ÖÄK-Tag der Allgemeinmedizin: Aus Fehlern und Erfolgen anderer lernen (1)

Hausarztmodell als zentrales Element der Gesundheitsreform

Wien (OTS) - Der von Österreichischer Ärztekammer (ÖÄK) und Österreichischer Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) am Samstag zum zweiten Mal veranstaltete Tag der Allgemeinmedizin widmete sich heuer dem Thema "Organisations- und Finanzierungsmodelle der Hausarztmedizin".

Voraussetzungen für Hausarzt-Modell

Der Vizeobmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Gert Wiegele, erklärte, die heimische Gesundheitspolitik solle endlich die Chance ergreifen, aus den Erfahrungen anderer zu lernen. So seien etwa Hausärzte und Versicherte der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) im deutschen Baden-Württemberg äußerst zufrieden mit dem dort seit vier Jahren laufenden Hausarzt-Modell, wie Wilhelm Niebling von der Universität Freiburg im Breisgau in seinem Vortrag bestätigte.
Als von der heimischen Politik zu schaffende Voraussetzungen für die Umsetzung des Hausarzt-Modells nannte Wiegele unter anderem:
Auf der e-card solle ein vom Patienten frei gewählter Haus- und Vertrauensarzt gespeichert sein, so könnten Facharzt und Spital alle Befunde an diese koordinierende Stelle übermitteln. Das Gruppenpraxengesetz sei an den Ordinationsalltag anzupassen, dann würden auch mehr solcher Kooperationen entstehen. Patienten fänden so auch an Randzeiten ambulante ärztliche Betreuung und der Überlastung von Ärzten, die viele Jungmediziner abschrecke, würde durch flexiblere Arbeitszeitgestaltung vorgebeugt. Allerdings sollte die Leitung in der Hand von Ärzten und nicht von Betriebswirten liegen, betonte Wiegele im Hinblick auf Entwicklungen in der Schweiz.

Allgemeinmediziner-Ausbildung vertiefen

Wiegele forderte weiters, dass die Ausbildung zum Allgemeinmediziner nicht weiter vernachlässigt werden dürfe. Man sehe an Italien, wohin das führe. Vielmehr müsse man die Ausbildung vertiefen und den Facharzt für Allgemeinmedizin einführen. Damit würde man endlich den überaus komplexen Anforderungen dieses Fachs gerecht. Jörg Pruckner, Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin, pflichtete bei und ergänzte: "Wer Ärzte möchte, die nicht nur fachlich gut sind, sondern auch gut mit Menschen umgehen können, muss die Mittel für mindestens ein verpflichtendes Lehrpraxisjahr zur Verfügung stellen. Im Turnus ist das nicht zu vermitteln, wie uns Umfragen gerade wieder bestätigen." Wiegele zeigte sich überzeugt: "All diese Maßnahmen könnten - gemeinsam mit einer gerechten Honorierung der erweiterten Leistungen des Haus- und Vertrauensarztes - dazu beitragen, dass sich wieder mehr Jungmediziner für den Beruf als niedergelassener Kassenarzt entscheiden."

Volkswirtschaftlicher Benefit

Die Sozialökonomin Agnes Streissler betonte den volkswirtschaftlichen Benefit des ÖÄK-Hausarzt-Modells. Sie verwies darauf, dass selbst bei vorsichtiger Schätzung mit Einsparungen von über 300 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen sei, wenn die Spitalsambulanzen nur jene Patienten behandeln müssten, die aus medizinischen Gründen nicht vom niedergelassenen Arzt betreut werden könnten.
Ergänzend dazu verwies Pruckner auf ein erst vor wenigen Tagen präsentiertes Papier der Industriellenvereinigung zur Gesundheitsreform. Darin werde "genau das gefordert, was die Ärztekammer unter dem Titel 'Hausarzt-Modell' seit Jahren immer wieder einmahnt". Das Modell sei ein zentrales Element der Gesundheitsreform und gehöre schnellstmöglich umgesetzt. (ar) (Forts.)

Service:
Infos zum Tag der Allgemeinmedizin unter www.meinarzt.aerztekammer.at

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Mag. Andrea Riedel
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