Die Presse - Leitartikel: "Da draußen wartet etwas Neues", von Michael Fleischhacker

Ausgabe vom 27.12.2011

Wien (OTS) - War es wirklich ein Katastrophenjahr, das da zu Ende geht? Nein, war es nicht. Es ist eines von vielen Umbruchjahren, die noch kommen werden. Es kündigen sich große Änderungen an, deren Vorboten wir sehen.

Der Arabische Frühling, die japanische Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe, das Ende von Osama bin Laden, das Wahnsinnsverbrechen des Anders Breivik, und über allem die Eurokrise:
Man muss kein Apokalyptiker von Geburt an sein, um 2011 als "Katastrophenjahr" in seinem persönlichen Archiv abzulegen. Es sind in diesem Jahr sehr viele Dinge passiert, die man, wollte man sie als Einzelereignisse verstehen, "Katastrophe" nennen würde.
Vieles von dem, was passiert ist, lässt sich aber weder als isoliertes Ereignis verstehen noch als Teil eines kompakten Geschehens, dessen einzelne Aspekte sich einer gemeinsamen Logik unterordnen ließen. Wir müssen erst noch sehen, was da kommt. Einstweilen bleiben wir in der Interpretation dessen, was 2011 passiert ist, auf das Sammeln von Hinweisen angewiesen, auf die Verknüpfung von Informationen, die wir über die Jahre gesammelt haben und, ja, auf das Gefühl von Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten hauptberuflich die Weltläufte beobachten.
Meine Kollegin und Chefin vom Dienst, Friederike Leibl-Bürger, hat sich deshalb dazu entschlossen, diesen Jahresrückblick nicht nur chronologisch zu erarbeiten, sondern ihn gewissermaßen als historisches Fundbüro zu arrangieren: Jene Texte aus der "Presse" dieses Jahres, die den Eindruck erwecken, dass sie auch nächstes Jahr noch einen Beitrag zur Erklärung dessen liefern könnten, was da kommt, sind in diesem Sonderteil versammelt.
Viel Österreichisches ist naturgemäß nicht darunter. Das vermutlich wichtigste Ereignis fand ja auch erst kurz vor Weihnachten statt:
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat den SPÖ-Schnöselapparatschik Nikolaus Pelinka zu seinem Büroleiter gemacht.
Gut möglich, dass es sich dabei um den kleinen Tropfen handelt, der das Fass zum Überlaufen bringt, ganz so, wie es in den arabischen Diktaturen war. Am Ende dieses Prozesses sollte das Ende des ORF, wie wir ihn kennen, stehen: Als Selbstbedienungsladen für feige Pseudo-Manager und intellektuell herausgeforderte Pseudo-Politiker. Diese Hybris einer politmedialen Provinztruppe leitet den letzten Akt ein. Diesen ORF braucht niemand mehr, er sollte den Weg aller verknöcherten Herrschaftssysteme gehen.

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