• 24.11.2011, 10:30:42
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Goldverkauf in Tirol - Gewichtige Differenzen

8 Unternehmen im VKI-Test: Angebote zwischen 760 und 1.774 Euro bei selber Ausgangsbasis

Wien (OTS/VKI) - Mit Gold zum schnellen Geld? Dass beim
Privatverkauf von Gold Vorsicht geboten ist, hat der Verein für
Konsumenteninformation (VKI) bereits vor rund einem Jahr (KONSUMENT
1/2011) bei einem Test im Großraum Wien gezeigt. Vier von 16
getesteten Firmen boten aufgrund gravierender Einschätzungsfehler
weniger als zwei Drittel des tatsächlichen Wertes. Nun hat der VKI
acht Firmen in Innsbruck und Umgebung unter die Lupe genommen. Die
Ergebnisse präsentierte der VKI bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit der AK Tirol, in deren Rahmen VKI-Geschäftsführer Dr. Josef
Kubitschek und AK-Tirol-Präsident Erwin Zangerl zugleich die
umfangreichen Kooperationen beider Organisationen darlegten -
darunter eine Tirol-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT für alle
Mitglieder der AK Tirol, deren aktuelle Ausgabe neben dem
präsentierten Test zu Goldverkauf die jährliche durchgeführte
Preiserhebung zu Skigebieten sowie einen Preisvergleich
Österreich-Deutschland enthält.

Im Rahmen des Test Goldverkauf traten auch in Tirol massive
Preisunterschiede sowie Zuordnungsfehler auf. Zwei Firmen boten gar
weniger als die Hälfte des Gesamtwertes, der im Testzeitraum
(September 2011) zwischen 1.740 und 1.774 Euro lag: "Juwelier Jolanda
Lang" sowie "Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser". Diese
boten 760 bzw. 800 Euro und damit bis zu 57 Prozent unter dem
tagesaktuellen Goldkurs. Das beste Angebot erhielten die Tester mit
1.774 Euro hingegen im Antiquitätengeschäft "Edle Zeitmesser
worldtime KG". "Sehr gute" Bewertungen gab es zudem für "Goldstube
Pfanzelt Silvia" und die ÖGUSSA.

Gravierende fachliche Fehler

Ursache für die breite Streuung waren gravierende fachliche
Fehler, etwa bei der Zuordnung der Feingehalte. So unterschieden
einige Händler nicht zwischen 14 und 18 Karat. Darüber hinaus gab es
bei "Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser" große
Ungereimtheiten beim Abwiegen des Goldes: Statt 78 Gramm zeigte die
Waage lediglich 38 Gramm an - 40 Gramm gingen somit "verloren". In
diesem speziellen Fall fand ein weiterer Testdurchlauf statt - doch
auch bei einem zweiten Versuch wiederholten sich die Mängel. Vorsicht
geboten ist zudem bei sogenannten "Fliegenden Händlern": Das Angebot
lag bei AURIFER Edelmetallrecycling GmbH Goldparty" mit rund 1.430
Euro bei rund 82 Prozent des errechneten Gesamtwertes - allerdings
erst nachdem der Ankäufer darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei
der vorgelegten Münze nicht um eine Medaille handelt. Eine Medaille
hat mitunter einen geringeren Feingehalt als eine Münze und ist daher
weniger wert.

"Wir raten dringend dazu, nicht blindlings dem erstbesten Anbieter
zu vertrauen, sondern mehrere Angebote einzuholen und sich den
Verkauf schriftlich bestätigen zu lassen", so VKI-Geschäftsführer Dr.
Josef Kubitschek bei einer gemeinsam mit der Arbeiterkammer Tirol
veranstalteten Pressekonferenz. "Reklamationen sind mitunter
schwierig, deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld soweit als möglich
selbst über den Wert von Schmuck und Münzen zu informieren und dies
auch zu dokumentieren. Mit dem Wissen über Feingehalt, Gewicht und
Tageskurs hat man wichtige Kontrollinstrumente an der Hand."

Goldankauf in Tirol - Wie wurde getestet?

Der VKI untersuchte acht Unternehmen in Innsbruck und Umgebung,
darunter Goldankaufstellen, Juweliere, einen Antiquitätenhändler
sowie jeweils einen "fliegenden Händler" und eine Scheideanstalt. 13
Schmuckstücke ohne Steine wurden zum Verkauf angeboten. Darunter zwei
Ringe mit 18 Karat Gold Feingehalt und weitere elf Schmuckstücke zu
je 14 Karat. Zusätzlich wurde den potenziellen Ankäufern eine
Goldmünze in Form der 1/10 Unze Australian Nugget vorgelegt. Der
Gesamtwert betrug im Testzeitraum (19.9. bis 22.9.2011) zwischen
1.740 und 1.774 Euro. Als Richtwert für den Verkauf diente der
aktuelle Tageskurs des Edelmetallankaufspreises für Gold auf der
ÖGUSSA-Homepage. Im Test wurden folgende Kategorien erhoben und
bewertet: der erzielte Wert (90%), die Kundenfreundlichkeit (2%)
sowie die ausreichende Kundeninformation (8%).

