgemeinmedizin viel zu lang
vernachlässigt. Diese Versäumnisse müssen wir nun etwa in Südtirol
unter größten Anstrengungen aufholen." Italien schaffte vor dreißig
Jahren das Krankenkassensystem ab. Die gesamte Gesundheitsversorgung
wurde, wie in England, verstaatlicht. Der Allgemeinmediziner ist
erster Ansprechpartner und überweist die Patienten, wenn
erforderlich, zum Facharzt oder ins Spital. Der Haken: Die
Allgemeinmedizin spielt eher theoretisch eine zentrale Rolle. De
facto hat sich die Gesundheitsversorgung in Italien immer stärker in
Richtung Krankenhäuser entwickelt - entgegen den ursprünglichen
Intentionen. Ergebnis: Die Spitalskosten explodieren, die
Infrastruktur in den Ordinationen der staatlichen Allgemeinmediziner
ist oft veraltet, ihre Aus- und Fortbildung hinkt internationalen
Standards hinterher.
Schweiz - Betriebswirtschaft versus Volkswirtschaft
Die Schweizer hingegen stimmen im Juni darüber ab, ob Managed Care
(MC) gesetzlich verankert werden soll. Auch MC sieht unter anderem
vor, dass sich Patienten vertraglich verpflichten, im Krankheitsfall
zuerst einen Allgemeinmediziner ihrer Wahl aufzusuchen. Infrage
kommen aber nur Ärzte, die ihrerseits einen MC-Vertrag mit einem
Versicherer haben. Die komplexen vertraglichen und finanztechnischen
Herausforderungen sind meist nur im Rahmen von
MC-Betriebsgesellschaften zu bewältigen. Damit untersteht aber die
ärztliche Tätigkeit automatisch betriebswirtschaftlichen Vorgaben.
"Aus dem ursprünglich einfachen und guten Gedanken, den Hausarzt ins
Zentrum zu rücken, ist eine Eskalation von Management und Controlling
entstanden. Jetzt haben wir einen tiefen Riss quer durch Patienten-
und Ärzteorganisationen", sagte Bruno Kissling von der
Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Das Problem
fehlenden Hausärzte-Nachwuchses sei damit übrigens nicht gelöst.
Für Kissling könne das Schweizer Gesundheitssystem auch ohne MC von
der kostensenkenden und die Versorgungsqualität verbessernden Wirkung
der Hausarztmedizin profitieren. Was es brauche, sei der "erklärte
politische Wille der Regierung, den Nachwuchs durch verbesserte
allgemeinmedizinische Ausbildung und Forschung zu fördern, gute
Arbeitsbedingungen zu schaffen und eine angemessene Honorierung zu
gewährleisten". (ar) (Schluss)
Service:
Infos zum Tag der Allgemeinmedizin unter www.meinarzt.aerztekammer.at
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel.: 0664/320 76 87
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