• 13.03.2012, 10:53:44
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Jungärzte: Unzufrieden mit Arbeitszeiten und Ausbildungsinhalten

42 Prozent der Zeit werden durch Administration vergeudet - Jeder dritte würde nicht noch einmal Medizin studieren

Wien (OTS) - Eine aktuelle Studie der Österreichischen
Gesellschaft für Marketing (OGM) hat ergeben, dass die Arbeits- und
Berufszufriedenheit der Jungärzte im Vergleich zu den anderen
ärztlichen Gruppen, wie angestellte Spitalsärzte oder niedergelassene
Ärztinnen und Ärzte, durchwegs geringer ist. Für Ärztekammerpräsident
Walter Dorner ist dabei besonders bedenklich, dass laut Angaben der
befragten Jungärzte nur 10 Prozent ihrer Arbeitszeit auf die
effektive ärztliche Ausbildung entfällt, 37 Prozent ihrer Zeit
verbringen sie mit der Betreuung und Behandlung von Patienten, aber
42 Prozent gehen für Patientendokumentation, Administration und
bürokratische Tätigkeiten auf. ****

57 Prozent der Jungärzte sind mit den Arbeitszeiten unzufrieden.
Das betrifft vor allem die Anzahl der Arbeitsstunden (60 Prozent
gaben an, im wöchentlichen Durchschnitt mehr als 60 Stunden zu
arbeiten), aber auch die Struktur und die Verteilung der
Arbeitszeiten (mehr als die Hälfte hat zwei Nachtdienste pro Woche,
und dazu noch zwei Wochenenddienste pro Monat). "Für viele
Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung machen diese Überstunden,
Nacht- und Wochenenddienste einen notwendigen Teil ihres Gehalts aus,
doch damit gehen auch gesundheitliche Risiken einher, und das bereits
in jungen Jahren", gibt Dorner zu bedenken.

Immerhin: 60 Prozent der Jungärzte sind trotz aller angesprochenen
Mängel mehr oder weniger zuversichtlich, ihr angestrebtes ärztliches
Karriereziel zu erreichen. Alarmierend ist aber der Befund bei jenen,
die an eine erfolgreiche ärztliche Karriere nicht so recht glauben:
Sie gaben in der Befragung an, dass sie aufgrund ihrer bisherigen
Erfahrungen nicht wieder den medizinischen Ausbildungsweg
eingeschlagen hätten, sondern heute eine andere Ausbildung und einen
anderen Berufsweg einschlagen würden. Das sind immerhin 30 Prozent
aller befragten Wiener Jungärzte.

Stephanie Plefka, eine betroffene Turnusärztin, sieht einen
möglichen Grund dafür in den hierarchischen Organisationsstrukturen,
welche in den meisten Krankenhäusern noch immer vorherrschten. "Es
werden einem als junge Ärztin oft Steine in den Weg gelegt, die es
neben den langen Arbeitszeiten und der massiven Administration nicht
unbedingt leicht machen, mit der gewünschten medizinische Karriere
Erfolg zu haben", führt Plefka aus.

Nichtsdestotrotz würde sie jederzeit wieder den Beruf der Ärztin
ergreifen. "Ich sehe die Arbeit mehr als Berufung, denn als Beruf.
Und mir macht das Arbeiten mit Menschen, trotz der vielleicht oft
schwierigen Umstände, Spaß."

Gender und Gleichbehandlung werden positiv gesehen

Überwiegend zufrieden sind die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung
mit dem Arbeitsklima und der Kollegialität an ihrer Abteilung,
weniger jedoch mit Führung, Aufgaben/Arbeitszielen sowie
Leistungsbeurteilung und Feedback. Das liegt vor allem daran, dass
zwei von drei Jungärzten angeben, überwiegend mit Aufgaben betraut zu
werden, die ihren ärztlichen Ausbildungszielen nur wenig entsprechen.

Am positivsten von allen abgefragten Bereichen der
Arbeitszufriedenheit wird noch das Thema Gender und Gleichbehandlung
gesehen. Weibliche Ärzte werden gleich wie ihre männlichen Kollegen
behandelt und ausgebildet, so die mehrheitliche Meinung auch bei den
weiblichen Jungärzten. Plefka: "Ob Ärztin oder Arzt - wir müssen als
Turnusärzte alle gleich viel arbeiten und leisten und haben damit
auch die gleichen Qualifikationen." Doch mit Ende der Ausbildung
ändere sich diese Gleichstellung schlagartig. "Im ärztlichen Beruf
herrschen leider immer noch ungleiche Karrierechancen für Frauen und
Männer vor", weiß Plefka aus ihrer hochschulpolitischen Tätigkeit als
ehemalige Gleichbehandlungsreferentin der ÖH Medizin Wien zu
berichten.

Hoher Rücklauf bei Befragung

Beauftragt wurde die Studie zur Arbeitszufriedenheit der Wiener
Ärzteschaft von der Ärztekammer. Dazu wurde im Februar 2012 ein
Fragebogen an alle Wiener Ärztinnen und Ärzte versendet (insgesamt in
etwa 12.000 Ärztinnen und Ärzte), der Rücklauf war mit 1813
ausgefüllten Fragebögen beachtlich. Die Basis für die wichtigsten
Ergebnisse für die Jungärzte in Ausbildung bildeten 374 Interviews.
(hpp)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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