• 13.01.2012, 09:35:19
  • /
  • OTS0032 OTW0032

Wawrowsky zur Hauptverbands-Befragung über Zufriedenheit mit Gesundheitssystem

Vieles altbekannt, wesentliche Kritikpunkte betreffen das Kassensystem

Wien (OTS) - Gelassen reagierte der Obmann der Bundeskurie
Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
Günther Wawrowsky, auf eine am Donnerstag vom Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger (HV) präsentierte Studie
über die Zufriedenheit der Österreicher mit dem heimischen
Gesundheitssystem. "Es ist erfreulich, dass immer noch 85 Prozent
zufrieden sind. Dass fast ebensoviele Leute die geplanten
Gesundheitsreformen gutheißen, möchte ich kritisch hinterfragen.
Schließlich ist nicht klar, um welche Maßnahmen es konkret geht. Ich
bin mir sicher, dass die meisten nach dem Florianiprinzip reagieren
würden, wenn - wie das z.B. die ÖVP will - gleich einmal 1,8
Milliarden Euro an Gesundheitsausgaben eingespart würden", erklärte
Wawrowsky in einer Aussendung am Freitag.

Doppeluntersuchungen medizinisch begründet

Dass nur ein Fünftel der Befragten erklärt, die negativen Folgen
mangelnder Abstimmung im Gesundheitswesen selbst oder bei einem
Angehörigen erlebt zu haben, könne, so der Chef der niedergelassenen
Ärzte, auch nicht dadurch schlechtgeredet werden, dass kranke
Befragte eher unzufrieden sind. Wawrowsky: "Ich werde nicht müde zu
betonen: Wenn eine Untersuchung wiederholt wird, hat das einen
triftigen medizinischen Grund. Eine erfolgreiche Therapie setzt
aktuelle Werte voraus. Je komplexer die Erkrankung, desto mehr
Parameter muss der Arzt regelmäßig überprüfen und gerade einem schwer
kranken Menschen ist es nicht zuzumuten, sich auch noch medizinisches
Fachwissen anzueignen. Der Patient hat ein Recht darauf, dass sein
Arzt diese Verantwortung übernimmt."

Ärzte hätten gern mehr Zeit für Patientengespräche

Laut der HV-Studie sinkt die große Zufriedenheit mit Kompetenz und
Zuwendung des Hausarztes bei Befragten mit schlechtem
Gesundheitszustand. Dazu Wawrowsky: "Der Hauptverband meint, darin
die Grenzen des Hausarztes zu erkennen. - Ich erkenne darin die
Grenzen des derzeitigen Kassensystems. Ein chronisch kranker Patient
braucht selbstverständlich mehr Zuwendung als jemand, der
vorübergehend Kopfweh hat. Ich kenne keinen Kollegen, der sich nicht
wünschen würde, mehr Zeit fürs Gespräch zu haben. Allein, diese
wichtige ärztliche Leistung wird im Kassensystem weder ideell noch
finanziell wertgeschätzt. Stattdessen wird Fließbandmedizin
gefördert."

Arztpraxen-Kontrolle längst umgesetzt

Die geforderte Kontrolle ärztlicher Leistungen finde längst statt, so
Wawrowsky: 100 Prozent der Ordinationen würden im Auftrag des
Gesundheitsministeriums von der Österreichischen Gesellschaft für
Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH
(ÖQMed) kontrolliert. Über die Ergebnisse berichte die ÖÄK dem
Gesundheitsminsterium. Wawrowsky: "Unabhängige Kontrolle wünscht
sich nur ein Drittel der Befragten. Die Leute wollen nämlich zu Recht
verlässliche Beurteilungen. Und wer, außer Medizinern, sollte
medizinische Leistungen seriös kontrollieren?" Auch die geforderte
Datenbank über ärztliche Leistungen sowie Ärztebewertungen seien
längst Realität. Umfassende Informationen über das Angebot jeder
Ordination in Österreich sind unter www.aerztekammer.at/arztsuche
abrufbar. Um tagesaktuelle Wartezeiten zu erfragen, genügt ein Anruf
bei der Ordinationshilfe. Und wenngleich sich laut Wawrowsky über die
Aussagekraft von Arztrankings streiten lasse, führten namhafte Medien
sie jährlich durch.

Weniger Vertrauen in E-Medikation

Im Vergleich zum Vorjahr glaubten laut Studie 2011 weniger Befragte
daran, dass die E-Medikation geeignet ist, den Arzt zu informieren,
Spital, Arzt und Apotheker besser untereinander abzustimmen, die
Sicherheit der Patienten zu erhöhen oder Kosten zu senken. (ar)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 45 DW

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAE

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel