Goldverkauf in Tirol - Gewichtige Differenzen

8 Unternehmen im VKI-Test: Angebote zwischen 760 und 1.774 Euro bei selber Ausgangsbasis

Wien (OTS/VKI) - Mit Gold zum schnellen Geld? Dass beim Privatverkauf von Gold Vorsicht geboten ist, hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bereits vor rund einem Jahr (KONSUMENT 1/2011) bei einem Test im Großraum Wien gezeigt. Vier von 16 getesteten Firmen boten aufgrund gravierender Einschätzungsfehler weniger als zwei Drittel des tatsächlichen Wertes. Nun hat der VKI acht Firmen in Innsbruck und Umgebung unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse präsentierte der VKI bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der AK Tirol, in deren Rahmen VKI-Geschäftsführer Dr. Josef Kubitschek und AK-Tirol-Präsident Erwin Zangerl zugleich die umfangreichen Kooperationen beider Organisationen darlegten -darunter eine Tirol-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT für alle Mitglieder der AK Tirol, deren aktuelle Ausgabe neben dem präsentierten Test zu Goldverkauf die jährliche durchgeführte Preiserhebung zu Skigebieten sowie einen Preisvergleich Österreich-Deutschland enthält.

Im Rahmen des Test Goldverkauf traten auch in Tirol massive Preisunterschiede sowie Zuordnungsfehler auf. Zwei Firmen boten gar weniger als die Hälfte des Gesamtwertes, der im Testzeitraum (September 2011) zwischen 1.740 und 1.774 Euro lag: "Juwelier Jolanda Lang" sowie "Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser". Diese boten 760 bzw. 800 Euro und damit bis zu 57 Prozent unter dem tagesaktuellen Goldkurs. Das beste Angebot erhielten die Tester mit 1.774 Euro hingegen im Antiquitätengeschäft "Edle Zeitmesser worldtime KG". "Sehr gute" Bewertungen gab es zudem für "Goldstube Pfanzelt Silvia" und die ÖGUSSA.

Gravierende fachliche Fehler

Ursache für die breite Streuung waren gravierende fachliche Fehler, etwa bei der Zuordnung der Feingehalte. So unterschieden einige Händler nicht zwischen 14 und 18 Karat. Darüber hinaus gab es bei "Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser" große Ungereimtheiten beim Abwiegen des Goldes: Statt 78 Gramm zeigte die Waage lediglich 38 Gramm an - 40 Gramm gingen somit "verloren". In diesem speziellen Fall fand ein weiterer Testdurchlauf statt - doch auch bei einem zweiten Versuch wiederholten sich die Mängel. Vorsicht geboten ist zudem bei sogenannten "Fliegenden Händlern": Das Angebot lag bei AURIFER Edelmetallrecycling GmbH Goldparty" mit rund 1.430 Euro bei rund 82 Prozent des errechneten Gesamtwertes - allerdings erst nachdem der Ankäufer darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der vorgelegten Münze nicht um eine Medaille handelt. Eine Medaille hat mitunter einen geringeren Feingehalt als eine Münze und ist daher weniger wert.

"Wir raten dringend dazu, nicht blindlings dem erstbesten Anbieter zu vertrauen, sondern mehrere Angebote einzuholen und sich den Verkauf schriftlich bestätigen zu lassen", so VKI-Geschäftsführer Dr. Josef Kubitschek bei einer gemeinsam mit der Arbeiterkammer Tirol veranstalteten Pressekonferenz. "Reklamationen sind mitunter schwierig, deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld soweit als möglich selbst über den Wert von Schmuck und Münzen zu informieren und dies auch zu dokumentieren. Mit dem Wissen über Feingehalt, Gewicht und Tageskurs hat man wichtige Kontrollinstrumente an der Hand."

Goldankauf in Tirol - Wie wurde getestet?

Der VKI untersuchte acht Unternehmen in Innsbruck und Umgebung, darunter Goldankaufstellen, Juweliere, einen Antiquitätenhändler sowie jeweils einen "fliegenden Händler" und eine Scheideanstalt. 13 Schmuckstücke ohne Steine wurden zum Verkauf angeboten. Darunter zwei Ringe mit 18 Karat Gold Feingehalt und weitere elf Schmuckstücke zu je 14 Karat. Zusätzlich wurde den potenziellen Ankäufern eine Goldmünze in Form der 1/10 Unze Australian Nugget vorgelegt. Der Gesamtwert betrug im Testzeitraum (19.9. bis 22.9.2011) zwischen 1.740 und 1.774 Euro. Als Richtwert für den Verkauf diente der aktuelle Tageskurs des Edelmetallankaufspreises für Gold auf der ÖGUSSA-Homepage. Im Test wurden folgende Kategorien erhoben und bewertet: der erzielte Wert (90%), die Kundenfreundlichkeit (2%) sowie die ausreichende Kundeninformation (8%).

