- 10.01.2012, 09:21:39
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"Gutes" HDL-Cholesterin kann auch "böse" sein
Wien (OTS) - Die Ergebnisse einer aktuellen Studie an der
Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien könnten die
Bewertung von HDL-Cholesterin revolutionieren: Thomas Weichhart und
Marcus Säemann von der Abteilung für Nephrologie haben
herausgefunden, dass das vermeintlich "gute" HDL-Cholesterin auch
"böse" sein und entzündliche Reaktionen sogar verstärken kann.
Generell wurde bisher zwischen "gutem" HDL-Cholesterin und "bösem"
LDL-Cholesterin unterschieden. LDL trägt zu
Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Hirnblutungen bei, das
"gute" HDL schützt davor. Jetzt stellten die MedUni Wien-ExpertInnen
aber fest, dass bei Dialyse-PatientInnen die antientzündliche Wirkung
von HDL nicht gegeben ist. "Vielmehr verstärkte das HDL mehrfach die
Entzündungsreaktionen und könnte damit die latente chronische
Entzündung, die mit einem hohen kardiovaskulären Risiko verbunden
ist, erklären", betont Säemann.
Bei einer genaueren Untersuchung des HDL bei Dialyse-PatientInnen,
also Personen mit Niereninsuffizienz, wurde festgestellt, dass ein
bestimmtes Molekül, das so genannte Serum Amyloid A (SAA), bei diesen
Personen deutlich erhöht war. SAA ist eine sehr wahrscheinliche
Ursache für den Defekt des HDL. Weichhart: "Wenn man SAA in gesundes
HDL einbaut, wird es auch funktionsuntüchtig."
Qualität wichtiger als Quantität
Diese Entdeckung könnte die Bewertung von HDL-Cholesterin
verändern. Bisher wird ein hoher HDL-Wert als optimal angesehen.
"Viel wichtiger als die Menge ist aber offensichtlich die Qualität
des HDL. Nicht funktionsfähiges HDL-Cholesterin ist wertlos - selbst
hohe HDL-Spiegel wären damit nicht mehr gesund", sagt Weichhart.
Weitere Erkenntnis: "Das Senken des LDL-Wertes ist deshalb noch immer
wichtiger als das Anheben des HDL-Wertes", so Säemann.
Allerdings ist es derzeit nicht möglich, mit einfachen Tests
"böses" HDL rasch zu identifizieren. An der Entwicklung eines
derartigen Tests arbeiten Weichhart und Säemann derzeit. Sie haben
gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien ein Patent erhalten,
um die Veränderungen im HDL mit Hilfe eines einfachen Labortests zu
bestimmen und so das Risiko für künftige Herz-Kreislauferkrankungen
besser abschätzen zu können - und früher therapeutisch eingreifen zu
können.
In den vergangenen Jahren konnte für einige Erkrankungen wie die
koronare Herzkrankheit (KHK), den Diabetes mellitus oder die
rheumatoide Arthritis gezeigt werden, dass jede Erkrankung offenbar
ihr eigenes, charakteristisches HDL besitzt. Weiters kommen einige
der im HDL von Niereninsuffizienten neu entdeckten Proteine auch im
HDL dieser Erkrankungen vor, wo HDL seine günstigen,
anti-entzündlichen und gefäßschützenden Eigenschaften ebenso
verliert. "Mit dem neuen Labortest könnte nun untersucht werden, ob
verändertes HDL sowohl bei niereninsuffizienten PatienInnen in einem
frühen Stadium ihrer Erkrankung mit einer schlechteren Prognose
einhergeht, und ob dies bei PatientInnen etwa mit Diabetes oder nach
Herzinfarkt auch passiert. Damit wäre es mit Hilfe eines einfachen
Testprinzips möglich, zu einem frühen Zeitpunkt therapeutisch zu
intervenieren und damit die Gesamtprognose entscheidend zu
verändern", so die MedUni Wien-Forscher
Service: Journal of the American Society of Nephrology
"The proteomic signature of dysfunctional uremic HDL identifies
SAA as proinflammatory component". Thomas Weichhart, Chantal
Kopecky, Markus Kubicek, Michael Haidinger, Dominik Döller, Karl
Katholnig, Cacang Suarna, Philipp Eller, Markus Tölle, Christopher
Gerner, Gerhard J Zlabinger, Markus van der Giet, Walter H. Hörl,
Roland Stocker, Marcus D Säemann.
Rückfragehinweis:
Medizinische Universität Wien Mag. Johannes Angerer Leiter Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Fundraising Tel.: +431 40160 - 11 501 Mobil: +43 664 800 16 11 501 mailto:[email protected] http://www.meduniwien.ac.at
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