Wawrowsky zur Hauptverbands-Befragung über Zufriedenheit mit Gesundheitssystem

Vieles altbekannt, wesentliche Kritikpunkte betreffen das Kassensystem

Wien (OTS) - Gelassen reagierte der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, auf eine am Donnerstag vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HV) präsentierte Studie über die Zufriedenheit der Österreicher mit dem heimischen Gesundheitssystem. "Es ist erfreulich, dass immer noch 85 Prozent zufrieden sind. Dass fast ebensoviele Leute die geplanten Gesundheitsreformen gutheißen, möchte ich kritisch hinterfragen. Schließlich ist nicht klar, um welche Maßnahmen es konkret geht. Ich bin mir sicher, dass die meisten nach dem Florianiprinzip reagieren würden, wenn - wie das z.B. die ÖVP will - gleich einmal 1,8 Milliarden Euro an Gesundheitsausgaben eingespart würden", erklärte Wawrowsky in einer Aussendung am Freitag.

Doppeluntersuchungen medizinisch begründet

Dass nur ein Fünftel der Befragten erklärt, die negativen Folgen mangelnder Abstimmung im Gesundheitswesen selbst oder bei einem Angehörigen erlebt zu haben, könne, so der Chef der niedergelassenen Ärzte, auch nicht dadurch schlechtgeredet werden, dass kranke Befragte eher unzufrieden sind. Wawrowsky: "Ich werde nicht müde zu betonen: Wenn eine Untersuchung wiederholt wird, hat das einen triftigen medizinischen Grund. Eine erfolgreiche Therapie setzt aktuelle Werte voraus. Je komplexer die Erkrankung, desto mehr Parameter muss der Arzt regelmäßig überprüfen und gerade einem schwer kranken Menschen ist es nicht zuzumuten, sich auch noch medizinisches Fachwissen anzueignen. Der Patient hat ein Recht darauf, dass sein Arzt diese Verantwortung übernimmt."

Ärzte hätten gern mehr Zeit für Patientengespräche

Laut der HV-Studie sinkt die große Zufriedenheit mit Kompetenz und Zuwendung des Hausarztes bei Befragten mit schlechtem Gesundheitszustand. Dazu Wawrowsky: "Der Hauptverband meint, darin die Grenzen des Hausarztes zu erkennen. - Ich erkenne darin die Grenzen des derzeitigen Kassensystems. Ein chronisch kranker Patient braucht selbstverständlich mehr Zuwendung als jemand, der vorübergehend Kopfweh hat. Ich kenne keinen Kollegen, der sich nicht wünschen würde, mehr Zeit fürs Gespräch zu haben. Allein, diese wichtige ärztliche Leistung wird im Kassensystem weder ideell noch finanziell wertgeschätzt. Stattdessen wird Fließbandmedizin gefördert."

Arztpraxen-Kontrolle längst umgesetzt

Die geforderte Kontrolle ärztlicher Leistungen finde längst statt, so Wawrowsky: 100 Prozent der Ordinationen würden im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH (ÖQMed) kontrolliert. Über die Ergebnisse berichte die ÖÄK dem Gesundheitsminsterium. Wawrowsky: "Unabhängige Kontrolle wünscht sich nur ein Drittel der Befragten. Die Leute wollen nämlich zu Recht verlässliche Beurteilungen. Und wer, außer Medizinern, sollte medizinische Leistungen seriös kontrollieren?" Auch die geforderte Datenbank über ärztliche Leistungen sowie Ärztebewertungen seien längst Realität. Umfassende Informationen über das Angebot jeder Ordination in Österreich sind unter www.aerztekammer.at/arztsuche abrufbar. Um tagesaktuelle Wartezeiten zu erfragen, genügt ein Anruf bei der Ordinationshilfe. Und wenngleich sich laut Wawrowsky über die Aussagekraft von Arztrankings streiten lasse, führten namhafte Medien sie jährlich durch.

Weniger Vertrauen in E-Medikation

Im Vergleich zum Vorjahr glaubten laut Studie 2011 weniger Befragte daran, dass die E-Medikation geeignet ist, den Arzt zu informieren, Spital, Arzt und Apotheker besser untereinander abzustimmen, die Sicherheit der Patienten zu erhöhen oder Kosten zu senken. (ar)

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