Neues Psychotherapie-Debakel der WGKK zeigt: Gesundheitsleistungen privatisieren und kontingentieren schadet den PatientInnen

Wien (OTS) - Im Jahr 2000 haben die Krankenkassen die
Psychotherapie zum "Versuchskaninchen" im österreichischen Gesundheitswesen erklärt: Das bewährte, sozialpartnerschaftlich organisierte Dreieck Krankenkassen - Leistungsanbieter - PatientInnen wurde für die psychotherapeutische Versorgung aufgelöst. Das System zur psychotherapeutischen Krankenbehandlung auf Krankenschein wurde vollständig in die Hände von privaten Versorgungsvereinen gelegt und kontingentiert.

Kassen haben Verantwortung für Behandlungssystem abgestreift

Die Verantwortung für die entscheidenden System- und Qualitätsfragen - wie die zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln eingesetzt werden, wie die PatientInnen zur Psychotherapie kommen, wie die Behandlung durchzuführen ist und welche PsychotherapeutInnen so genannte "Kassenstunden" erhalten, - liegt seither nicht mehr in den Händen der WGKK, sondern bei den privaten Versorgungsvereinen. Die für die Qualitätssicherung und Fachlichkeit zuständige Berufsvertretung wurde von den Kassen schlicht umgangen. Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP): "Regelmäßig rufen im Berufsverband PatientInnen an, die sich beschweren, weil sie keine kassenfinanzierte Psychotherapie finden. Schicken wir diese PatientInnen zur Krankenkasse, werden sie ohne Aussicht auf Erfolg im Kreis geschickt: Die Kassen erklären, die Versorgungsvereine sind zuständig. Die Versorgungsvereine sagen, die Kontingente sind ausgeschöpft und verweisen auf die Kassen.".

Mit schwerwiegenden nachteiligen Folgen für die PatientInnen

Bezeichnend ist, dass die Kassen seit der Kontingentierung nicht mehr von Menschen, sondern nur noch von Behandlungsstunden reden. So erklärte die WGKK gestern in den Medien, den Neuzugang zur Psychotherapie sperren zu wollen, weil der private Versorgungsverein 74.000 über das Kontingent hinaus gehende Behandlungsstunden vergeben haben soll. Was steckt hinter dieser Äußerung der WGKK: Ein schwerer Systemfehler, den die Kassen selbst verursacht haben und geschätzte 2000 Personen, die unter psychischen Störungen und Problemen leiden und offenbar - gegen den Willen der WGKK - behandelt wurden! Für dieses "Vergehen" sollen nun offenbar die Psychotherapie-Bedürftigen bestraft werden!

ÖBVP fordert angesichts der neuen Misere: Schluss mit den Psychotherapie-Experimenten!

  • Die EntscheidungsträgerInnen sind aufgefordert das gesetzlich verankerte sozialpartnerschaftliche Versorgungsdreieck auch für den Bereich Psychotherapie (wieder) herzustellen
  • Der ÖBVP fordert die Aufnahme von Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen, damit die entscheidenden System- und Qualitätsfragen vertraglich geregelt werden
  • Der ÖBVP fordert die Aufhebung der Kontingentierung der Therapiestunden, um jedem psychisch Erkrankten die notwendige Behandlung zu ermöglichen.

Die WGKK wird aufgefordert, die Verantwortung für den Systemfehler selbst zu tragen und den PatientInnen den Zugang zur Kassen-Psychotherapie sofort wieder zu öffnen!

Rückfragen & Kontakt:

Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin ÖBVP
T: 0676/600 46 76, E: eva.mueckstein@aon.at

Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP
T: 01/512 70 90.23, E: oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
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