• 16.02.2012, 13:30:11
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Montecuccoli: Nachhaltige Intensivierung in Österreichs Forstwirtschaft

Erfolgreiches Wirtschaftsjahr 2011 in heimischen Forstbetrieben

Wien (OTS) - Nach schwierigen Jahren können die heimischen
Forstbetriebe ihre positive Bilanz für das Jahr 2011 erneut
fortsetzen. Bis 2010 war die Situation von finanziellen Verlusten
geprägt, nun können die österreichischen Forstbetriebe für das
vergangene Jahr eine durchaus erfreuliche Bilanz ziehen. Die rege
Nachfrage nach Nadelsägerundholz, verbunden mit einer auskömmlichen
Preissituation, hat ihre wirtschaftliche Lage stabilisiert.

"Längst überfällige Investitionen können endlich getätigt,
wirtschaftlich sonst unrentable Lagen bewirtschaftet werden: wir
befinden uns in positiver Aufbruchsstimmung", beschreibt Felix
Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich,
anlässlich der Wirtschaftspressekonferenz die aktuelle Stimmung in
der Forstwirtschaft. "Neben den stabilen Holzpreisen bedeutet diese
Zeit der Entspannung nach wirtschaftlich herausfordernden Jahren ein
Mehr an Wertschätzung für den Rohstoff Holz", so Montecuccoli.

Triebkraft Nadelholz
Die erfreuliche Verbesserung der Nadelholzpreise war der Motor für
die positive Entwicklung am Rundholzmarkt. Die durchschnittlichen
Preise für Nadelsägerundholz lagen 2011 bei rund 94 Euro gegenüber 72
Euro noch im Jahr 2009. Auch beim Industrieholz waren
Preisanpassungen möglich, derzeit werden durchschnittlich 40 Euro je
Festmeter gezahlt. Triebkraft des erfolgreichen Wirtschaftsjahres war
somit das Nadelholz. Die positive Stimmung rührt auch von der
glücklichen Tatsache her, dass große Stürme und Kalamitäten seit drei
Jahren ausgeblieben sind. Zudem konnten vorbeugende Schutzmaßnahmen
der Forstwirtschaft und die günstige Witterung größere Schäden durch
den Borkenkäfer verhindern.

Laubholz bleibt forstökonomisches Sorgenkind
Die wirtschaftliche Stabilisierung ist aber nicht in allen Teilen der
Forstwirtschaft gegeben. Die Forstbetriebe mit hohem Laubholzanteil
kämpfen nach wie vor um das Erreichen einer Gewinnzone in der
Waldbewirtschaftung. Längere Produktionszeiten, geringere
Ertragsleistungen, höhere Produktionskosten, deutlich geringere
Anteile an ertragreichem Sägerundholz und niedrige Holzpreise sind
massive Nachteile in der Bewirtschaftung von Laubwäldern. So liegt
der aktuelle Buchenblochholzpreis bei rund 74 Euro, hier gab es in
den vergangenen zehn Jahren einen kontinuierlichen Abwärtstrend, seit
dem Vorjahr stagniert der Preis. Auch die Verarbeitungskapazitäten
der heimischen Holzindustrie sind auf das Nadelholz konzentriert. Nur
knapp zwei Prozent der heimischen Schnittholzproduktion kommen aus
dem Laubholz. Von rund 1.200 heimischen Sägewerken gibt es nur rund
25 Betriebe mit dem Focus auf Laubholzverarbeitung. Im Schnitt der
letzten Jahre wurden jährlich rund 160.000 Kubikmeter Laubschnittholz
produziert. "Hier wäre eine Optimierung wünschenswert: Forschung und
Innovation in der Laubholzverarbeitung sind die Gebote der Stunde, um
Erträge aus dem Laubholz mittel- bis langfristig zu erhöhen", stellt
Montecuccoli seine Forderungen an Wissenschaft und Wirtschaft klar.

Holzeinschlag und Holzverfügbarkeit
Der österreichische Holzeinschlag lag im Jahr 2011 bei rund 20
Millionen Festmeter, die durchschnittliche jährliche Holznutzung
(gemäß Holzeinschlagsmeldung HEM) lag bisher bei rund 18 Millionen
Festmetern. "Wir sind stolz, dass wir damit den Rückgang der
Importpotenziale aus Deutschland und Tschechien für Österreichs
Holzwirtschaft ausgleichen konnten: Die gute Kooperation entlang der
Wertschöpfungskette und die Preissituation führten zur notwendigen
Mehrnutzung", freut sich Präsident Montecuccoli über die aktuellen
Zahlen. Diese Zahlen korrelieren mit der von Experten errechneten
"jährlich nachhaltig lukrierbaren Holzverfügbarkeit von 20 bis 22
Millionen Erntefestmetern". Die in Österreichs Wäldern vorhandenen
Rohstoffpotenziale konnten somit sinnvoll genutzt werden.

