- 13.01.2012, 18:32:05
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Staatssekretär Ostermayer: "Hans Marsalek war immer ein Kämpfer für eine gerechte Gesellschaft"
Gedenkveranstaltung für den langjährigen Leiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Wien (OTS) - "In seinem Leben finden sich die Extreme des 20.
Jahrhunderts in all ihren unterschiedlichen Facetten wieder", sagte
Staatssekretär Josef Ostermayer heute, Freitag, anlässlich einer
Gedenkfeier für Hans Marsalek im Bundeskanzleramt. Der
Widerstandskämpfer, Chronist des Konzentrationslagers Mauthausen,
Mitbegründer der Lagergemeinschaft Mauthausen und des Mauthausen
Komitees ist am 9. Dezember im Alter von 97 Jahren gestorben.
Das Leben des gebürtigen Wieners mit böhmischen Wurzeln war geprägt
vom Widerstand gegen Gewaltherrschaft und Tyrannei. Von Jugend an war
er politisch tätig. "Für ihn war immer klar: Ablehnung und
Gegnerschaft gegen jedes faschistische Gedankengut", sagte der
Staatssekretär. Bereits während des Austrofaschismus sei der
Sozialdemokrat und spätere Kommunist deshalb verfolgt und misshandelt
worden.
Wegen seiner Aktivitäten gegen die Nationalsozialisten wurde Hans
Marsalek 1941 verhaftet und war ab 1942 im KZ Mauthausen interniert.
Er hatte den Beruf eines Schriftsetzers erlernt. Deshalb wurde er
nach qualvollen anderen Zuteilungen letztlich als Lagerschreiber
eingesetzt. "Die Arbeit in der Schreibstube war eine der wenigen
Möglichkeiten für andere KZ-Häftlinge aktiv zu sein", sagte
Ostermayer. "Ab dem Sommer 1944 begann Hans Marsalek dann auch in
einer kleinen Widerstandsorganisation im Lager mitzuarbeiten und das
illegale internationale Mauthausen Komitee aufzubauen."
Diese Arbeit habe er nach der Befreiung Österreichs fortgesetzt. Hans
Marsalek beteiligte sich am Aufbau des Archivs und des Museums der
KZ-Gedenkstätte. Der unermüdliche Mahner gegen Faschismus, Rassismus
und Rechtsextremismus beeinflusste die gesamte Entwicklung der
Gedenkkultur in Österreich maßgeblich. Ihm ist es dabei besonders
wichtig gewesen, Jugendlichen politisches Bewusstsein zu vermitteln.
Seine Chronik der "Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen"
ist heute noch eines der Standardwerke über die Menschenverachtung
der Verantwortlichen und der Mitläufer des Dritten Reiches. "Es gibt
kein einziges wissenschaftliches Werk zu diesem Thema, das nicht auf
seinen umfangreichen Dokumentationen, auf seinen Vorarbeiten, auf
seinen Archivbeständen aufbaut, die er nahezu im Alleingang
geschaffen hat", sagte der Staatssekretär. Marsalek sei nicht bereit
gewesen, die Geschehnisse einfach zu historisieren, er habe die
Topografie des Terrors genau nachgezeichnet. "Damit war er unangenehm
in einer Gesellschaft, die diesen Teil der Geschichte zu verdrängen
versuchte, zu vergessen versuchte", sagte Ostermayer. "Das alles ist
seine Lebensleistung für die er immer in Erinnerung bleiben wird."
"Hans Marsalek war immer ein Kämpfer für eine gerechte Gesellschaft.
Diesen Kampf haben wir nicht nur in seinem Gedenken und in seinem
Andenken weiterzuführen", schloss Staatssekretär Josef Ostermayer.
Den Verstorbenen würdigten bei der Gedenkfeier im Bundeskanzleramt
neben Staatssekretär Josef Ostermayer auch Nationalratspräsidentin
Barbara Prammer, der frühere Diözesanbischof von Linz Maximilian
Aichern, der Präsident des Comité International de Mauthausen Dusan
Stefancic und der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich Willi
Mernyi.
Fotos zu dieser Gedenkveranstaltung im Bundeskanzleramt sind über
das Fotoservice des
Bundespressedienstes,http://fotoservice.bundeskanzleramt.at,
kostenfrei abrufbar.
Rückfragehinweis:
Elvira Franta, Bakk. phil.
Pressesprecherin von Staatssekretär Dr. Josef Ostermayer
Tel.: (01) 531 15 - 2656
mailto:[email protected]
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