VKI: Zusatzkrankenversicherungen - Versicherer versprechen zu viel

Nicht gesetzeskonform: Versicherer stellen häufig bessere medizinische Versorgung in Aussicht

Wien (OTS/VKI) - Der Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zu Wartezeiten auf einen Operationstermin (KONSUMENT 9/2011) hat Staub aufgewirbelt. Die Tatsache, dass Patienten mit einer Zusatzversicherung deutlich rascher einen notwendigen Operationstermin erhalten hätten als Kassenpatienten, sorgte für Aufregung. Zahlreiche Reaktionen zeigten zugleich, dass viele Privatversicherte ihre Polizzen offenbar in der festen Meinung abschließen, sich damit Vorteile im medizinischen Bereich zu erkaufen. Der VKI hat daraufhin den Internetauftritt und konkrete Angebote der sieben in Österreich tätigen Anbieter analysiert (Allianz, Donau, Generali, Merkur, Muki, Wiener Städtische und Uniqa). Bis auf einige Ausnahmen versprachen diese mehr, als sie eigentlich dürften. Details zur Erhebung gibt es auf www.konsument.at sowie ab dem 26.1. in der Februarausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

"Die Werbeargumente einiger Versicherer verleiten zu der Annahme, dass der Abschluss einer Zusatzkrankenversicherung eine bessere und raschere Behandlung mit sich bringt", resümiert VKI-Projektleiterin Gabi Kreindl. "Eine Zusatzkrankenversicherung bietet laut Gesetz erhöhten Komfort bei der Unterbringung im Spital und bringt Vorteile bei der Arztwahl. Diese erstreckt sich aber nicht auf die Qualität der medizinischen Versorgung, diese muss für alle Patientinnen und Patienten gleich sein." Nichtsdestotrotz fanden sich bereits bei der Analyse des Internetauftrittes u.a. folgende Darstellungen: "keine Wartezeit bei wichtigen Operationen", "Sie bekommen schneller wichtige Behandlungstermine", "Sie können den Zeitpunkt Ihrer Behandlung oder einer nicht akuten Operation mitbeeinflussen". Lediglich Merkur und Muki stellten hier keine bessere medizinische Versorgung und raschere Spitalstermine in Aussicht.

Darüber hinaus holten jeweils vier Testpersonen per E-Mail bei jedem Versicherer ein Angebot ein (gesamt: 28 Anfragen). In 18 Fällen wurde ein Angebot unterbreitet. Hier fanden sich bei rund einem Drittel nicht gesetzeskonforme Versprechungen, die eine bessere medizinische Versorgung vermuten lassen, z.B.: "... der wichtigste Vorteil ist, dass Sie enorm verkürzte Wartezeiten bei dringenden und notwendigen Behandlungen haben. Des Weiteren haben Sie in Vertragskrankenhäusern freie Arztwahl, 2-Bett-Zimmer und vor allem den besten Zugang zur besten Medizin." Korrekt verhielten sich die Berater der Wiener Städtischen. In keinem der vier unterbreiteten Angebote fand sich ein Hinweis auf eine bessere medizinische Versorgung. Ebenfalls in Ordnung waren die drei Rückmeldungen von der Muki-Versicherung sowie das Angebot von Merkur. In drei Fällen reagierte letztere allerdings nicht auf die E-Mail-Anfrage.

"Versprechungen, dass der Abschluss einer Zusatzkrankenversicherung die Wartezeiten auf OP-Termine verkürzt, sind unseriös. Das Krankenversicherungssystem in Österreich sieht diesbezüglich keine Vorteile für privatversicherte Patientinnen und Patienten vor. Wie unsere Erhebung zeigt, ist hier definitiv noch Handlungsbedarf gegeben", so Kreindl.

Details zur Erhebung gibt es auf www.konsument.at sowie ab dem 26.1. in der Februarausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

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