• 09.02.2012, 09:00:52
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Ungelöste Probleme in der Europäischen Währungsunion belasten österreichische Wirtschaft

Wien (OTS/WIFO) - Weltweit und insbesondere im Euro-Raum verlor
die Konjunktur im Laufe des Jahres 2011 an Schwung. Im Euro-Raum
lassen die Konjunkturindikatoren für die erste Jahreshälfte 2012 eine
anhaltende Stagnation erwarten. Diese Entwicklung belastet auch die
österreichische Wirtschaft. Allerdings sind auch Anzeichen einer
Konjunkturstabilisierung zu erkennen. Dennoch dürfte die heimische
Wirtschaft im I. Quartal nicht wachsen. Als Folge der gedämpften
Entwicklung bleibt die Situation auf dem Arbeitsmarkt eingetrübt. Die
Inflation ist hingegen rückläufig.

Die Expansion der Weltwirtschaft schwächte sich in der zweiten
Jahreshälfte 2011 merklich ab. Diese Dämpfung der weltweiten
Konjunktur resultierte in erster Linie aus der ungünstigen
Entwicklung im Euro-Raum. Die Unsicherheit von privaten Haushalten
und Unternehmen aufgrund der anhaltenden Vertrauenskrise bezüglich
der öffentlichen Finanzen sowie die Verschärfung der
Sparanstrengungen in fast allen Ländern des Euro-Raumes schwächen die
Nachfrage. Die Konjunkturindikatoren deuten auf eine Stagnation der
Wirtschaft im Euro-Raum im IV. Quartal 2011 und I. Quartal 2012 hin.

In den USA gewann die Konjunktur im Laufe des Jahres 2011 hingegen
an Schwung, die Wirtschaft wuchs im IV. Quartal kräftig. Die
vorlaufenden Konjunkturindikatoren geben Anlass zu weiterem
vorsichtigen Optimismus. Auch die Arbeitsmarktlage entspannt sich
etwas, die Arbeitslosenquote sank im Jänner merklich. In den
asiatischen Schwellenländern und in Japan hält die Aufwärtsdynamik
ebenfalls an.

Die österreichische Wirtschaft büßte im Verlauf des Jahres 2011
erheblich an Dynamik ein. Aufgrund der schwachen Entwicklung im
Euro-Raum verringerten sich die Impulse aus dem Ausland deutlich.
Privater Konsum und Ausrüstungsinvestitionen entwickelten sich
hingegen weitgehend stabil. Im IV. Quartal 2011 dürfte sich das
Wirtschaftswachstum neuerlich verlangsamt haben. Die künftige
Entwicklung wird im WIFO-Konjunkturtest ungünstiger eingeschätzt als
die aktuelle Lage. Dies deutet auf eine Fortsetzung der Stagnation in
der ersten Jahreshälfte 2012 hin.

Die Situation auf dem österreichischen Arbeitsmarkt bleibt
eingetrübt. Im Jänner stieg die Zahl der unselbständig aktiv
Beschäftigten saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat kaum. Die
Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch, im Jänner waren 318.000
Personen vorgemerkt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug
gemäß der österreichischen Berechnungsmethode im Jänner 6,8%, gemäß
Eurostat im Dezember 4,1%. Allerdings ging auch die Zahl der
Schulungsteilnehmer zurück. Aufgrund des Rückgangs der Rohstoff- und
Energiepreise verringerte sich hingegen die Inflation. Der Anstieg
der Verbraucherpreise betrug im Dezember gemäß nationalem VPI 3,2%
gegenüber dem Vorjahr. Das Inflationsdifferential zum Euro-Raum ist
damit unverändert hoch.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.itkt.at/ ). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragehinweis:
Dr. Stefan Ederer
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-464 * Fax. +43 1 798 93 86
Stefan.Ederer@wifo.ac.at

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