Holzabsatzmärkte
Die Situation für die Sägeindustrie bleibt jedoch weiterhin
angespannt, da die Schnittholzpreise weiter stagnieren und im Winter
leicht rückläufig sind. Diese Anspannung am Markt kann jedoch nicht
durch eine Senkung der Rundholzpreise gelöst werden. Die Erfahrungen
der letzten Jahre zeigen, dass solche Preissenkungen sehr rasch zu
einem weiteren Rückgang der Schnittholzpreise führen, da das
Kernproblem in der Überkapazität der europäischen Sägeindustrie
liegt, die für ehemalig volumenstarke Exportabsatzmärkte wie die USA
errichtet wurden.

Forstwirtschaft bleibt spannend
Der Spielraum der Forstbetriebe für eine erfolgreiche wirtschaftliche
Lage bleibt demnach äußert gering. Im Gebirgsland Österreich ist die
Holzernte in vielen Lagen kostenintensiv: So kostet die
Seilkranbringung in den Alpen bergab mehr als das Doppelte der
Harvesternutzung in Niederbayern. Erhebliche Kosten verursachen
notwendige Investitionen in Waldbau und Infrastruktur, insbesondere
in Forststraßen, sowie die fachgerechte Betreuung der Wälder durch
gut ausgebildetes Personal. Bereits eine Absenkung der Holzerträge um
10 Euro würde die Bewirtschaftung schwieriger Lagen in Frage stellen
und die Nutzung des Potenzials unmöglich machen. Die Bewirtschaftung
teurer Hochlagen dank adäquater Holzpreise sichert dabei auch die
Erhaltung des Schutzwaldes. "Die Schutzwaldverjüngung war eine seit
Jahren überfällige Notwendigkeit, um natürliche Schutzwirkungen
weiterhin zu erhalten", erklärt Montecuccoli die Waldbewirtschaftung
als Bedingung für funktionierende Wälder.

Mischwälder mit hohem Nadelholzanteil als Zukunftschance
Um die vielfältigen Funktionen des Waldes zu erhalten, ist dessen
Bewirtschaftung unumgänglich. Die Anforderungen an Wald sind und
bleiben vielfältig: Zahlreiche politische Konzepte von Green Jobs bis
Klimastabilisierung bauen auf erneuerbare Rohstoffe, insbesondere
Holz, auf. Zudem ist die Schutzwirkung bei wachsenden
Siedlungsgebieten und höherer Frequenz auf Durchzugsstraßen und
Schienen wesentlich. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen in Ihrer
Freizeit den Wald auf. Dem zu erwartenden steigenden Nadelholzbedarf
der Industrie muss ebenfalls nachgekommen werden. Die Potenziale des
heimischen Waldes müssen daher gezielt genutzt und gesteigert werden.
"Das Konzept für die Zukunft ist nachhaltige Intensivierung:
Mischwälder mit erhöhtem Nadelholzanteil bieten aus ökonomischer
Sicht viele Vorteile, während sie ökologisch keine Nachteile
bringen", sieht Felix Montecuccoli Möglichkeiten, der Nachfrage der
Wirtschaft nachzukommen, gleichzeitig Erträge zu erwirtschaften und
damit alle Waldfunktionen zu erhalten. Seine Vorstellung geht in eine
ganz klare Richtung: "Wir müssen den Nadelholzanteil in unseren
Wäldern erhöhen!".

Politik und Wald: Ausblicke und Trends
Die nachhaltige Intensivierung der Waldbewirtschaftung braucht eine
Reihe von Rahmenbedingungen. Die Fundamente der Nachhaltigkeit sind
ein sicheres Eigentum, der Erhalt des Wertes der Familie und ein
stabiler Staat. Dazu gehören ein faires steuerliches Umfeld und die
unbeschränkte Möglichkeit des Vererbens der Familienbetriebe.
Nachhaltigkeit als Tradition der Familienbetriebe bedeutet für die
aktive Generation permanentes Verzichten, um auch für die
Zukunftsgeneration Ertragspotentiale zu schaffen. "Die Politik in
Österreich und Europa hat die Verantwortung und Aufgabe, diese Werte
weiter zu sichern", fordert Montecuccoli Steuerfairness, Sicherung
des Eigentums und Stärkung der Familien.
Weitere großflächige Schutzgebiete für künstliche Urwälder zu
schaffen, sind ebenfalls nicht zielführend. Die Stilllegung von
Flächen bedeutet eine Mehrnutzung auf anderen Flächen und den
Austausch von nachwachsenden durch fossile Rohstoffe.
Energiepolitische Aufgabe ist es zudem, den Wirkungsgrad sämtlicher
Energienutzungen zu steigern, emissionsfreie Energiequellen zu
fördern und den Einsatz klimaneutraler biogener Rohstoffe zu
maximieren. Wissenschaft und Forschung müssen sich auf die Genetik
der Waldbäume konzentrieren und Modelle und Richtlinien für
nachhaltig intensivierten Waldbau erarbeiten. Der Einsatz biogener
Rohstoffe in allen Bereichen industrieller Verwertung muss
vorangetrieben werden.

Rückfragehinweis:
Land&Forst Betriebe Österreich
Mag. Katharina Brandner
Kommunikation und Public Affairs
Tel.: +43-1-533 02 27-21
mailto:[email protected]

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