- 15.03.2012, 11:34:28
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ELGA-Expertentagung (1)
Dorner: Sachliche Diskussion notwendig - ÖÄK als konstruktiver Partner
Wien (OTS) - Mit dem heißen Eisen ELGA beschäftigte sich eine von
der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) initiierte Fachtagung am
Donnerstag. Die ÖÄK habe die Tagung angeregt und organisiert, weil
sie sich als konstruktiver, wenn auch kritischer Partner verstehe,
erklärte ÖÄK-Präsident Walter Dorner in seinem Eröffnungsstatement.
"Das Thema ELGA soll von allen Seiten objektiv beleuchtet und einer
sachlichen Diskussion zugeführt werden", so Dorner. Dabei dürfe man
nicht vor heiklen Themen zurückscheuen und müsse auch die
Vorratsdatenspeicherung diskutieren, die nach Ansicht des Ärztechefs
"die absolute Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient" berühre.
Dorner forderte eine offene Diskussion über fragwürdige Konzepte der
Politik, die nur zu oft die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger
vorschiebe, um eigene Interessen durchzusetzen. Dorner: "Es darf
nicht sein, dass wir uns in Richtung Überwachungsstaat entwickeln."
Im Hinblick auf ELGA sei ein zeitgemäßes, modernes Telematikgesetz
notwendig, das auf die medizinischen Bedürfnisse und den ärztlichen
Alltag Rücksicht nehme, schloss sich Artur Wechselberger, Präsident
der Ärztekammer für Tirol und ÖÄK-Vizepräsident, an. "Wenn die
Informationen, die ich als Arzt erhalte, auf die momentane
Behandlungssituation ausgerichtet sind, dann kann das eine echte
Verbesserung bedeuten. Wenn ich aber erst sämtliche Befunde eines
Patienten durchforsten muss, erhöhen sich die Wartezeiten für meine
Patienten. Und ich habe im Endeffekt weniger Zeit für die Patienten",
schilderte Wechselberger aus der Sicht eines niedergelassenen Arztes
die Problematik. Die Widerspruchsregelung (Opt-Out), die im derzeit
vorliegenden Gesetzesentwurf verankert sei, bedeute zusätzliche
Hindernisse. So könne sich der Arzt nie sicher sein, dass die
Befundsammlung tatsächlich vollständig sei. Daraus würde sich
wiederum die Notwendigkeit für weitere Recherchen ergeben.
Wechselberger: "Und wenn sich dann herausstellt, dass die Befundlage
ungenügend ist, muss ich den Patienten erst recht wieder zu
Untersuchungen schicken. Das alles kostet enorm viel Zeit." ELGA in
der geplanten Form berücksichtige die medizinischen Arbeitsläufe
eines Behandlungsprozesses nicht, kritisierte Wechselberger, hier
würden vorrangig Vorstellungen von Politikern und Technikern
umgesetzt. Eine reine Befundsammlung bringe keine Verbesserung der
Patientenversorgung. Ein digitales Austauschsystem, das von den
Ärzten akzeptiert werde, sollte eine in der Behandlungssituation ganz
konkrete Information innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Das sei
derzeit keinesfalls gegeben.
Ähnlich kritisch äußerte sich Robert Hawliczek, Primarius im
Donauspital und stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der
ÖÄK: "Es stellt sich schon die Frage, inwieweit das so genannte
Empowerment der Patienten durch ELGA in Wahrheit nicht eine
Entmündigung darstellt", so Hawliczek. Auch die Kosten dürften nicht
einfach beiseite gewischt werden - alleine der Wiener
Krankenanstaltenverbund müsse für die Schnittstellen zu ELGA rund
drei Millionen Euro in die Hand nehmen, die Verwaltung eines einzigen
in ELGA gespeicherten Dokuments könne bis zu vier Euro kosten. "Das
summiert sich natürlich. Man muss darüber diskutieren, ob es in
Zeiten des Sparpakets sinnvoll ist, so ein Projekt, das noch dazu auf
wackeligen juristischen Beinen steht, aus dem Boden zu stampfen", gab
Hawliczek zu bedenken. ELGA, so die Befürchtung, werde zusätzliche
Arbeitsstunden mit sich bringen, und das sei ein Zeitproblem.
Hawliczek: "Man kann nicht bei jedem Ambulanzbesuch eine umfassende
Betrachtung des Patienten anstellen. Dazu fehlt uns ganz einfach die
Zeit." (ms/sl) (Forts.)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33
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