• 05.03.2012, 21:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 6. März 2012. Von MICHAEL SPRENGER. "Väter, Mütter und andere Kleinigkeiten".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Es ist nett, wenn sich die
Ministerinnen Mikl-Leitner und Heinisch-Hosek jetzt schon für drei
Papa-Monate ins Zeug legen. Vielleicht sollten sie aber zuerst einmal
dafür sorgen, dass altbekannte Forderungen umgesetzt werden.

Eine der zentralen Aufgaben der Politik sollte es sein, in
gesellschaftspolitischen Fragen für einen Ausgleich bestehender
Ungerechtigkeiten zu sorgen. Zwar angekommen im 21. Jahrhundert,
sorgt der kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern weiterhin
für große Folgen in der Verteilung von Chancen, die das Berufsleben
bereithält.
Kein halbwegs aufgeklärter Mensch würde von sich behaupten, dass es
eben ein unverrückbares Naturgesetz sei, dass Männer das angeborene
Recht besitzen, mehr Chancen für sich nützen zu können als Frauen.
Trotzdem herrscht in der (österreichischen) Gesellschaft ein enorm
ausgeprägtes (männliches) Trägheitsmoment, das Veränderungen der
bekannten Rollenbilder von Mann und Frau nur in kleinen Schritten
ermöglicht.
Damit wären wir wieder bei der Aufgabe der Politik angekommen, die
für einen Ausgleich dieser tradierten Ungerechtigkeit zu sorgen
hätte. Ihre Möglichkeit bestünde in der Verabschiedung von Gesetzen,
mit denen die Veränderung der Rollenbilder weiter gefördert wird,
damit es letzten Endes tatsächlich zu einer besseren Vereinbarkeit
von Beruf und Familie kommen kann, damit die alte Forderung von
gleichem Gehalt für gleiche Arbeit nicht eine Floskel in
Sonntagsreden bleibt.
Die Forderungen zum Thema sind altbekannt. Es braucht den Weg hin zu
einer modernen Ganztagsschule (und diese ist mehr als eine
Halbtagsschule mit Nachmittagsbetreuung), es braucht endlich
Kindergärten mit familien- und berufsgerechten Öffnungszeiten, es
braucht (auch im ländlichen Raum) ein breites Angebot von
Kinderkrippen und, ja, es braucht endlich Angebote für Männer, damit
es ihnen leichter fällt, aus der "Ich würde ja gerne, aber es geht
nicht"-Rolle auszubrechen. Auch deshalb wäre ein Papa-Monat zu
begrüßen, weil er für ein Umdenken im Zusammenleben von Männern und
Frauen sorgte. Doch bislang gilt er nur für den öffentlichen Dienst.
Warum eigentlich? Gibt es Zwei-Klassen-Väter? Der Papa-Monat sollte
nicht mehr länger eine Möglichkeit nur für Beamte sein. Der
Papa-Monat sollte ein Privileg, ein Gewinn für alle Väter sein. Doch
statt dafür zu sorgen, versuchen die Politikerinnen von SPÖ und ÖVP,
gleich drei Papa-Monate zu fordern.
Auf den ersten Blick mag dies ja löblich sein. Bösartig könnte man
hierzu aber anmerken, dass man mit dem Aufstellen neuer Forderungen
bloß den Blick auf die herrschenden Realitäten vernebelt.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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