• 09.03.2012, 10:56:19
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Greenpeace-Strahlenmessung:1000-fach erhöhte Radioaktivität in Fukushima City

Japanische Regierung lässt Menschen mit Folgen der Reaktorkatastrophe allein

Tokio/Wien (OTS) - Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe im
japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hat Greenpeace rund
sechzig Kilometer entfernt im Großraum Fukushima City stark erhöhte
Radioaktivität gemessen. Eine Strahlendosis von siebzig Mikrosievert
pro Stunde stellte das internationale Messteam der unabhängigen
Umweltschutzorganisation in einem Parkhaus fest, rund fünfzig Meter
vom Hauptbahnhof Fukushima City entfernt. Vierzig Mikrosievert pro
Stunde wurden in einem Abwasserkanal nahe einer Wohnsiedlung
gemessen. Diese Werte überschreiten die dort ursprünglich gemessene
natürliche Strahlung um das Tausendfache.

Die Greenpeace-Strahlenexperten fanden an mehreren Stellen in
Fukushima City und dem Vorort Watari starke Konzentrationen von
Cäsium 137. Cäsium 137 hat eine Halbwertzeit von 30 Jahren. "Diese
radioaktiven Hot Spots sind gesundheitsgefährdend. Die Belastung wird
auch in den kommenden Jahren kaum abnehmen, doch die japanische
Regierung lässt die Menschen im Stich", sagt Heinz Smital,
Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace, vor Ort in Fukushima
City. "Die Menschen in dieser Region sollten sich entscheiden dürfen,
ob sie umsiedeln wollen oder eine rasche und gründliche
Dekontamination in Anspruch nehmen."

Radioaktivität weit verstreut - Dekontaminierung läuft schleppend

Seit der Reaktorkatastrophe im März 2011 stellt Greenpeace immer
wieder Strahlenmessungen in der Region Fukushima an. Sie sind Teil
einer Langzeitdokumentation. Die Strahlenexperten haben festgestellt,
dass es nicht nur zur größten radioaktiven Kontamination des Meeres
kam, sondern auch am Festland in den dicht besiedelten Gebieten
Stellen mit deutlich zu hoher Radioaktivität verstreut zu finden
sind. Dekontaminationsmaßnahmen werden zu vereinzelt und zu langsam
durchgeführt. Für den anfallenden Atommüll gibt es keine
Zwischenlager, die Bevölkerung erhält von der Regierung und dem
Atomkonzerns Tepco kaum Unterstützung.

"Im Jahr zwei der Katastrophe sind die Menschen noch immer einem
beträchtlichen Risiko ausgesetzt. Selbst Schwangere und Kinder müssen
mit dieser viel zu hohen Strahlendosis leben", so Heinz Smital, "Das
ist skandalös."

Währenddessen ringt Japan mit einer Energiewende. Von 54 Reaktoren
sind derzeit nur noch zwei am Netz. Die Regierung will weiterhin auf
Atomkraft setzen, doch viele Menschen fürchten sich inzwischen vor
den Risiken. Hunderttausende leiden noch immer an den Folgen der
Katastrophe vom 11. März 2011. "Ein erneutes schweres Beben in
Fukushima könnte die Situation verschärfen", sagt Heinz Smital, "Die
Reaktorgebäude sind nicht stabil. Die Lagerbecken der Kernbrennstäbe
könnten trocken fallen. Die Auswirkungen wären katastrophal."

Rückfragehinweis:
Niklas Schinerl, Atomexperte, Tel: 0664-6126704
Steffen Nichtenberger, Leiter Medienabteilung, Tel: 0664-6126703

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