"Integration im Klassenzimmer": Zwischen Herausforderung und Chance

Wien (OTS) - Podiumsdiskussion in Graz mit Staatssekretär
Sebastian Kurz und Monika Potkanski vom Österreichischen Integrationsfonds. Kurz: Leistungsbereitschaft ist Voraussetzung für erfolgreiche Integration.

Jeder 10. Schüler hat eine andere Muttersprache als Deutsch
Rund 10 Prozent der Schüler/innen an steirischen Schulen stammen aus einer nicht deutschsprachigen Familie. An Neuen Mittelschulen steigt der Wert auf 30 Prozent, an manchen Schulen in der Steiermark ist der Anteil an fremdsprachigen Kindern jedoch noch höher. Österreichweit gibt es an Wiener Schulen die höchsten Zahlen (durchschnittlich 42 Prozent) an nicht deutschsprachigen Schüler/innen. Die unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründe der Kinder und Jugendlichen bringen neue Herausforderungen, aber auch Chancen für das österreichische Bildungssystem.

Die gestrige Podiumsdiskussion "Integration im Klassenzimmer", die im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Arena" der Kleinen Zeitung gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) veranstaltet wurde, beschäftigte sich mit dem Thema "Integration im Klassenzimmer". Über 100 Gäste folgten der angeregten Diskussion, zahlreiche Wortmeldungen bestätigten die Relevanz des Gesprächsthemas.

Neben Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz waren Univ.-Prof. Dr. Erol Yildiz, Migrationssoziologe an der Universität Klagenfurt, MMMag. Monika Potkanski vom Österreichischen Integrationsfonds und Mag. Joachim Hainzl vom Verein Xenos Gäste der Podiumsdiskussion.

75.000 Jugendliche ohne Ausbildung und Job

Integrationsstaatssekretär Kurz betonte: "Auch an Schulen muss gelten: Nicht die Herkunft, sondern die Leistungsbereitschaft und das eigene Engagement der Kinder und Jugendlichen zählt. Mit unserem 'Integrationsbotschafter-Projekt' holen wir erfolgreiche Role Models vor den Vorhang, die Kinder mit und ohne Migrationshintergrund motivieren, ihre Potenziale bestmöglich zu nutzen. Darüber hinaus dürfen wir die Probleme nicht unter den Teppich kehren. Unser Schulsystem hat 75.000 Jugendliche produziert, die ohne Ausbildung und Job da stehen. Fast die Hälfte davon sind Migranten. Es beginnt mit Schulpflichtverletzungen, führt zu Schulabbruch und endet in Arbeitslosigkeit. Hier müssen wir gegensteuern."

MMMag. Monika Potkanski präsentierte die Ergebnisse der Schulstudie "Integration im Klassenzimmer" des Österreichischen Integrationsfonds: "Diversität ist in Österreichs Schulen Realität. Es gilt, das Thema Integration in der Schule zu enttabuisieren und Wege für ein friedliches Miteinander zu finden. Denn die Ergebnisse unserer Studie zeigen klar: Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen hohem Migrantenanteil und schlechtem Klassenklima".

Mag. Joachim Hainzl, Sozialpädagoge vom Verein Xenos (Verein zur Förderung der soziokulturellen Vielfalt) thematisierte das Problem steigender Ausgrenzung an Schulen: "Derzeit werden - nicht nur im Klassenzimmer - Menschen in zu vielen Fällen vorrangig über die Identitätsmarker Herkunft, Sprache und Religion definiert. Aus diesem Denkwelt-Ghetto gilt es dringendst auszubrechen, will man mit den Herausforderungen soziokultureller Vielfalt tatsächlich konstruktiv umgehen".

Univ.-Prof. Dr. Erol Yildiz, Migrationssoziologe an der Universität Klagenfurt, betonte: "Entscheidend in der Schule ist, migrationsbedingte Unterschiede nicht nur zuzulassen, sondern als Kompetenzen aktiv zu fördern. Dazu bedarf es einer differenzierten schulischen Bildungsnormalität, die sich von Homogenisierungstendenzen verabschiedet und die vielfältigen Bildungskarrieren von Migrationskindern anerkennt, aufnimmt und differenziert fördert. Das kann nur mit diversitätsbewusst arbeitenden Schulen erreicht werden, in denen Unterschiede als Bildungsanlass, nicht als Bildungshindernis betrachtet werden". Zahlreiche Wortmeldungen von Personen aus dem Bildungsbereich, Vertreter/innen aus Migrant/innen-Vereinen und Gemeindepolitik sowie interessierten Eltern beschäftigten sich mit den Themenbereichen der frühen Sprachförderung in Deutsch und der Erstsprache sowie Rassismus an Schulen.

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Österreichischer Integrationsfonds
Mag. Ursula Schallaböck
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