• 26.12.2011, 18:12:19
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Die Presse - Leitartikel: "Da draußen wartet etwas Neues", von Michael Fleischhacker

Ausgabe vom 27.12.2011

Wien (OTS) - War es wirklich ein Katastrophenjahr, das da zu Ende
geht? Nein, war es nicht. Es ist eines von vielen Umbruchjahren, die
noch kommen werden. Es kündigen sich große Änderungen an, deren
Vorboten wir sehen.

Der Arabische Frühling, die japanische Erdbeben-, Tsunami- und
Atomkatastrophe, das Ende von Osama bin Laden, das
Wahnsinnsverbrechen des Anders Breivik, und über allem die Eurokrise:
Man muss kein Apokalyptiker von Geburt an sein, um 2011 als
"Katastrophenjahr" in seinem persönlichen Archiv abzulegen. Es sind
in diesem Jahr sehr viele Dinge passiert, die man, wollte man sie als
Einzelereignisse verstehen, "Katastrophe" nennen würde.
Vieles von dem, was passiert ist, lässt sich aber weder als
isoliertes Ereignis verstehen noch als Teil eines kompakten
Geschehens, dessen einzelne Aspekte sich einer gemeinsamen Logik
unterordnen ließen. Wir müssen erst noch sehen, was da kommt.
Einstweilen bleiben wir in der Interpretation dessen, was 2011
passiert ist, auf das Sammeln von Hinweisen angewiesen, auf die
Verknüpfung von Informationen, die wir über die Jahre gesammelt haben
und, ja, auf das Gefühl von Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten
hauptberuflich die Weltläufte beobachten.
Meine Kollegin und Chefin vom Dienst, Friederike Leibl-Bürger, hat
sich deshalb dazu entschlossen, diesen Jahresrückblick nicht nur
chronologisch zu erarbeiten, sondern ihn gewissermaßen als
historisches Fundbüro zu arrangieren: Jene Texte aus der "Presse"
dieses Jahres, die den Eindruck erwecken, dass sie auch nächstes Jahr
noch einen Beitrag zur Erklärung dessen liefern könnten, was da
kommt, sind in diesem Sonderteil versammelt.
Viel Österreichisches ist naturgemäß nicht darunter. Das vermutlich
wichtigste Ereignis fand ja auch erst kurz vor Weihnachten statt:
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat den
SPÖ-Schnöselapparatschik Nikolaus Pelinka zu seinem Büroleiter
gemacht.
Gut möglich, dass es sich dabei um den kleinen Tropfen handelt, der
das Fass zum Überlaufen bringt, ganz so, wie es in den arabischen
Diktaturen war. Am Ende dieses Prozesses sollte das Ende des ORF, wie
wir ihn kennen, stehen: Als Selbstbedienungsladen für feige
Pseudo-Manager und intellektuell herausgeforderte Pseudo-Politiker.
Diese Hybris einer politmedialen Provinztruppe leitet den letzten Akt
ein. Diesen ORF braucht niemand mehr, er sollte den Weg aller
verknöcherten Herrschaftssysteme gehen.

Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
mailto:[email protected]
www.diepresse.com

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