VKI: 24-Stunden-Betreuung - 45 Anbieter im Überblick

Mehrere Angebote einholen und im Vorfeld die benötigten Anforderungen abklären

Wien (OTS/VKI) - Viele ältere und betreuungsbedürftige Menschen sind auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen. Schätzungen sozialer Dienste zufolge sind weit über eine halbe Million Menschen nicht mehr in der Lage, ihren Alltag alleine zu bewältigen. An Organisationen, welche die dazu erforder-lichen Dienstleistungen anbieten, mangelt es nicht. Die große Auswahl macht es für Betroffene oder deren Angehörige aber nicht leichter, eine auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung zu finden. Im Rahmen einer Erhebung zu Kosten und Leistungen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 77 Anbieter von 24-Stunden-Betreuung mit Firmensitz beziehungsweise Adresse in Österreich kontaktiert - 45 davon gaben nähere Auskünfte. Die Kosten für einen Betreuer bewegen sich bei den befragten Institutionen - je nach Anforderung und Leistungsspektrum - zwischen 40 und 115 Euro pro Tag. Zusätzlich fallen unter Umständen Kosten für die Agentur/den Verein oder für Sozialversicherungsbeiträge an. Den Gesamtüberblick gibt es auf www.konsument.at sowie in der Februarausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

Individuelle Anforderungen abklären

"Das Leistungsangebot der Vermittlungsagenturen ist sehr unterschiedlich, jeder einzelne Pflegefall wiederum individuell. Umso wichtiger ist es für die Betroffenen, im Vorfeld genau abzuklären, welche Leistungen benötigt werden, welche Anforderungen unverzichtbar sind und wo Kompromisse geschlossen werden können", erläutert VKI-Gesundheitsexpertin Dr. Angela Tichy. Dabei sind u.a. folgende Punkte relevant: Sind neben betreuerischen Tätigkeiten auch pflegerische öder ärztliche Tätigkeiten erforderlich? In diesem Fall ist es von Vorteil, wenn die Betreuungsperson eine höhere Ausbildung aufweist, auch wenn diese in Österreich meist nicht anerkannt ist. Sorgt die Agentur oder der Verein von sich aus für Ersatz, wenn die Betreuung ausfällt? Da eine 24-Stunden-Betreuung ohne Personal aus dem Ausland nicht denkbar wäre, sollte man auch klären, im welchem Umfang Deutschkenntnisse benötigt werden: Sollen Amtswege übernommen werden oder wünscht sich die zu betreuende Person auch sozialen Kontakt und Unterhaltung?

Kosten detailliert aufstellen

Nicht nur die Leistungen und das Angebot fallen höchst unterschiedlich aus, auch die Kosten und die Zahlungsmodalitäten variieren erheblich. Die Modelle der 45 befragten Anbieter reichen von kostenloser Vermittlungstätigkeit über einmalige Gebühren bis hin zu regelmäßigen Jahresgebühren, von monatlichen Beiträgen bis zu stundenweiser Abrechnung. Auch Staffelungen nach Vertragsdauer sind möglich. Für Kurzeit- und Urlaubsbetreuung gelten oft gesonderte Tarife. Die in Rechnung gestellten Tageshonorare der Personenbetreuer sind in der Regel abhängig vom Pflegeaufwand sowie den Deutschkenntnissen und der Ausbildung der Betreuungspersonen. Die Spanne reicht in der Erhebung von 40 bis 115 Euro pro Tag.

Tichy: "Wir raten dazu, mehrere Angebote einzuholen. Manche Anbieter verrechnen aber bereits für ein Informationsgespräch bzw. das Angebot Kosten, auch wenn letztlich kein Vermittlungsvertrag zustande kommt. Deshalb ist es ratsam, sich im Vorfeld über eventuelle Kosten zu erkundigen. Dennoch kann sich auch dieser kurzfristige finanzielle Mehraufwand auf lange Frist rechnen."

Schriftlicher Betreuungsvertrag

Die Personenbetreuer sind dazu verpflichtet, einen schriftlichen Betreuungsvertrag aufzusetzen, in dem alle zu erbringenden Dienstleistungen aufgelistet sein müssen. Tichy: "Nehmen Sie sich die Zeit und studieren Sie den Vertrag sehr sorgfältig, bevor Sie ihn unterzeichnen, denn alle darin nicht vereinbarten Dienstleistungen müssen vom Betreuungspersonal nicht ausgeführt werden." Im Vertrag müssen auch Handlungsleitlinien für den Alltag und für den Notfall enthalten sein. Die erbrachten Dienstleistungen wiederum sind vom Betreuer in schriftlicher Form zu dokumentieren, ebenso wie die Personenbetreuer dazu verpflichtet sind, ein Haushaltsbuch zu führen, in dem alle im Rahmen der Betreuung erbrachten Ausgaben angeführt sind.

Tipps des Vereins für Konsumenteninformation:

- Information. Erkundigen Sie sich Sie sich vorab über die Leistungen und Kosten der Betreuungsvermittlung. Überlegen Sie sich gut, welche Leistungen Sie von dem jeweiligen Anbieter erwarten. Einen Überblick zu Anbietern im Bereich der Personenbetreuung gibt die KONSUMENT-Februarausgabe.

- Angebot. Lassen Sie sich ein Angebot vorlegen, das sämtliche zu erfüllenden Leistungen und alle anfallenden Kosten (einschließlich Vermittlungsgebühren, Sozialabgaben, Fahrtkosten sowie mögliche Ausgaben für Kost und Logis) beinhaltet. Überprüfen Sie vertragliche Inhalte (Bindungsfristen, Zahlungsmodalitäten, Leistungen, Möglichkeiten).

- Staatliche Förderung. Die hohen Kosten können durch staatliche Förderungen gemildert werden. Voraussetzung für eine staatliche Förderung ist neben der Pflegestufe und einem monatlichen Einkommen von nicht mehr als 2.500 Euro der Nachweis der Qualifikation der Betreuungskraft. Der Personenbetreuer muss entweder eine theoretische Ausbildung nachweisen, die einer Heimhilfe entspricht oder seit mindestens sechs Monaten den Förderwerber sachgerecht betreut haben bzw. es muss eine fachspezifische Ermächtigung der Betreuungskraft zu pflegerischen Tätigkeiten vorliegen.

- Steuerliche Absetzbarkeit. Bei einer 24-Stunden-Betreuung können Aufwendungen und Kosten (z.B. Kosten für Betreuungspersonal, Vermittlungskosten, Arzneimittel, Pflegemittel) als außergewöhnliche Belastung im Folgejahr steuerlich abgesetzt werden.

Sämtliche Details zur Erhebung und weitere Informationen zum Thema gibt es auf www.konsument.at sowie in der Februarausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
amorawetz@vki.at
www.konsument.at

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