WGKK-Sperre des Neuzugangs zur kassenfinanzierten Psychotherapie: Outsourcen von Versorgungsverantwortung mit katastrophalen Folgen

Wien (OTS) - Bekanntermaßen haben die Kassen bis heute vermieden, den im Sozialversicherungsgesetz seit 20 Jahren vorgesehenen Gesamtvertrag für Psychotherapie mit der Berufsvertretung abzuschließen. Stattdessen wurde die gesamte Versorgungsverantwortung - wie die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel eingesetzt werden, wie die PatientInnen zur Psychotherapie kommen, wie die Behandlung durchzuführen ist und welche PsychotherapeutInnen so genannte "Kassenstunden" erhalten - den privaten Versorgungsvereinen überantwortet. Das bewährte sozialpartnerschaftliche Dreieck zur bestmöglichen Ausgewogenheit zwischen Interessen der Krankenkassen, der PatientInnen und der LeistungsanbieterInnen wurde im Fall der Psychotherapie aufgelöst. Stattdessen wurde, vorbei am Solidarprinzip, ein "Stellschrauben-System" im Geist der neoliberalen Wirtschaftssysteme errichtet, das nicht nur eine krasse Ungleichbehandlung von PatientInnen, sondern auch prekäre Arbeitsverhältnisse von PsychotherapeutInnen und eine dramatische Unterversorgung mit Psychotherapie produziert.

Systemfehler und Misswirtschaft sollen am Rücken der PsychotherapeutInnen und der PatientInnen ausgetragen werden.

Die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung (WGPV) hat im Jahr 2011 ihre Kontingente um 28.000 Stunden überzogen. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) wurde von der Berufsvertretung bereits 2008 aufgefordert, ihre Aufsichtspflicht gegenüber der WGPV wahrzunehmen. Schließlich geht es um öffentliche Gelder in Höhe von ca. 3,5 Mio Euro, die die WGPV verwaltet. Leider ist die Krankenkasse unserer Aufforderung damals nicht nachgekommen.

Hilfe suchende PatientInnen unversorgt - prekäre Arbeitssituation für PsychotherapeutInnen

Zur "Bereinigung" der Situation sperren WGKK/WGPV nun den Neuzugang zu kassenrefundierten Einzelpsychotherapien - ohne Rücksicht auf die PatientInnen, die Psychotherapie brauchen und ohne Rücksicht auf die PsychotherapeutInnen, die ihre Kassenpraxis auch auf Kontingentstunden aufgebaut haben. Aber damit nicht genug: Die WGPV räumt vor einigen Tagen ein, die Hilfe suchenden PatientInnen seien unversorgt! Nun wird nach PsychotherapeutInnen gesucht, die finanzschwachen PatientInnen sozial entgegenkommende Honorare anbieten sollen! Für Befürworter marktgesteuerter Verdrängungssysteme möglicherweise eine geniale Idee: Nachfrageverknappung schafft Konkurrenzdruck schafft Bereitschaft, ruinöse Arbeitsbedingungen zu akzeptieren! Aus der Sicht sozial verantwortungsvoller GesundheitspolitikerInnen ein nicht mehr vertretbarer Fairness-Verstoß gegen die Berufsgruppe der PsychotherapeutInnen!

Vertragslösung mit der Berufsvertretung immer drängender!

Die Missstände in der WGKK/WGPV machen die Notwendigkeit einer Vertragslösung mit der Berufsvertretung der PsychotherapeutInnen noch deutlicher. Die gesundheitspolitischen EntscheidungsträgerInnen sind dringend aufgefordert, auch im Bereich der Psychotherapie zur sozialpartnerschaftlichen Haltung zurückzukehren und einen fairen Umgang mit der Berufsgruppe zu fördern. Konstruktive Vertragsverhandlungen mit der Berufsvertretung sind dringend voranzutreiben.

Rückfragen & Kontakt:

Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin ÖBVP
T: 0676/600 46 76, E: eva.mueckstein@aon.at

Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP
T: 01/512 70 90.23, E: oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
www.psychotherapie.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OBP0001