- 13.02.2012, 09:49:35
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WGKK-Sperre des Neuzugangs zur kassenfinanzierten Psychotherapie: Outsourcen von Versorgungsverantwortung mit katastrophalen Folgen
Wien (OTS) - Bekanntermaßen haben die Kassen bis heute vermieden,
den im Sozialversicherungsgesetz seit 20 Jahren vorgesehenen
Gesamtvertrag für Psychotherapie mit der Berufsvertretung
abzuschließen. Stattdessen wurde die gesamte Versorgungsverantwortung
- wie die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel eingesetzt
werden, wie die PatientInnen zur Psychotherapie kommen, wie die
Behandlung durchzuführen ist und welche PsychotherapeutInnen so
genannte "Kassenstunden" erhalten - den privaten Versorgungsvereinen
überantwortet. Das bewährte sozialpartnerschaftliche Dreieck zur
bestmöglichen Ausgewogenheit zwischen Interessen der Krankenkassen,
der PatientInnen und der LeistungsanbieterInnen wurde im Fall der
Psychotherapie aufgelöst. Stattdessen wurde, vorbei am
Solidarprinzip, ein "Stellschrauben-System" im Geist der neoliberalen
Wirtschaftssysteme errichtet, das nicht nur eine krasse
Ungleichbehandlung von PatientInnen, sondern auch prekäre
Arbeitsverhältnisse von PsychotherapeutInnen und eine dramatische
Unterversorgung mit Psychotherapie produziert.
Systemfehler und Misswirtschaft sollen am Rücken der
PsychotherapeutInnen und der PatientInnen ausgetragen werden.
Die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung (WGPV)
hat im Jahr 2011 ihre Kontingente um 28.000 Stunden überzogen. Die
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) wurde von der Berufsvertretung
bereits 2008 aufgefordert, ihre Aufsichtspflicht gegenüber der WGPV
wahrzunehmen. Schließlich geht es um öffentliche Gelder in Höhe von
ca. 3,5 Mio Euro, die die WGPV verwaltet. Leider ist die Krankenkasse
unserer Aufforderung damals nicht nachgekommen.
Hilfe suchende PatientInnen unversorgt - prekäre Arbeitssituation für
PsychotherapeutInnen
Zur "Bereinigung" der Situation sperren WGKK/WGPV nun den
Neuzugang zu kassenrefundierten Einzelpsychotherapien - ohne
Rücksicht auf die PatientInnen, die Psychotherapie brauchen und ohne
Rücksicht auf die PsychotherapeutInnen, die ihre Kassenpraxis auch
auf Kontingentstunden aufgebaut haben. Aber damit nicht genug: Die
WGPV räumt vor einigen Tagen ein, die Hilfe suchenden PatientInnen
seien unversorgt! Nun wird nach PsychotherapeutInnen gesucht, die
finanzschwachen PatientInnen sozial entgegenkommende Honorare
anbieten sollen! Für Befürworter marktgesteuerter Verdrängungssysteme
möglicherweise eine geniale Idee: Nachfrageverknappung schafft
Konkurrenzdruck schafft Bereitschaft, ruinöse Arbeitsbedingungen zu
akzeptieren! Aus der Sicht sozial verantwortungsvoller
GesundheitspolitikerInnen ein nicht mehr vertretbarer
Fairness-Verstoß gegen die Berufsgruppe der PsychotherapeutInnen!
Vertragslösung mit der Berufsvertretung immer drängender!
Die Missstände in der WGKK/WGPV machen die Notwendigkeit einer
Vertragslösung mit der Berufsvertretung der PsychotherapeutInnen noch
deutlicher. Die gesundheitspolitischen EntscheidungsträgerInnen sind
dringend aufgefordert, auch im Bereich der Psychotherapie zur
sozialpartnerschaftlichen Haltung zurückzukehren und einen fairen
Umgang mit der Berufsgruppe zu fördern. Konstruktive
Vertragsverhandlungen mit der Berufsvertretung sind dringend
voranzutreiben.
Rückfragehinweis:
Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin ÖBVP T: 0676/600 46 76, E: [email protected] Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP T: 01/512 70 90.23, E: [email protected] www.psychotherapie.at
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