Tipps, die Goldes wert sind:

- Selbst schätzen. Ausgangsbasis bei Schmuckstücken ist die
Feingehaltspunze: 585 = 14 Karat; 750 = 18 Karat Goldanteil. Weitere
Schritte: Den Schmuck auf einer digitalen Küchenwaage abwiegen, sich
auf der ÖGUSSA-Homepage über tagesaktuelle Edelmetall-Ankaufspreise
für Bruchgold informieren und den Preis für 1 Gramm Bruchgold mit dem
Gewicht multiplizieren. Mit dem Wissen über Feingehalt, Gewicht und
Tageskurs hat man wichtige Kontrollinstrumente an der Hand.

- Fotos zur Dokumentation. Falls die Ware zum Begutachten bei einer
Firma deponiert wird, hat man damit einen Beweis für Aussehen und
Anzahl der Schmuckstücke. Zusätzlich sollte man sich in diesem Fall
einen Beleg geben lassen, auf dem Anzahl und Gewicht vermerkt sind.

- Mehrere Ankaufstellen aufsuchen. Außerhalb von Innsbruck kaufen die
meisten Juweliere kein Gold an, außer der Verkäufer erwirbt neuen
Schmuck. Meist bleibt daher der Weg in die Landeshauptstadt nicht
erspart. Es ist empfehlenswert, mindestens drei Vergleichsangebote
einzuholen.

- Achtung vor "Fliegenden Händlern". Betriebe, die ohne festen
Firmensitz und lediglich mit einer Telefonnummer auf einer
Postwurfsendung auftreten, sollte man besser meiden.

- Anfechtung. Ein Ankaufsangebot sollte den errechneten Wert um
höchstens fünf Prozent unterschreiten. Erhält man weniger als die
Hälfte des Marktpreises, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer
Anfechtung. Allerdings kann die Rückabwicklung eines abgeschlossenen
Goldverkaufs schwierig sein, da sich nicht immer beweisen lässt, wie
schwer das Schmuckstück war und wie viel Feingehalt bzw. Karat es
hatte.

Langjährige Kooperation zwischen AK Tirol und VKI

Präventive Information von Konsumenten - wie im konkreten Fall zur
Thematik Goldverkauf -zähle zu Kernkompetenzen von
Verbraucherorganisationen, so Kubitschek im Rahmen der
Pressekonferenz. Ein umfassendes Beratungsangebot bietet etwa die
VKI-Landesstelle in Innsbruck, die 1965 gegründet und seit Herbst
2004 in Kooperation mit der Arbeiterkammer Tirol geführt wird. AK
Präsident Erwin Zangerl: "Für uns ist der Konsumentencorner die
ideale Ergänzung. Denn dadurch können die beiden
Konsumentenschutzeinrichtungen ihr Know-How gebündelt allen
Tirolerinnen und Tirolern anbieten."

Seit Anfang 2011 verzeichneten die drei Mitarbeiterinnen unter
Leitung von Mag. Ilona Zweckberger rund 6.000 persönliche und
telefonische Beratungen. Beratungsschwerpunkte sind die Themen
Finanzdienstleistung (Kreditverträge, Veranlagungen und
Versicherungen) und Telekommunikation (überhöhte Telefonrechnungen,
Überschreitung des Download-volumens, Cold Calling), aber auch Fragen
zu Vertragsabschlüssen im Internet, zu Vertragsrücktritt und zu
Gewährleistungsansprüchen. Von der VKI-Landesstelle Tirol wird
darüber hinaus die Außenstelle des Europäischen Verbraucherzentrums
(EVZ) Österreich betreut. Das EVZ Österreich ist Teil eines
Netzwerkes von derzeit 29 Europäischen Verbraucherzentren, deren
Aufgabe es ist, Konsumenten bei der Geltendmachung und Durchsetzung
ihrer Rechte im europäischen Ausland zu unterstützen.

Außerdem bestehen erfolgreiche Kooperationen der AK Tirol und des
VKI im Zuge von mehreren Abmahn-und Verbandsklageverfahren. So etwa
gegen unzulässige Klauseln von Banken bei Fremdwährungskrediten.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Kooperation zwischen AK
Tirol und VKI ist die Tirol-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT.
Dieses wird seit 1999 allen AK-Tirol-Mitgliedern kostenlos zur
Verfügung gestellt - und beinhaltet als speziellen Service
zusätzliche aktuelle Informationen und Veranstaltungstipps der AK
Tirol. Zangerl: "Mit dem Tirol-Konsument haben die AK-Mitglieder ein
verlässliches Informations- und Testmagazin, das ihnen monatlich von
ihrer AK zugeschickt wird."

Sämtliche Details zum Test gibt es auf www.konsument.at um im
Dezember-KONSUMENT.

Rückfragehinweis:

Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument" 
   Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
   Tel.: 01/588 77 - 256
   mailto:[email protected]
   www.konsument.at
   
   Arbeiterkammer Tirol
   Dr. Elmar Schiffkorn
   Pressestelle
   Tel.: 0512/5340 - 1280
   E-Mail: [email protected]
   www.ak-tirol.com

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