Tipps, die Goldes wert sind:

- Selbst schätzen. Ausgangsbasis bei Schmuckstücken ist die Feingehaltspunze: 585 = 14 Karat; 750 = 18 Karat Goldanteil. Weitere Schritte: Den Schmuck auf einer digitalen Küchenwaage abwiegen, sich auf der ÖGUSSA-Homepage über tagesaktuelle Edelmetall-Ankaufspreise für Bruchgold informieren und den Preis für 1 Gramm Bruchgold mit dem Gewicht multiplizieren. Mit dem Wissen über Feingehalt, Gewicht und Tageskurs hat man wichtige Kontrollinstrumente an der Hand.

- Fotos zur Dokumentation. Falls die Ware zum Begutachten bei einer Firma deponiert wird, hat man damit einen Beweis für Aussehen und Anzahl der Schmuckstücke. Zusätzlich sollte man sich in diesem Fall einen Beleg geben lassen, auf dem Anzahl und Gewicht vermerkt sind.

- Mehrere Ankaufstellen aufsuchen. Außerhalb von Innsbruck kaufen die meisten Juweliere kein Gold an, außer der Verkäufer erwirbt neuen Schmuck. Meist bleibt daher der Weg in die Landeshauptstadt nicht erspart. Es ist empfehlenswert, mindestens drei Vergleichsangebote einzuholen.

- Achtung vor "Fliegenden Händlern". Betriebe, die ohne festen Firmensitz und lediglich mit einer Telefonnummer auf einer Postwurfsendung auftreten, sollte man besser meiden.

- Anfechtung. Ein Ankaufsangebot sollte den errechneten Wert um höchstens fünf Prozent unterschreiten. Erhält man weniger als die Hälfte des Marktpreises, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Anfechtung. Allerdings kann die Rückabwicklung eines abgeschlossenen Goldverkaufs schwierig sein, da sich nicht immer beweisen lässt, wie schwer das Schmuckstück war und wie viel Feingehalt bzw. Karat es hatte.

Langjährige Kooperation zwischen AK Tirol und VKI

Präventive Information von Konsumenten - wie im konkreten Fall zur Thematik Goldverkauf -zähle zu Kernkompetenzen von Verbraucherorganisationen, so Kubitschek im Rahmen der Pressekonferenz. Ein umfassendes Beratungsangebot bietet etwa die VKI-Landesstelle in Innsbruck, die 1965 gegründet und seit Herbst 2004 in Kooperation mit der Arbeiterkammer Tirol geführt wird. AK Präsident Erwin Zangerl: "Für uns ist der Konsumentencorner die ideale Ergänzung. Denn dadurch können die beiden Konsumentenschutzeinrichtungen ihr Know-How gebündelt allen Tirolerinnen und Tirolern anbieten."

Seit Anfang 2011 verzeichneten die drei Mitarbeiterinnen unter Leitung von Mag. Ilona Zweckberger rund 6.000 persönliche und telefonische Beratungen. Beratungsschwerpunkte sind die Themen Finanzdienstleistung (Kreditverträge, Veranlagungen und Versicherungen) und Telekommunikation (überhöhte Telefonrechnungen, Überschreitung des Download-volumens, Cold Calling), aber auch Fragen zu Vertragsabschlüssen im Internet, zu Vertragsrücktritt und zu Gewährleistungsansprüchen. Von der VKI-Landesstelle Tirol wird darüber hinaus die Außenstelle des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) Österreich betreut. Das EVZ Österreich ist Teil eines Netzwerkes von derzeit 29 Europäischen Verbraucherzentren, deren Aufgabe es ist, Konsumenten bei der Geltendmachung und Durchsetzung ihrer Rechte im europäischen Ausland zu unterstützen.

Außerdem bestehen erfolgreiche Kooperationen der AK Tirol und des VKI im Zuge von mehreren Abmahn-und Verbandsklageverfahren. So etwa gegen unzulässige Klauseln von Banken bei Fremdwährungskrediten.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Kooperation zwischen AK Tirol und VKI ist die Tirol-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT. Dieses wird seit 1999 allen AK-Tirol-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt - und beinhaltet als speziellen Service zusätzliche aktuelle Informationen und Veranstaltungstipps der AK Tirol. Zangerl: "Mit dem Tirol-Konsument haben die AK-Mitglieder ein verlässliches Informations- und Testmagazin, das ihnen monatlich von ihrer AK zugeschickt wird."

Sämtliche Details zum Test gibt es auf www.konsument.at um im Dezember-KONSUMENT.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
amorawetz@vki.at
www.konsument.at

Arbeiterkammer Tirol
Dr. Elmar Schiffkorn
Pressestelle
Tel.: 0512/5340 - 1280
E-Mail: elmar.schiffkorn@ak-tirol.com
www.ak-tirol.com

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