• 17.03.2012, 09:00:31
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ÖÄK-Tag der Allgemeinmedizin: Aus Fehlern und Erfolgen anderer lernen (1)

Hausarztmodell als zentrales Element der Gesundheitsreform

Wien (OTS) - Der von Österreichischer Ärztekammer (ÖÄK) und
Österreichischer Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) am Samstag
zum zweiten Mal veranstaltete Tag der Allgemeinmedizin widmete sich
heuer dem Thema "Organisations- und Finanzierungsmodelle der
Hausarztmedizin".

Voraussetzungen für Hausarzt-Modell

Der Vizeobmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Gert Wiegele,
erklärte, die heimische Gesundheitspolitik solle endlich die Chance
ergreifen, aus den Erfahrungen anderer zu lernen. So seien etwa
Hausärzte und Versicherte der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) im
deutschen Baden-Württemberg äußerst zufrieden mit dem dort seit vier
Jahren laufenden Hausarzt-Modell, wie Wilhelm Niebling von der
Universität Freiburg im Breisgau in seinem Vortrag bestätigte.
Als von der heimischen Politik zu schaffende Voraussetzungen für die
Umsetzung des Hausarzt-Modells nannte Wiegele unter anderem:
Auf der e-card solle ein vom Patienten frei gewählter Haus- und
Vertrauensarzt gespeichert sein, so könnten Facharzt und Spital alle
Befunde an diese koordinierende Stelle übermitteln. Das
Gruppenpraxengesetz sei an den Ordinationsalltag anzupassen, dann
würden auch mehr solcher Kooperationen entstehen. Patienten fänden so
auch an Randzeiten ambulante ärztliche Betreuung und der Überlastung
von Ärzten, die viele Jungmediziner abschrecke, würde durch
flexiblere Arbeitszeitgestaltung vorgebeugt. Allerdings sollte die
Leitung in der Hand von Ärzten und nicht von Betriebswirten liegen,
betonte Wiegele im Hinblick auf Entwicklungen in der Schweiz.

Allgemeinmediziner-Ausbildung vertiefen

Wiegele forderte weiters, dass die Ausbildung zum Allgemeinmediziner
nicht weiter vernachlässigt werden dürfe. Man sehe an Italien, wohin
das führe. Vielmehr müsse man die Ausbildung vertiefen und den
Facharzt für Allgemeinmedizin einführen. Damit würde man endlich den
überaus komplexen Anforderungen dieses Fachs gerecht. Jörg Pruckner,
Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin, pflichtete bei und
ergänzte: "Wer Ärzte möchte, die nicht nur fachlich gut sind, sondern
auch gut mit Menschen umgehen können, muss die Mittel für mindestens
ein verpflichtendes Lehrpraxisjahr zur Verfügung stellen. Im Turnus
ist das nicht zu vermitteln, wie uns Umfragen gerade wieder
bestätigen." Wiegele zeigte sich überzeugt: "All diese Maßnahmen
könnten - gemeinsam mit einer gerechten Honorierung der erweiterten
Leistungen des Haus- und Vertrauensarztes - dazu beitragen, dass sich
wieder mehr Jungmediziner für den Beruf als niedergelassener
Kassenarzt entscheiden."

Volkswirtschaftlicher Benefit

Die Sozialökonomin Agnes Streissler betonte den volkswirtschaftlichen
Benefit des ÖÄK-Hausarzt-Modells. Sie verwies darauf, dass selbst bei
vorsichtiger Schätzung mit Einsparungen von über 300 Millionen Euro
pro Jahr zu rechnen sei, wenn die Spitalsambulanzen nur jene
Patienten behandeln müssten, die aus medizinischen Gründen nicht vom
niedergelassenen Arzt betreut werden könnten.
Ergänzend dazu verwies Pruckner auf ein erst vor wenigen Tagen
präsentiertes Papier der Industriellenvereinigung zur
Gesundheitsreform. Darin werde "genau das gefordert, was die
Ärztekammer unter dem Titel 'Hausarzt-Modell' seit Jahren immer
wieder einmahnt". Das Modell sei ein zentrales Element der
Gesundheitsreform und gehöre schnellstmöglich umgesetzt. (ar)
(Forts.)

Service:
Infos zum Tag der Allgemeinmedizin unter www.meinarzt.aerztekammer.at

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel.: 0664/320 76 87

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