DER STANDARD-KOMMENTAR "Endlich Taten statt Worte" von Nina Weißensteiner

Ausgabe vom 1.2.2012

Wien (OTS) - Für seine zweite Amtszeit hat der Bundespräsident versprochen, endlich deutlicher zu werden. Mit seiner Weigerung, dem FPÖ-Chef einen von der Regierung vorgeschlagenen Orden zu verleihen, hat Heinz Fischer dieses Gelöbnis nun erstmals eingelöst.

Jahrelang galt der Mann in der Hofburg mit seiner stets abwägenden Art auch als ewiger Zauderer und Zögerer - nicht wenige wünschten sich etwa, dass er dem jährlichen Treiben der Rechtsextremen in den Prunkräumen endlich ein Ende setzt oder den Ball der Korporierten zumindest mit deutlicher Geste verurteilt. Auf den Teil des Komplexes der Hofburg habe er keinen Einfluss, hat Fischer da jedoch immer beteuert - und damit den Eindruck erweckt, dass er lieber stillhält, anstatt dagegen aufzustehen.

Doch bräunliche Umtriebe und deplatzierte Vergleiche mit der Judenverfolgung sind keine heiklen Angelegenheiten, die sich irgendwann von selbst erledigen - sondern untragbar und inakzeptabel für das Land. Es genügt auch nicht, ihre Urheber bloß abzumahnen, wie es gerade auch die Vertreter der ÖVP tun. Um da überzeugend zu bleiben, braucht es auch konsequentes Handeln - und das kann nicht so aussehen, dass die Regierung Heinz-Christian Strache für Ehrungen vorschlägt - gute alte Usancen hin oder her.

Der Bundespräsident hat das erkannt - und sich damit von einem Mann, der es ständig allen recht machen will, zu einem Staatsoberhaupt mit Rückgrat entwickelt.

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